Gesellschaft Religion - Gefährdet sie den gesellschaftlichen Frieden?

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Moderatorin der Debatte Anna Sauerbrey Ressortleiterin Causa/Meinung

Expertise:

Dr. Anna Sauerbrey leitet das Ressort Causa/Meinung des Tagesspiegels.

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Stand der Debatte

Deutschland ist eine Gesellschaft mit vielen Religionen. Vor allem die muslimische Religionsgemeinschaft in Deutschland wächst, auch durch den Zuzug der zahlreichen Flüchtlinge aus der islamischen Welt. Birgt die verstärkte Multi-Religiosität neuen gesellschaftlichen Konfliktstoff? Mit Blick auf Deutschland, aber auch auf die zahlreichen religiös geprägten oder überformten Konflikte weltweit fragen wir: Sind (multi-)religiöse Gesellschaften tatsächlich per se "unfriedlicher" als säkulare Gesellschaften? Und was ist die beste Antwort einer Gesellschaft, die viele Religionen versammelt: Säkularität im öffentlichen Leben - oder Liberalität gegenüber religiösen Ausdrucksformen?

  • 9 Autoren
  • 45 Argumente
  • 192 Abstimmungen

Alle Argumente der Debatte im Panorama:

Die Haltung zum Islam ist eine weltliche Glaubensfrage geworden und enthält das Potential zum Kulturkampf.

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist

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1 von 45
Religiöse Gewalt eskaliert dort besonders, wo Gemeinschaften sozial, wirtschaftlich und räumlich getrennt leben.

Ulrike Freitag, Direktorin Zentrum Moderner Orient

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2 von 45
Religion ist eine Privatsache, die nicht mehr und mehr ins öffentliche Leben gebracht werden darf.

Mina Ahadi, Politische Aktivistin, u.a. Zentralrat der Ex-Muslime

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3 von 45
Wie Hobbes sagte: Religion muss privat sein, um der Frieden des Gemeinwesens zu sichern.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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4 von 45
Übers Internet können Gelehrte ihre Regeln verbreiten - und kleine Gemeinschaftsenklaven bilden.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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5 von 45
Glaubenskriege sind Folge eines unreflektierten Religionsverständnisses.

Hamideh Mohagheghi, Religionswissenschaftlerin und Juristin Universität Paderborn

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6 von 45
Alle drei Religionen - Christentum, Islam, Judentum - haben theologisch und historisch ein Gewaltproblem.

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist

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7 von 45
Die Eskalation lokaler religiöser Konflikte kann durch die globale Vernetzung exponentiell beschleunigt werden.

Ulrike Freitag, Direktorin Zentrum Moderner Orient

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8 von 45
Neue Bürger sollten sich in einem so weit wie möglich neutralen Milieu integrieren können.

Mina Ahadi, Politische Aktivistin, u.a. Zentralrat der Ex-Muslime

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9 von 45
Die größten Konflikte drohen innerhalb religiöser Gemeinschaften, bei Heiraten, mit Minderheiten, zwischen Lebensstilen.

Petra Bahr, Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

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11 von 45
Die religiöse "Brüderlichkeitsethik" erzeugt Spannungen zu übrigen sozialen Ordnungen.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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12 von 45
Muslimische-religiöse Autorität wird nicht verliehen, sie hängt oft nur ab von Charisma und Überzeugungskraft.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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13 von 45
Religionen verhüllen ihre kriegerischen Aktivitäten in freundliche Vokabeln.

Hamideh Mohagheghi, Religionswissenschaftlerin und Juristin Universität Paderborn

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14 von 45
Als Religion ist der Islam den Deutschen egal. Sie interessiert nur seine politisch-gesellschaftliche Dimension.

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist

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15 von 45
Je stärker das Gefühl der Stigmatisierung, desto größer die Gefahr der Mobilmachung entlang religiöser Demarkationen.

Ulrike Freitag, Direktorin Zentrum Moderner Orient

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16 von 45
Religionsfreiheit bedeutet auch das Bekenntnis dazu, nicht (mehr) religiös sein zu wollen.

Petra Bahr, Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

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18 von 45
Menschen, ob religiös oder nicht, müssen andere Meinungen aushalten und sich hinterfragen lassen.

Peter Neher, Präsident Caritas

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19 von 45
Rigorose religiöse Ethik führt zu Konflikten mit der öffentlichen Gewalt des Nationalstaates.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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20 von 45
Religion kann - weil sie eine tiefe und persönliche Bindung begründet, zur sozialen Mobilisierung missbraucht werden.

