Flughafendebatte Politik muss verlässlich sein: Tegel schließen

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Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin

Expertise:

Regine Günther ist Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin, vorher arbeitete sie als Generaldirektorin für Politik und Klimaschutz beim WWF Deutschland.

Eine Offenhaltung wäre eine grobe Täuschung der betroffenen Bürger und ist sowohl politisch als auch moralisch nicht hinnehmbar.

Am 24. September stimmen die Berlinerinnen und Berliner darüber ab, ob der Flughafen Tegel nach der Eröffnung des neuen Flughafens BER dauerhaft weiter betrieben werden soll. Nach Einschätzung des Senats ist ein Weiterbetrieb rechtlich nicht möglich. Natürlich nehmen wir zur Kenntnis, dass es auch Rechtsgutachten gibt, die zu anderen Auffassungen kommen. Es wird also mit Blick auf Genehmigungen zu langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen. Darüber hinaus können zwei große Flughäfen nicht wirtschaftlich betrieben werden, gerade wenn die Gesamtkapazitäten auch mit Billigfluglinien ausgelastet werden sollen, die nach allen Erfahrungen nur eine sehr begrenzte Bereitschaft zur Deckung der Flughafenkosten mitbringen.

Zwei große Flughäfen können nicht wirtschaftlich betrieben werden. 

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Bisher stehen diese rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte einer Offenhaltung Tegels im Vordergrund. Es geht jedoch auch um eine andere ganz andere Dimension des Themas, nämlich die Art und Weise, wie unsere Stadtgesellschaft ihr Zusammenleben gestaltet. Und da geht es eben nicht nur darum, ob wir einen zweiten Flughafen wollen oder das Flughafengelände für innovatives Gewerbe, für Wohnraum und Naherholung nutzen möchten. Vielmehr stellt sich gerade bei einem solchen Infrastrukturprojekt mit seinen weitreichenden Folgen für eine Vielzahl von Menschen die Frage, welche Verlässlichkeit oder Verbindlichkeit Entscheidungen haben, die nach langwierigen politischen Prozessen zustande gekommen und die umfangreich gerichtlich überprüft worden sind.

Lärm macht krank: Vom Fluglärm in Tegel sind knapp 300 000 Berliner betroffen.

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Nach neuen Berechnungen der Umweltverwaltung sind knapp 300 000 Berlinerinnen und Berliner vom Fluglärm in Tegel betroffen. Fast die Hälfte davon hat Anspruch auf aufwändige Lärmschutzmaßnahmen. Lärm macht krank: Schlafstörungen, Depressionen, Kreislauferkrankungen sind nur einige der möglichen Folgen. Der Lärm nervt aber auch jene, die er nicht krank macht. Dann etwa, wenn ein Gespräch bei geöffnetem Fenster oder auf dem Balkon nicht mehr möglich ist, wenn man beim Fernsehen die entscheidenden Passage nicht mitbekommt, wenn einfach keine Ruhe einkehren will.

Diese  300 000 Mitbürgerinnen und Mitbürger setzen seit Langem darauf, von diesen gravierenden Belastungen befreit zu werden. Es ist nicht akzeptabel, diese Entlastung jahrelang immer wieder anzukündigen und sie am Ende dann nicht umzusetzen. Denn seit Mitte der neunziger Jahre sind viele tausend Menschen nach Pankow gezogen, nach Reinickendorf und Spandau, darunter besonders viele Familien mit Kindern. Sie alle haben ihre Entscheidung auch im Vertrauen auf die rechtlich gesicherte Beseitigung der Lärmquelle Tegel getroffen. Viele wollten raus aus der Innenstadt, rein in einen Kiez, in dem es absehbar ruhig wird.

Die Offenhaltung von Tegel wäre eine grobe Täuschung der betroffenen Bürger und somit moralisch nicht hinnehmbar.

