Staatliches Verbot von sexistischer Werbung  Sexismus ist keine Geschmacksfrage

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Parlamentarische Staatssekretärin SPD

Expertise:

Elke Ferner ist Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion und seit Dezember 2013 Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kritik an sexistischer und diskriminierender Werbung hat nichts mit Geschmack zu tun. Das muss der Staat endlich begreifen und seiner Pflicht nachkommen, denn noch greifen die Sanktionen gegen sexistische Werbung nicht. 

Werbung ist dann sexistisch, wenn sie Frauen oder auch Männer auf längst überholte Rollenbilder festlegt oder auf ihre Sexualität reduziert. Das ist in Deutschland weit häufiger der Fall als z.B. in Schweden oder Norwegen. Während sich dort auch in der Werbung sowohl die Vielfalt in der Gesellschaft als auch die Gleichberechtigung von Frauen und Männern widerspiegelt, hinkt in Deutschland das Geschlechterverhältnis in der Werbung der Realität hinterher. Die gesellschaftliche Realität ist in der Werbung noch nicht angekommen. Sicherlich sind wir mit der realen Gleichstellung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft noch nicht so weit wie Schweden oder Norwegen, wir sind aber weiter als die Rollenbilder, die in der Werbung in Deutschland vermittelt werden.

Berechtigte Beschwerden gegen sexistische Werbung werden zu häufig zurückgewiesen.

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Daran hat der Werberat bisher nichts geändert. Die Beanstandungen sind ohnehin selten und führen auch nicht immer dazu, dass die beanstandete Werbung zurückgezogen wird. Viel zu häufig werden berechtigte Beschwerden mit dem Verweis auf die „Künstler“freiheit oder fehlende Zuständigkeit zurückgewiesen. Wenn die Selbstkontrolle – wie in Deutschland – nicht funktioniert, ist es Zeit für gesetzliche Regelungen.

Ja, geschlechterdiskriminierende Werbung gehört verboten. Doch um es gleich vorweg zu sagen: Die Nacktheit ist nicht das Problem. Nicht jede Werbung mit einer leicht bekleideten oder nackten Frau ist sexistisch. Denn Sexismus und Sexualität sind eben nicht ein und dasselbe.

Sexistische Werbung signalisiert die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen

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Es ist die Pflicht des Staates, Diskriminierung zu verhindern – auch jene aufgrund des Geschlechts. Dazu ist Deutschland durch das Grundgesetz, aber auch durch europäische und internationale Verträge rechtlich verpflichtet.

Doch was ist geschlechterdiskriminierende Werbung? Sexistische Werbung stellt Frauen in erniedrigender Weise dar. Sexistische Werbung vergleicht Frauen mit Waren und vermittelt den Eindruck, dass Frauen wie das Produkt zu kaufen sind. Sexistische Werbung verwendet Frauen oder Teile ihres Körpers als reinen Blickfang oder Dekoration. Sexistische Werbung reduziert Frauen auf bestimmte Rollen oder auf bestimmte Eigenschaften. Sexistische Werbung fixiert Frauen und Männer in überholten Geschlechterrollen. Sexistische Werbung signalisiert die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen.

Werbung ist fester Bestandteil unseres Alltags und beeinflusst – bewusst oder unbewusst – unsere Wahrnehmung. Darum ist es auch nicht egal, wie Werbung mit Rollenbildern umgeht und ob sie sexistische Botschaften oder Klischees vermittelt.

Sexistische Werbung verändert unser Geschlechterbild

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Werbung hat Auswirkungen auf das Bild, das wir von uns selbst und anderen haben. Durch geschlechterdiskriminierende Werbung werden Vorurteile bedient: Frauen werden als weniger kompetent als Männer dargestellt. Frauen sind zuständig für den Haushalt, die Kindererziehung usw. Es verwundert daher nicht, dass in Deutschland die Lohnlücke besonders groß, der Frauenanteil in Führungspositionen besonders klein und die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern besonders traditionell ist. Das hat auch mit den Wünschen der Mehrheit von Frauen und Männern in Deutschland wenig zu tun. Insbesondere die jüngere Generation wünscht sich mehr Partnerschaftlichkeit und weniger traditionelle Rollenmuster. Aufgabe der Gesellschaft und letztendlich der Politik ist es, mehr Vielfalt zu ermöglichen. Dazu muss auch die Werbewirtschaft ihren Beitrag leisten.

Kritik an sexistischer Werbung hat nichts mit persönlichem Geschmack zu tun.

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Kritik an sexistischer Werbung hat absolut nichts mit Lustfeindlichkeit, Prüderie oder Humorlosigkeit zu tun und ist auch keine bloße Frage des Geschmacks. Die Lebensrealität entspricht längst nicht mehr der Darstellung in der Werbung.

Als Argument gegen ein Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung wird häufig die Einschränkung der Freiheit genannt: der Kunst- und Meinungsfreiheit, aber auch der Freiheit des oder der Einzelnen. Freiheitsrechte gelten aber nicht schrankenlos. Sie finden dort ihre Grenze, wo die Würde der oder des Einzelnen verletzt wird oder wo Frauen und Männer auf enge Eigenschafts- und Verhaltensmuster reduziert werden.

Es fehlt der deutschen Politik an effektiven Sanktionsmechanismen gegen sexistische Werbung

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Dass sexistische Werbung nicht zu tolerieren ist, ist nicht neu: Bereits jetzt ist es Aufgabe des Deutschen Werberats, geschlechterdiskriminierende Werbung zu beanstanden und öffentlich zu rügen. Das macht der Werberat zwar auch, aber nicht ausreichend. Dies liegt zum einen daran, dass der Werberat nicht bekannt genug ist. Zum anderen fehlt es an einer paritätischen Zusammensetzung des Werberates. Derzeit sind nur 6 der 15 Mitglieder Frauen. Darüber hinaus sind die Sanktionsmechanismen des Deutschen Werberates nicht effizient genug, da seine schärfste Waffe lediglich der erhobene Zeigefinger ist: das Aussprechen einer öffentlichen Rüge.

Ein Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) könnte hier effektiver und schneller Abhilfe schaffen, als es dem Werberat möglich ist. Ein Verbot würde nur das umfassen, was durch den Werberat jetzt schon als geschlechterdiskriminierende Werbung gerügt wird – nur eben effizienter. Und die Werbewirtschaft könnte endlich zeigen, dass mehr Kreativität in ihr steckt als das, was in leider viel zu vielen Werbungen bisher geboten wurde. Das klingt doch gar nicht so schlimm.

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- Lesen Sie hier die gesamte Debatte

- Außerdem auf Causa: Warum der Staat seine Daten veröffentlichen muss

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