Lesermeinungen zu Deutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall Geeint trotz unsichtbarer Grenzen

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Expertise:

Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit.

Zehn Debatten in zehn Wochen, mit 50 Gastautor*innen – und noch mehr Meinungen! Ob bei Facebook, Instagram oder Twitter, ob per Online-Kommentar oder E-Mail: Auch Sie haben kommentiert und diskutiert und gezeigt, dass es 30 Jahre nach dem Mauerfall eine große Vielfalt an Meinungen in Deutschland gibt. Herzlichen Dank an alle, die mitgelesen und mitdiskutiert haben!
Zum Abschluss der Debattenreihe feiert der Tagesspiegel gemeinsam mit der „Berliner Zeitung“ und der Bundeszentrale für politische Bildung am 7. November 30 Jahre Meinungsfreiheit – mit und in der Volksbühne. Prominente diskutieren über alte und neue Teilungen in Deutschland und darüber, was uns verbindet. Mit dabei sind Anna und Nellie Thalbach, Sasha Waltz, Klaus Wowereit, Idil Baydar, Jutta Almendinger und viele andere. Feiern Sie mit! Programm und Tickets unter volksbuehne.berlin.

Diese Woche ging es um die Frage: „30 Jahre Mauerfall - sind wir ein Land?" Martina Weyrauch schrieb, die Einheit bestehe in der gemeinsamen Verantwortung für ein solidarisches und friedliches Deutschland. Eberhard Diepgen sagte, die Frage „Sind wir ein Land?“ sei für ihn eine nach der Identität Deutschlands im Europa der Nationen. Lydia Lierke plädierte für eine öffentlichen Analyse der rassistischen Zustände in der BRD und DDR bis heute. Torsten Schlüter wünschte sich die Stärkung des ostdeutschen Selbstwertgefühls. Jonathan Tschuschke forderte, man solle nicht in der Geschichte verharren, sondern aus ihr lernen.


Ja, wir sind ein Land. Voller Widersprüche und unsichtbarer Grenzen. Rob Landa

Vielleicht geografisch-administrativ, aber nicht im Geist und auf politischer Ebene. Klaus Popa

Wir sind ein Land, geografisch-administrativ, aber nicht im Geist und auf politischer Ebene.

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Wir müssen endlich verinnerlichen, dass ein Zusammenwachsen immer von beiden Seiten ausgehen muss. Der Weg führt an Integration von beiden/allen Seiten nicht vorbei. Und er beginnt immer in einem selbst. In jeder/jedem Einzelnen der Gesellschaft. Mit dem Finger auf andere zu zeigen bringt nichts – außer noch mehr Trennung. Luisa Fritz

Wir reden leider mehr übereinander als miteinander. Vorurteile werden dadurch nicht abgebaut. Der Prozess der inneren Einheit Deutschlands dauert länger als ursprünglich gedacht. Trotzdem ist meine Freude heute noch genauso groß wie damals, als die Mauer fiel. Hans Ludwig Wernitz

Wir reden mehr übereinander als miteinander.

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Auch mir ist nicht nach Feiern zumute angesichts des stetig wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland. Die Erklärungsversuche mit den „abgehängten Ostdeutschen“ liefern sicher eine Seite der Medaille. Ich glaube aber, dass ein erheblicher Teil schlicht durch fehlende Bildung verursacht wird. Eine wichtige Maßnahme gegen Extremismus allgemein wäre, wieder viel mehr Wert auf die Bildung und Ausbildung unserer Heranwachsenden zu legen. Eine langfristige Prävention, die sich allerdings leider erst viele Jahre später auszahlen würde. Frank Fidorra

In vielen Köpfen der Menschen existiert die Mauer noch, das ist kein Geheimnis.
Angie Luxveritatis via Instagram

In vielen Köpfen existiert die Mauer noch.

