Religion kann gefährlich werden Es liegt an den Gläubigen

Bild von Hamideh Mohagheghi
Religionswissenschaftlerin und Juristin Universität Paderborn

Expertise:

Hamideh Mohagheghi stammt aus dem Iran. Die Juristin, islamische Theologin und Religionswissenschaftlerin ist ehemalige Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften für islamische Theologie an der Universität Paderborn.

Religionen können aufgrund der Texte und Erzählungen durchaus  zur Zuspitzung von Konflikte beitragen. Besonders die Anhänger der monotheistischen Religionen sind da gemeint, wenn glauben, einen Wahrheitsanspruch verteidigen zu müssen.

Die Ursprungtexte der Religionen beinhalten Erzählungen von Menschen und Völkern, die sich gegen Gott gestellt und einen schweren Niedergang erfahren mussten: Die Sintflut, die Vernichtung von Sodom und Gomorra sowie die Vernichtung von Pharao sind exemplarisch für gewaltige  Strafen für diejenigen, die nicht bereit waren, nach Gottes Weisungen und Willen zu leben. Die angedrohten Strafen am Jüngsten Tag lassen nur erahnen, wie streng die „Abrechnung“ sein wird, die Härte der Strafe ist illustrativ dargestellt, die Bilder von der Hölle sind durchweg geprägt von grausamen Strafen für die Menschen, die sich gegen Gott stellen.

Auch die Erzählungen, die das harte Vorgehen gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei religiös begründen und sogar die Unterstützung Gottes in Erwartung stellen, sind in den Urtexten zu finden, die den Kampf als  lohnende Aufgabe darstellen, deren Erfüllung zum „Heil“ führt und das Eingehen ins Paradies garantie

Glaubenskriege sind Folge eines unreflektierten Religionsverständnisses.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Die unreflektierte und imperative Lesart dieser Texte haben die Menschheit viel Unheil gebracht. Die so genannten „Religionskriege“ und Bereitschaft zum Märtyrertod sind verheerende Folgen dieses Verständnisses, die die Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart beeinträchtigen. Auch wenn die primäre Ursache der kriegerischen Auseinandersetzungen in machtpolitischen und geopolitischen Interessen und sozialen Problemen und Ungerechtigkeiten zu suchen sind, können die Religionen durchaus aufgrund der Texten und Erzählungen zur Zuspitzung der Konflikte beitragen.

Religionen verhüllen ihre kriegerischen Aktivitäten in freundliche Vokabeln.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Nicht nur die Formulierungen in den Urtexten können als Legitimation zur Gewalt dienen, auch die Traditionen sowie Aussagen von manchen Gelehrten und religiösen Persönlichkeiten verursachen Denkstrukturen, die verleiten können. Insbesondere unter den Anhängern der monotheistischen Religionen ist ein Kampf um den Wahrheitsanspruch zu verzeichnen. Dieser Anspruch wird oft dazu genutzt, die kriegerischen Aktivitäten nicht als Streben nach weltlicher Macht, sondern als Friedensakt und „Heil“ bringendes Mittel erscheinen zu lassen.

Zum Hervorheben des Monotheismus werden in den Urtexten an einigen Stellen gewaltbeladene Begriffe verwendet, die den Gegnern und Verleugnern Gottes mit Gewalt, Hass und Fluch drohen. Diese Bereiche sind eingebettet in der gesamten göttlichen Offenbarung, die ständig auch zur Barmherzigkeit, Verzeihung und Versöhnung aufrufen. Diese Stellen können – losgelöst vom Kontext der Offenbarung - zweckorientiert mit vagen Andeutungen und Versprechen eines Lebens in ewiger Glückseligkeit im Paradies die Menschen zu Gewalt und Hass gegen Andersdenkende und Anderslebende anzustiften.

Es ist nie die Religion schuld - es sind die Gläubigen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Die Religionen haben zu allen Zeiten zum Guten und für den Erhalt des Friedens beigetragen, wurden aber auch zum Schlechten und zur Begründung von Kriegen missbraucht. Es liegt bei den Anhängern der Religionen, wie sie die Texte interpretieren, ausformen und leben. Die Religionen stellen die Grundprinzipien und Weisungen durch Erzählungen von historischen Begebenheiten und Verhaltensweisen der Menschen zur Verfügung; die Menschen sind verantwortlich, die wahre Botschaft zu ergründen und sie für ein friedliches Zusammenleben der Menschen anzuwenden.  

 

- Religionsgespräche: Hamideh Mohagheghi und weitere Experten live zum Thema "Gewalt und Relgion - halten sie sich gegenseitig in Schach oder bedingen sie einander?" erleben Sie am Dienstag, 26. April 2016, ab 18.30 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Auf dem Podium sitzen dann außerdem Prof. Dr. Hans G. Kippenberg, Prof. Dr. Jörg Baberowski, Prof. Dr. Christina von Braun und Hamideh Mohagheghi. Mehr Informationen und Anmeldung hier.

- Wenn Religion die Identität definiert, sorgt sie für Apartheid und Streit, schreibt Mina Ahadi.

- Die ganze Debatte zur Frage "Religion - Gefährdet sie den gesellschaftlichen Frieden? lesen Sie hier.

- Auch interessant: Warum junge Muslime Böhmermann lieben.

 

Sie können an dieser Stelle derzeit keinen Kommentar schreiben.