Ulrike Freitag, Direktorin Zentrum Moderner Orient

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21 von 45
Alle Religionen müssen die Verfassung anerkennen.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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22 von 45
Die Zahl der Nationalstaaten wächst, und das Vertrauen in sie schwindet.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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23 von 45
Eine Mehrzahl der Deutschen sieht den Islam als Bedrohung und glaubt, er passe nicht zur westlichen Welt.

Yasemin El-Menouar, Projektmanagerin

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24 von 45
Die Mehrheit der Deutschen versteht die Frage nach dem Verhältnis zum Islam politisch, nicht religiös.

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist

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25 von 45
Eine multireligiöse Gesellschaft wäre nicht friedlicher, sie ist ein gefährliches politisches Konstrukt.

Mina Ahadi, Politische Aktivistin, u.a. Zentralrat der Ex-Muslime

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26 von 45
Durch die starke Berichterstattung über eine Minderheit extremistischer Muslime entsteht ein Zerrbild.

Yasemin El-Menouar, Projektmanagerin

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27 von 45
Religionen spielen im Dialog über Werte eine entscheidende Rolle.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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30 von 45
Es geht nicht um Religionen an sich, es geht um ihre Rolle in der Gesellschaft.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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31 von 45
Wenn die Religionen weltweit koopieren, hilft das bei der Bewältigung der globalen Krisen.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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32 von 45
Ist Religion die Grundform von Identität, bleibt sie Ursache für Geschlechterdiskriminierung, Apartheid und Streit.

Mina Ahadi, Politische Aktivistin, u.a. Zentralrat der Ex-Muslime

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33 von 45
Marktwirtschaft und Arbeitsmigration haben den Wert religiöser Gemeinschaftlichkeit gesteigert.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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34 von 45
Religion ist mehr als ein individuelles Glaubenssystem mit rituellen Praktiken, sie prägt unsere Einstellungen.

Petra Bahr, Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

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35 von 45
Der zweite Konfliktbeschleuniger ist die Reibung der Frommen an Witz, Satire und Karikatur.

Petra Bahr, Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

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38 von 45
Religion führt im Alltag vor allem dann zu Konflikten, wenn man über die Religion der Anderen gar nichts weiß.

Petra Bahr, Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

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39 von 45
Bei den Neuankömmlingen ist Religion ein zentraler Bestandteil des Lebens. Das ist ungewohnt für uns.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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40 von 45
In Deutschland gelingt es inzwischen oft, Raum für nichtchristliches religiöses Leben zu schaffen.

Ulrike Freitag, Direktorin Zentrum Moderner Orient

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41 von 45
Nach 1945 kamen Andersgläubige nach Deutschland - und es kam zu einem Ökumeneschub.

Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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42 von 45
Es ist nie die Religion schuld - es sind die Gläubigen.

Hamideh Mohagheghi, Religionswissenschaftlerin und Juristin Universität Paderborn

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43 von 45
Religionsgemeinschaften in der Krise bieten immer unterschiedliche Handlungsmodelle an.

Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler Universität Bremen

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9 Beiträge in dieser Debatte
  1. Bild von Hamideh Mohagheghi}

    Religion kann gefährlich werden Es liegt an den Gläubigen

    von Hamideh Mohagheghi - Religionswissenschaftlerin und Juristin Universität Paderborn

    Religionen können aufgrund der Texte und Erzählungen durchaus  zur Zuspitzung von Konflikte beitragen. Besonders die Anhänger der monotheistischen Religionen sind da gemeint, wenn glauben, einen Wahrheitsanspruch verteidigen zu müssen. mehr lesen

  2. Bild von Hans G. Kippenberg}

    Glaube und Frieden Religion als Gegenordnung - das führt zu Spannungen

    von Hans G. Kippenberg - Religionswissenschaftler Universität Bremen

    Die Skepsis der Europäer gegenüber Religionen wird seit Jahrzehnten genährt: einerseits durch Glaubenskonflikte überall auf der Welt, und auch durch eine wachsende Religiosität - die wiederum eine Reaktion auf wirtschaftliche Not und Arbeitsmigration ist. Denn je prekärer und schutzloser Menschen sich fühlen, desto wichtiger und verteidigenswerter kann die Glaubensgemeinschaft für sie werden. Ob Religionen zur Verteidigung aber Gewalt ausrufen oder den Verzicht darauf, hängt von den Situationen der Religionsgemeinschaften ab. Und für die sind wir mit verantwortlich. mehr lesen