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Schon durch die verschobene BER-Eröffnung sind diese Menschen schwer enttäuscht worden. Aber sie müssen darauf vertrauen können, dass ihre Entscheidung schlussendlich richtig gewesen sein wird, weil ein Ende des Fluglärms absehbar ist. Enttäuschungen sind manchmal nicht vermeidbar, aber eine grobe Täuschung der Bürgerinnen und Bürger, und dies wäre die Offenhaltung des Innenstadt-Flughafens Tegel, ist weder moralisch noch politisch hinnehmbar.

Die Schließungsentscheidung im Jahr 1996 wurde im Konsens aller im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien getroffen wurde. Bis 2016 war dieser Beschluss politisch unangefochten. Mehr politischer Konsens geht kaum und darauf haben viele Bürgerinnen und Bürger vertraut. Natürlich können in einer demokratischen Gesellschaft Entscheidungen der Vergangenheit revidiert werden. Dazu bedarf es aber wegen des politischen Vertrauensschutzes sehr guter Gründe. Und bei ehrlicher Betrachtung aller Facetten der Sachlage ist mit Blick auf den Flughafen Tegel keine neue Situation erkennbar, die so gravierend wäre, dass die ursprünglich gefassten und in aufwändigen rechtlichen Verfahren abgesicherten Festlegungen revidiert werden sollten oder gar müssten.

Lebensentscheidungen wurden im Vertrauen auf die Schließung Tegels getroffen.

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Weil sehr viele Berlinerinnen und Berliner wichtige Lebensentscheidungen im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der Politik getroffen haben, würden sie eine Offenhaltung des Flughafens Tegel nicht akzeptieren. Eine Flut von Klagen und Prozessen wäre die Folge. Der Versuch, Tegel weiter offen zu halten, würde auf Jahre einen Keil in unsere Stadtgesellschaft treiben. Dies kann und wird der Stadt und ihrer Stadtgesellschaft nicht gut tun, sind wir doch in Berlin schon mit hinreichend vielen Herausforderungen konfrontiert.

Sicher, direkte Demokratie ist ein hohes Gut. Der Senat würde sich daher bei einem “Ja” des Volksentscheids nicht einfach über ein Votum der Berlinerinnen und Berliner hinweg setzen wollen und können. Genau deshalb muss man aber den Initiatoren des Volksentscheids den Vorwurf machen, ein gefährliches Spiel zu spielen. Wissentlich und absichtlich treiben sie die Politik in den möglichen Spagat zwischen Vertrauensschutz und direktdemokratische Entscheidung. Das ist ein Programm für Politikverdrossenheit.

Ich bin sicher, dass am Standort BER die möglicherweise steigenden Fluggastzahlen bewältigt werden können - auch wenn ich als Umwelt- und Klimaschutzsenatorin der Meinung bin, dass wir uns schnellstmöglich und intensiv um klimafreundliche Alternativen zum Fliegen bemühen müssen. Manche Berlinerinnen und Berliner im Umfeld von Tegel oder in den Einflugschneisen sorgen sich, dass die Schließung von Tegel zu einem Gentrifizierungsschub und steigenden Mieten in den jeweiligen Kiezen führen könnte. Dieser Herausforderung können und müssen wir begegnen, aber doch bitte nicht so, dass wir den krankmachenden Lärm beibehalten und damit auf Kosten der Gesundheit unserer Nachbarinnen und Nachbarn. Und wir werden Wege finden, die großen Verdienste und die Identität schaffenden Erfahrungen mit dem Flughafen Tegel in der Stadterinnerung wach zu halten, genauso wie der Flughafen BER nach seiner Inbetriebnahme nicht nur ein Symbol eines missglückten Großprojekts, sondern eben auch ein beliebtes, Identität und Emotionalität stiftendes Tor von und nach Berlin sein wird.