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Selbstverständlich sind wir ein Land. Mit einer Sprache, einem Staatsgebiet, einem Rechtssystem, klar umrissener Nationalität. Wie in vielen Ländern der Welt gibt es Spaltungen: Zwischen arm und reich, Mann und Frau, jung und alt, fit und bedürftig, exklusiv egoistisch oder global solidarisch denkend, ängstlich und vertrauensvoll nach vorne schauend, und was der Gegensätze mehr sind. Ost und West ist da ein vor dreißig Jahren zusätzlich hinzugekommenes, wenn auch – aufgrund der klaren geographischen Zuordnung – ein vermeintlich besonders augenfälliges Spaltungskriterium. Mehr nicht. 
Was offensichtlich noch nicht verstanden worden ist, ist, wie in Politik und Gesellschaft mit diesen Spaltungen umzugehen ist, um sie nicht zu einer Gefährdung für eine liberale, zukunftsgewandte Demokratie werden zu lassen. Wer vom Volk gewählt werden will, muss diesem auch etwas bieten, und das authentisch, aus und mit Überzeugung, um Fairness bemühten Interessenausgleich, ohne die Kultivierung von Feindbildern und damit der Beförderung weiterer Spaltung. Gelingt dies nicht, ist die Tür offen für Populisten. Was dagegen hilft? Bildung, Bildung, Bildung. Hierfür würde sich jeder Solidaritätszuschlag lohnen. Was nicht hilft? „Alternativlosigkeit“ als Begründung für Politik, Populismus verstärkendes Propagieren von „Verständnis“, wo das Verstehen von Phänomenen völlig ausreichen würde, um diesen entgegenwirken zu können. Georg Sollböhmer

Dem Föderalismus ist es zu verdanken, dass dem Einigungsprozess eine Zukunftsperspektive gelungen ist.  

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Die Grenze verläuft nicht zwischen Nord und Süd oder zwischen Ost und West. Die Grenze verläuft zwischen oben und unten. Florian Wogramm

Es war ein schwerer Fehler der Regierung, die Einheit als Selbstläufer zu betrachten. Franziska Pilz

Dem Föderalismus und der kommunalen Ebene ist es zu verdanken, dass dem Einigungsprozess trotz der Verletzungen und immer noch vorhandenen Verwerfungen eine viel versprechende Zukunftsperspektive gelungen ist. Fühlt man sich z.B als Hamburger in Bayern fremder als in Sachsen? Weder noch, man ist hier wie dort zu Hause und erfreut sich der regionalen Besonderheiten. Wir sind gemeinsam in einem Rechtsstaat, der auf allen Ebenen eine demokratische Willensbildung herstellt. Es ist unser Staat, letztlich mein Staat, meine Polizei, mein Finanzamt, mein Gesundheitswesen. Mit dieser Einstellung lässt sich die Politikverdrossenheit auflösen. Matthias Grünig

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. Die Artikel zum Thema "Wie bleibt Wohnen bezahlbar?" können Sie hier nachlesen. In der Debattenserie zum Thema Glaube war die Frage: "Wie viel Religion braucht Deutschland?" - die Antworten lesen Sie hier. Um zu den Beiträgen zum Thema "Meinungsfreiheit - Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?" bitte hier klicken.

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Rolf-Jürgen Czerny
    Die o.g. Grenzen gibt es in dieser Form nicht.
    Grenzen werden immer gemacht, politisch, materiell, klerikal oder ideologisch, je nach dem, wer gerade sein Süppchen kochen will um in seinem Sinne zu profitieren.
    Die Deutschen sind ein kluges Volk, haben aus ihrer Geschichte gelernt und haben diese wie kein anderes Land der Welt aufgearbeitet.
    Natürlich gibt es immer wieder Strömungen, die in die eine oder andere Richtung zielen, richtig durchgesetzt haben und werden sie sich nicht.
    "Tempora mutantur et nos mutamur in illis" ~ Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.
    Es gibt also durchaus gute Hoffnung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wenngleich es auch dauert, manchem vielleicht zu lange.
    Aber die Richtung unserer Entwicklung stimmt und dafür werden wir in aller Welt beneidet.