Kind eines deutsch-deutschen Elternpaares Leipzig gehört zum gleichen Deutschland wie Wuppertal!

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Schüler

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Jonathan Tschuschke lebt in Wuppertal. Er geht dort auf das städtische Gymnasium in Vohwinkel. Mit seiner Arbeit "Die politischen und sozialen Missstände in der DDR und die daraus resultierenden Motive einer Ausreise anhand eines Familienbeispiels" hat er beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einen Sieg auf Landesebene gewonnen.

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Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: "30 Jahre Mauerfall: Sind wir ein Land?“ Jonathan Tschuschke ist der Meinung, auch die jüngere Generation sollte sich mit der deutsch-deutschen Geschichte von 1949 bis 1989 beschäftigen.

Die innerdeutsche Teilung und Migration seit 1949, insbesondere aber seit 1961, hat ihre Spuren hinterlassen und ist vor allem in Familien spürbar, die dadurch getrennt beziehungsweise zusammengeführt wurden. So auch in meiner Familie: Mein Vater ist in Leipzig geboren und hat einen Teil seiner Kindheit beziehungsweise Jugend dort verbracht. 1984  hat er mit meiner Tante und meinen Großeltern die DDR auf legalem Wege nach der Bewilligung eines Ausreiseantrags verlassen. Meine Mutter ist in Solingen geboren, dort aufgewachsen und somit in der damaligen BRD sozialisiert. Das Thema der Ausreise aus der DDR wurde in meiner Kindheit gelegentlich thematisiert, meistens auf Treffen der Familie. Es war jedoch zu keinem Zeitpunkt omnipräsent.

Ich bin 2002, also 13 Jahre nach dem Mauerfall, geboren und habe von der innerdeutschen Teilung und der Wiedervereinigung bereits im Kindesalter in Form von Anekdoten erzählt bekommen: Wie in der DDR gewählt wurde, dass schon die Benutzung einer Wahlkabine verurteilt wurde, inwiefern eine staatliche Kontrolle bei Handlungen – wie der Positionierung der Flagge der DDR an einem Feiertag – stattfand, aber auch, dass man wusste, dass die zugeschickten Briefe gelesen wurden. Mir fiel irgendwann auf, dass meine Mutter und mein Vater unterschiedliche Erfahrungen bezüglich mancher Themen aus der Zeit ihrer Jugend aufweisen. Teilweise gab es auch intuitiv andere Verhaltensweisen, die ich beobachtet habe, beispielsweise, dass mein Vater mit Gütern, die in der DDR als Luxusgüter galten, weitaus sparsamer umgeht als meine Mutter oder auch ich.

Auch die jüngere Bevölkerung sollte sich mit der innerdeutsche Geschichte von 1949 bis 1989 beschäftigen.

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Als Kind konnte ich diese Beobachtungen und Erzählungen nicht einordnen. Das ist mittlerweile anders. Denn ich nahm am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil, für den ich eine Arbeit mit dem Titel „Die politischen und sozialen Missstände in der DDR und die daraus resultierenden Motive einer Ausreise anhand  eines Familienbeispiels“ schrieb. Bei meinen Recherchen  bemerkte ich, dass die Anekdoten im Zusammenhang mit den politischen Missständen in der DDR stehen, die für viele ein Ausreisemotiv waren.

Die SED-Diktatur ist als Negativbeispiel miteinzubeziehen, um aus den alten Fehlern zu lernen.

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Obwohl ich eindeutig durch mein Leben im westlichen Teil Deutschlands geprägt bin, gibt es einige ostdeutsche Einflüsse. Die Hallorenkugeln sind in westlichen Teilen Deutschlands tendenziell unbekannt, meine Familie und ich kennen sie jedoch. Außerdem besitzen wir ein DDR-Backbuch, was wahrscheinlich nicht der Fall wäre, wenn wir keinen Binnenmigrationshintergrund hätten. Das mag vielleicht albern klingen, aber es sind kleine und subtile Einflüsse in meinem Leben, die mich an die Herkunft meiner Familie väterlicherseits erinnern.  

Man sollte die Geschichte studieren, um Gegenwart und Zukunft besser zu gestalten.

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Ich finde es sehr wichtig, dass sich auch die jüngere Bevölkerung mit der innerdeutschen Geschichte von 1949 bis 1989 beschäftigt und auch die Möglichkeit bekommt, sich damit auseinanderzusetzen. Viele Gedenkorte bieten diese Möglichkeiten, etwa an ehemaligen Grenzübergängen und Museen wie das Haus der Geschichte in Bonn, die der Öffentlichkeit teilweise kostenlos zur Verfügung stehen. Ich denke, dass man nicht nur aus den Ereignissen der NS-Diktatur für den Aufbau und die Erhaltung einer demokratischen Gesellschaft lernen sollte. Auch die SED-Diktatur ist als solches Negativbeispiel ebenfalls miteinzubeziehen, um einen Staat aufrechtzuerhalten bei dem Freiheit, Würde und Gleichheit die Kernwerte darstellen. Die Redewendung „aus Fehlern lernen“ sollte man in der heutigen Bundesrepublik umsetzen, beziehungsweise die Umsetzung jener beurteilen. Allerdings kritisiere ich  die Denkweise, die  Deutschland immer noch in Ost und West einteilt. In meinen Augen ist Deutschland heute ein Land und Leipzig gehört für mich zum gleichen Deutschland wie Wuppertal. Man sollte nicht in der Geschichte verharren, sondern sie vielmehr studieren, um die Gegenwart und Zukunft besser zu gestalten.

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. Die Artikel zum Thema "Wie bleibt Wohnen bezahlbar?" können Sie hier nachlesen. In der Debattenserie zum Thema Glaube war die Frage: "Wie viel Religion braucht Deutschland?" - die Antworten lesen Sie hier. Um zu den Beiträgen zum Thema "Meinungfreiheit - Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?" bitte hier klicken.

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