Der Senat kämpft deshalb für ein “Nein” beim Volksentscheid und setzt auf die besseren Argumente, gerade auch aus dem breiteren Blickwinkel der Stadtgesellschaft. Am 24. September geht es um den verantwortungsvollen Umgang mit der knappen Ressource Fläche in der Stadt, die Chance für neuen Wohnraum, für neues Gewerbe, ein ökologisches Modellquartier und neue Grün- und Erholungsflächen im Norden unserer Stadt. Aber auch und vor allem geht es um die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen, um Solidarität und einen guten Stil des stadtgesellschaftlichen Umgangs in unserer lebendigen Metropole Berlin.

13 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Gualtier Maldé
    Mein Kommentar ist natürlich viel zu lang, weil er sich mit all dem beschäftigt, womit sich leider in der Politik niemand beschäftigt. DEM GESAMTBILD. Man muss Allen Menschen eine gute Lösung anbieten. Und da hier die Kommentare auf 2000 Zeichen begrenzt sind, musste ich den Kommentar in viele Teile teilen. Nun sollte man aber "unten" beim "letzten" anfangen zu lesen. Denn dieser ist der "erste Teil" und dann immer den der "drüber liegt". Oben ist der letzte teil. Ich hoffe es bringt was. gute Gedanken zu dem Thema zumindest.
  2. von Gualtier Maldé
    Doppelpost
    1. von Gualtier Maldé
      Antwort auf den Beitrag von Gualtier Maldé 21.09.2017, 11:20:50
      grammatische Fehler/Rechtschreibung...ohne Ende. Habe zu schnell geschrieben und nicht noch mal durchgelesen. Naja, der Inhalt kommt ja rüber.
  3. von Gualtier Maldé
    Deshalb konklusiv Frau Günther (und dem ganzen Senat): natürlich sind Sie so lange unglaubwürdig, bis Sie nicht eine „Gesamtlösung“ (die weder nur grün noch nur Gelb noch nur schwarz ist) für ALLE Berlinerinnen und ALLE BETROFFENEN (und wir sind 2017 in einer Globalisierten Welt) anbieten!!!! Für alles andere werden Sie hoffentlich bestraft.
  4. von Gualtier Maldé
    ergänzt.
    So müssten doch alle glücklich sein oder?

    Anders, finde ich; wird es immer zu viele zu stark benachteiligte geben!

    Achja und noch zu dem dümmsten Argument, Angst vor Unfall durch Flughafen „in der Stadt“. Flughäfen gehören da nicht hin. Es ist 1.) bisher nie sowas passiert, also ist eine ernsthafte Gefahr nicht gegeben. 2.) passieren tagtäglich auf der Straße Unfälle mit Todesfolgen und keiner kommt auf die Idee, dass man alle Autos aus der Stadt verbannt und nur noch Fahrrad fährt oder dergleichen. Und selbst auf dem Fahrrad sind in 50 Jahren mehr Unfälle passiert (auch schlimme) als in Tegel jemals!!!! Und das aller wichtigste: Selbst wenn Flughäfen komplett außerhalb einer Großstadt liegen, heißt das lange nicht, dass nicht über die Stadt geflogen wird bei An und Abflug. Siehe Paris, siehe London, siehe Rom: in London fliegen NICHT nur die Flüge des City-airports über die Stadt. Quasi „alle“ Heathrow Flüge (und das sind quasi ständig riesen Jets wie A380, 747, 777 usw...die wir in Belrin nie hatten) fliegen komplett über die gesamte Londoner Innenstadt bevor sie in Heathrow landen!!!! Und Heathrow liegt außerhalb. DAS HAT NICHTS DAMIT ZU TUN ob ein Flughafen innerhalb oder außerhalb liegt. Warum hat man denn beim Bau von Tegel die Startbahnen in Ost-wet richtung ausleget, und nicht nord/süd....natürlich, damit „nur „übner Spandau/Pankow geflogen wird und „nicht über dem Zentrum“.So ist das nunmal.: So weit weg von der Stadt, das so etwas nicht vorkommt, kann man Flughäfen kaum bauen. Auch zum und vom BER fliegt man über die Bezirke Kreuzberg/Schöneberg all die südlicheren Bezirke wie Zehlendorf oder Treptow. Das Risiko ist absolut das gleiche wie in Pankow/Spandau durch Tegel.
    Nur München hat so einen Flughafen, der nichts mit der Stadt zu tun hat. So einen wird es in Berlin aber nie geben sonst hätte man ihn nähe Lutherstadt Wittemberg oder Fürstenberg bauen müssen.
    So viel zu dem Argument.

