Rechtspopulismus: Brauchen wir eine neue Aufklärung? Lessing ist tot, als hätte er nie gelebt

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Präsident Universität Hamburg

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Dieter Lenzen ist Erziehungswissenschaftler und Präsident der Universität Hamburg.

Nicht nur AfD und Pegida - auch die Expansion des Religiösen gefährdet die aufgeklärte Gesellschaft, schreibt der Erziehungswissenschaftler und Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen.

Von einer durchgängig aufgeklärten Gesellschaft kann nicht (mehr) gesprochen werden.

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Nach 1968 konnte, wer damals schon erwachsen war, hoffen, dass das nie wieder passieren würde: dass Gewalt an die Stelle des Diskurses tritt, dass Meinungen Tatsachen ersetzen wollen und dass Ideologie und Religion wieder an die Stelle der Vernunft treten. Dafür waren Vorkehrungen getroffen worden, die das Moment der Kritik als Wächter gegen Rückfälle in voraufklärirische Verhältnisse einsetzen sollte. Aber dieses Instrument der Kritik ist oftmals, in Politik, Kirche, Kultur und Medien, selbst verkommen zu Gejammer, Mäkelei, Besserwisserei und Respektlosigkeit.

Die Aufklärung wird nicht nur durch Pegida, sondern auch durch die Expansion des Religiösen bedroht.

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Von einer durchgängig aufgeklärten Gesellschaft kann nicht (mehr) gesprochen werden. Dieses aber nicht nur wegen Pegida oder AfD, sondern im gleichen Maße wegen der Expansion des Religiösen, wenn es Ungleichheit, etwa von Mann und Frau, propagiert oder gar die Vernichtung anderer weltanschaulicher und lebensweltlicher Orientierungen. Der Neoliberalismus liefert aus geschäftlichen Gründen dafür zudem eine Toleranzerwartung selbst gegenüber Intoleranz. Lessing ist tot, als hätte er nie gelebt, jetzt sind Kultur und Wissenschaft gefragt, sich und vor allem die Politik zu erinnern und zum reflektierten Handeln zu bewegen. Noch einmal zurück auf den lichten Morgen: Aufklärung, was sonst?

--- Die AfD - gekommen, um zu bleiben? In dieser Debatte lesen Sie die Einschätzungen von AfD-Gründer Bernd Lucke, dem Politikwissenschaftler Kai Arzheimer, dem stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und anderen.

--- Gegensätzliche Interessen gehören zu einer Demokratie dazu. Doch dürfen die etablierten Parteien das rechtskonservative Milieu nicht politischen Hasardeuren und Demagogen überlassen, fordert Ute Frevert, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

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