  3. Bild von Peter Neher}

    Glaube und Widerspruch Religionen haben ein Konfliktpotenzial und bedürfen der Auseinandersetzung

    von Peter Neher - Präsident Caritas

    Religionen können Gesellschaften positiv prägen und einen wertvollen Beitrag für das Zusammenleben von Menschen leisten. Von daher liegt es nahe, den Schluss zu ziehen, dass die Gewalttaten von Extremisten nichts mit der eigentlichen Religion zu tun haben. Dies greift jedoch zu kurz: Jede Religion muss sich damit auseinandersetzen, wenn Gewalt in ihrem Namen ausgeübt wird. Das galt für die Katholische Kirche, das gilt auch für die Islamischen Gemeinden. mehr lesen

  4. Bild von  Bernhard  Felmberg}

    Religionen stärken die Gemeinschaft Es braucht mehr Dialog, nicht mehr Kampf

    von Bernhard Felmberg - Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

    Es ist viel von einer „Renaissance der Religion“ die Rede - und seitdem Terroranschläge im Namen Gottes verübt werden, haben viele Menschen vor dieser  „Rückkehr“ Angst. Aber wer bei den Integrationsbemühungen die Komponente der Religion ausklammern will oder sie nicht hinreichend beachtet, weil sie für ihn selbst nur eine marginale Rolle spielt, riskiert, dass die Integrationsbestrebungen von vornherein scheitern. mehr lesen

  5. Bild von Petra Bahr}

    Religion - Gefährdet sie den gesellschaftlichen Frieden? Aufklärung - ein Dauerauftrag gegen alle Formen der Unmündigkeit

    von Petra Bahr - Leiterin Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung

    Religionsfreiheit bedeutet auch das Bekenntnis dazu, nicht (mehr) religiös sein zu wollen, schreibt die Theologin Petra Bahr. Diese Grundlage unseres Gemeinwesens hat sich noch längst nicht überall herumgesprochen. mehr lesen

  6. Bild von Mina Ahadi}

    Gefährdet Religion den gesellschaftlichen Frieden? Religion war und ist ein Zündstoff

    von Mina Ahadi - Politische Aktivistin, u.a. Zentralrat der Ex-Muslime

    Die Migranten, die zurzeit nach Deutschland kommen, werden vor allem als Muslime betrachtet. Das ist fatal, sagt die politische Aktivistin und Exil-Iranerin Mina Ahadi. Denn wo Religion zentrale Zutat von Identität ist, ist sie Ursache für Diskriminierung, Apartheid und Streit. mehr lesen

  7. Bild von Ulrike Freitag}
    Rolf Schulten

    Nach Brüssel: Ist Religion eine Gefahr für die Gesellschaft? Wie Gewalt in multi-religiösen Gesellschaften verhindert werden kann

    von Ulrike Freitag - Direktorin Zentrum Moderner Orient

    Gewalt eskaliert nicht von selbst. Ein Blick auf andere Regionen der Welt zeigt: Oft gelingt die religiöse Mobilisierung, wenn andere Formen der Konfliktlösung erschöpft sind. Die Islamwissenschaftlerin Ulrike Freitag über Möglichkeiten zum Erhalt des Friedens in pluralen Gesellschaften - und die Rolle des Staates dabei. mehr lesen

  8. Bild von Michael Wolffsohn}

    Nach Brüssel: Ist Religion eine Gefahr für die Gesellschaft? Die Deutschen und der Islam - ein potentieller Kulturkampf

    von Michael Wolffsohn - Historiker und Publizist

    Die Deutschen politisieren die Religion, vor allem den Islam. Die Religion wird so in der säkularen Gesellschaft zur weltlichen Glaubensfrage - und birgt das Potential für den nächsten Kulturkampf, schreibt der Historiker Michael Wolffsohn mehr lesen

  9. Bild von Yasemin El-Menouar}

    Nach Brüssel: Ist Religion eine Gefahr für die Gesellschaft? Muslime in Deutschland sind nicht anti-westlich eingestellt, im Gegenteil

    von Yasemin El-Menouar - Projektmanagerin

    Eine Mehrzahl der Deutschen sieht den Islam als Gefahr - auch, weil Muslimen pauschal anti-westliches Denken zugeschrieben wird. Doch das ist falsch, schreibt Yasemin El-Menouar, die bei der Bertelsmann-Stiftung für den Religionsmonitor verantwortlich ist. mehr lesen