  5. von Gualtier Maldé
    Es gäbe gar keine „großen“ Jets mehr wie A330 und das „wirkliche“ Nachtflugverbot wird von 23 bis 6 Uhr eingehalten. Dabei gibt es auch quasi keine Ausnahmen, außer bei Unwettern/Unfällen dergleichen Naturgewalten. Zu spät ankommende Flüge können dann problemlos nach BER ausweichen. Das ist grundsätzlich gar kein Problem, falls zum Bsp. der London-flug am Abend über 1 Stunde Verspätung hat, landen die Passagiere dann natürlich nicht mehr in Tegel, sind aber trotzdem innerhalb einer Stunde in Berlin und nicht in Rostock oder Leipzig.
    Die Lufthansa könnte ihre Strecken gut aufteilen (so wie British in London von Gatwick/Heathrow und City meist die selben Strecken anbietet) und so Umsteigeverbindungen über den BER anbieten und einige wichtige in TXL, so wie eben Frankfurt und München.
    Die Bewohner in Berlins Norden hätten sicher ruhige Nächte und Tagsüber nur 30% des jetzigen Flugaufkommens und es gäbe keine Staus nach Tegel. Die Südberliner hätten natürlich mehr, aber irgendwo muss ja der Flughafen hin und der BER wird ja bekanntlich als „Großflughafen“ gebaut.
    NATÜRLICH müsste man die jenigen die nachweislich ein Eigenheim seit der Planfeststellung zur Schließung Tegels in der Einflugschneise erworben haben entschädigen. Und das nicht wenig! Man müsste Ihnen helfen (wenn sie das wollen und mit dem 30% Flugaufkommen des jetzigen nicht leben können/wollen) ein neues Heim zu kaufen. Das sind Fehler in der Einschätzung von 1996, die man jetzt bezahlen müsste. Nur so erhält man insgesamt die Glaubwürdigkeit der Politik.

    Bei diesem Szenario, hätte „Ostdeutschland“ 4 Startbahnen in Berlin. Im Notfall immernoch 2, falls TXL schließen muss in BER oder BER schließen muss in TXL und die Passagiere könnten an beiden Flughäfen wunderbar einchecken/ohne immensen Stau und Kapazitäten für die nächsten 20-30 Jahre wären auch vorhanden, in dem man natürlich den BER auch weiterhin ausbaut in 10-20Jahren, oder das Schönefeldterminal für die Billigflieger um weitere Barracken-terminals
  6. von Gualtier Maldé
    Die würden auch auf dem Tegelgelände nicht entstehen, denn „investoren“ und es sind nunmal nur die, die was daran verdienen wollen und die bauen keine Sozialwohnungen. DAS ist ein Politisches Problem. Jedenfalls ist es komplett falsch zu sagen; Berlin bräuchte den Wohnraum in Tegel. Zu 100% Falsch. In Berlin fehlt kein Wohnraum, sondern „bezahlbarer Wohnraum“. Und in Berlin gibt es Unmengen freier Flächen! Tatsache! Tegeler Gelädne wird dafür nicht benötigt.


    Meine Idee wäre:
    Man eröffnet BER so schnell es geht ohne groß weiter auszubauen (neue Terminals) und lässt das Schönefeld-terminal als (zweites BER Terminal auch offen....bringt dort „alle Billigflieger unter“ ausnahmslos alle Easyjet und Ryanair, keine davon nach Tegel...höchstens ein paar easyjet die Städteflüge nach Paris/London anbieten). Man renoviert Tegel, baut die U-bahn-verbindung, die es schon zum Teil aus Richtung Jungfernheide gibt zu Ende (dann sind auch alle Argumente, dass Tegel schlecht erreichbar sei auch vom Tisch und es gibt auch weniger Abgase durch Stau) und macht einen „intelligenten“ Flugplan. In Tegel belässt man die höchstens 10 täglichen Direktverbindungen (jede davon 5 bis 7 Mal täglich, Frankfurt und München vielleicht öfter) in die Städte London, Brüssel, Paris, Amsterdam, Köln/Düsseldorf, Stuttgart, München, Frankfurt, Zürich, Wien und dergleichen und alles andere fliegt nur noch ab BER/SXF. So alle Interkontinentalflüge (es landen in Tegel also grundsätzlich keine großen Jets, wie zur Zeit A330) Peking, USA/Karibik-flüge/Nahost und all die neuen die es ab dem BER geben würde. Desweiteren bringt man alle Flüge nach Moskau/Lissabon/Athen/Kanaren/ usw. (also im Gürtel über 2 Stunden Flugzeit von Berlin) auch nach BER. Die Billigflieger wie gesagt auch alle nach SXF (das neue BER Terminal Nord). So reduziert sich das Flugaufkommen in TXL um mindestens 60-70%. Statt der jetzigen fast 480-500 Flüge täglich nur noch höchstens 120-130 Flüge.
  7. von Gualtier Maldé
    Wenn ich jetzt noch die Startbahnen all dieser Flughäfen zähle komme ich auf: 16!. Auf dem Ostgebiet Zwischen Hamburg und Dresden käme man (inkl. Dresden und leipzig) nur auf 6. Da Dresden und Leipzig aber fast wie Regionalflughäfen sind (niemandem etwas nützen weil da quasi nichts fliegt und es keinen wettbewerb gibt) wären es effektiv nur 2 Startbahnen (falls Tegel schließt und es nur den BER gibt). „ 2 wirklich genutzte Startbahnen für 6 Bundesländer, eine Million-Hauptstadt und viel viele Städte der 6 Bundesländer, die nunmal alle ab Berlin fliegen, weil es „nur von dort“ die Verbindungen gibt. (Es gibt diese Verbindungen auch von Frankfurt/Düsseldorf/München und Stuttgart) aber eben nicht ab leipzig oder Dresden. Dadurch bleibt vielen Millionen Menschen nur Berlin. DAS ALLES SIND TATSACHEN. Deshalb ist die Berliner Flughafenpolitik nicht nur „berliner“ Politik.

    Wie nun ein Szenario aussieht, wenn aus irgendeinem Grund (Wetter/Unfall etc.) dieser BER gesperrt wird oder auch nur eine seiner zwei Bahnen gesperrt wird, kann sich ja nun jeder ausmahlen. Wie viele Flughäfen gibt es „Dann“ noch zwischen Hamburg Dresden und Erfurt???????

    Im westen passiert da kaum was: falls in Frankfurt eine Bahn dicht macht, landet man in Stuttgart und ist mit dem ICE in 30min in Mannheim/Karlsruhe/Frankfurt in 1. Stunden...oder man landet in Köln und ist auch in 1. Stunde in Frankfurt und „es gibt genügend Verbindungen in

    Nun eine einfache überlegung:
    Das Argument, dass man in Berlin Wohnraum bräuchte weil irgendwas „aus allen Nähten Platz“ wie letztens in einem Video eine Tegelgegnerin so wunderbar pathetisch betonte“ ist schlicht auch einfach falsch. Berlin ist im weltweiten Vergleich dermaßen gesegnet mit frei bebaubarem Land. Mitten in der Stadt gibt es im ehemaligen Mauergelände kilometerweit Platz und tausende Bauvorhaben. Dass keine Sozialwohnungen entstehen ist ein ganz anderes Problem. Das müsste die Politik angehen.
  8. von Gualtier Maldé
    18:48 am Gate A die Flugzeugbrücke angesetzt wird und man schon um 19:00 das Flughafengebeude verlassen hat und im Taxi sitzt. Ich habe es selbst erlebt, trotz Gepäck. Ohne Gepäck aufgegeben zu haben, hätte ich wahrscheinlich schon um 18:55 im Taxi gesässen ohne nur einen Schritt gerannt sein zu müssen. DAS ist in Europa einmalig und in der Writschaft nunmal sehr wichtig. Der neue BER hat keinerlei derartige Möglichkeiten. Warum profitiert man nicht von beiden auf angemessene Art und Weise.

    Nun aber mal ein großer Gesamtblick: Wie viele nennenswerte, funktionierende, gut verbundene Flughäfen gibt es auf dem gesamten Gebiet der neuen Bundesländer?
    Ich sehe das so: In Thüringen und Mecklemburg gar keine!!!! Von Rostock kann man insgesamt nur nach München und Stuttgart für meistens über 500€ weil nur Lufthansa fliegt und sonst nur im Sommer nach Spanien/Charter. Also keine „nennenswerten Verbindungen/Infrastruckturen“, genau so/noch schlimmer in Erfurt. Aus beiden Ländern fliegen die Anwohner meistens aus Berlin! (oder Schweriner/westmecklemburger manchmal auch aus Hamburg) Aber auch Hamburg ist kein Frankfurt, München oder Berlin, mit wirklich guten Direktflügen (ohne Umstieg in Frankfurt oder München). In Sachsen gibt es Dresden und Leipzig. Beide auf Regionalflughafenniveau was die Flüge angeht, obwohl Leipzig durchausdie Infrastruktur hätte. Und nicht zu vergessen: Berlin ist eine 3,5 Millionen Stadt, also vergleichbar mit einem Ballungsgebiet wie Rhein-Main oder Düsseldorf bis Dortmund etc. wie sieht aber die Wahrheit aus an Flugplätzen: in dem von mir besagten Gürtel mit Durchmesser von fast 500 Km (Hamburg-Dresden/Leipzig) gibt es außer Berlin keine nennenswerten international verbundenen Flughäfen!!!!!! Keine!!!! Wie sieht es im Westen aus? Gürtel: München, Stuttgart, Frankfurt, Köln-Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Hamburg, Hannover....zwischen all diesen Flughäfen sind es nie mehr als 200-250 kilometer (zwischen Frankfurt/Köln/Düsseldorf/Dortmund viel weniger).
  9. von Gualtier Maldé
    Auch dieses Argument aus Ihrem Artikel Frau Günther ist also leider falsch. Tegel müsste „nur“ mit den Fluggesellschaften Lufthansa, KLM , british Airwas, Swiss etc. weiterbetrieben werden. Also, das Argument Zug (Abend vorher, existiert nicht....denn unsere Wirtschaft lebt davon, dass man auch Dienstags nach Stuttgart um 6:00 fliegt, um 9:00 arbeiten kann und abends zurück fliegt)....entsprechendes für die anderen Städte. Sehr oft muss sowas auch von jetzt auf gleich Mitten in der Woche stattfinden und nicht nur „geplanter Weise“ Montags (nimm doch den Zug am Sonntag).
    Andererseits ist aber das Argument; BER sei Grundsätzlich zu weit auch Quatsch, denn die Verbindung ist so wie sie geplant ist gar nicht schlecht. (Für viele). Besonders wenn man nach Asien/USA/Mongolei/Tel Aviv/weiter als Spanien/Portugal oder mit Ryanair/Easyjet fliegen möchte ist der BER völlig problemlos.
    Für viele ist die Verbindung aber „sehr schlecht“. Denn wenn man in Berlin grundsätzlich länger als eine Stunde (ohne Stau/Zugverspätung) zum Flughafen braucht, dann ist das kein Haltbarer Zustand 2017, und sicherlich „gravierend genug“ um es mit Ihren Worten auszudrücken, damit man eine neue Flughafenpolitik überdenkt.

    In Berlin müssen all die geschäftlich/politisch fliegenden meistens ins Zentrum. Es gibt in Berlin keine nennenswerte Großindustrie oder in den neuen Bundesländer insgesamt, vergleichbar mit Baden Würtemberg im Großraum Stuttgart oder um Frankfurt und Düsseldorf herum. (Oder Audi in Ingolstadt, die es dann zum Münchener Flughafen gar nicht so weit haben) Sowas gibt es hier nicht, zum Bsp. in Randbezirken oder In Brandenburg. Deshalb ist es in Deutschland, „grade in Berlin“, von Nöten einen Flughafen zu haben, bei dem man so schnell in der Stadt ist wie bei Tegel. Und es geht bei Tegel bei Weitem nicht nur um die geografische Nähe. Das Terminal A ist genial konzipiert, nach amerikanischem Vorbild, so dass (ich habe es selbst die letzten Tage erlebt), man um 18:45 landen kann, 18
  10. von Gualtier Maldé
    Und natürlich ist es dort jetzt schlimm und die armen Anwohner hören quasi hintereinander weg Flugzeuge, mit meistens nur 4-5 Stunden Nachtruhe.
    Aber man kommt in der Sache mit Egoismus nie zu einem „gerechten“ Schluss.

    Es geht aber auch nicht darum, so viel wie möglich Argumente gegen oder für Tegel zu sammeln und gegeneinander abzuwägen! Abwägen kann man nicht! Immer wird es jemanden geben, dem man schadet. Bei Schließung so wie bei Offenhaltung. Die Frage ist doch, wie genau, damit es die wenigsten „Leidtragenden“ gibt. Wenn Sie DIESE Frage in den Mittelpunkt Ihrer Politik stellen würden, würde in Berlin niemals eine Mehrheit gegen Sie stimmen. So lange Sie aber entweder auf der einen oder der anderen Seite sind, sind Sie unglaubwürdig. Man müsste sich 1.) das ganze mal viel „globaler“ anschauen, denn ein Flughafen der Stadt Berlin ist nicht nur für Berlin und Brandenburg entscheidend, sondern für fast alle Anwohner des großen Gürtels östlich von Hamburg, und Hannover, ganz Thüringen, da es dort gar keinen Flughafen gibt, und nördlich von Nürnberg/Sachsen....also: für alle neuen Bundesländer ist die Berliner Flughafensituation entscheidend.
    Viele der Argumente sind leider auch einfach Quatsch. Auf Seiten der Tegelbeführworter: BER ist zu weit (egoismus), auf Seiten der Gegner: ist doch egal für das eine bis zwei Mal im Jahr (egoismus), es gibt Leute die jede Woche mehrmals fliegen). Das Argument „Zug stattdessen“ ist so lange falsch, wie man in Deutschland nach Stuttgart 5 Stunden, München 6 Stunden (bald 4,5), Wien nicht unter 9 Stunden, Zürich nicht unter 8 Stunden, Brüssel/Amsterdam/London noch viel mehr braucht...etc.etc...alles wichtige Verbindungen, die manche Menschen nunmal oft fliegen „müssen“ und die mit dem Flugzeug ALLE nur knapp eine Stunde bis 1,5 Stunden dauern (statt 5 oder 8 oder 10 Stunden zu Land). Und keine einzige davon ist „Ryanair“ bzw. von Billigtouristen beflogen.