Ohne Fakten geht es nicht Wirtschaft kann Populismus nicht dulden

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Personalvorstand

Expertise:

Ana-Cristina Grohnert ist Personalvorstand der Allianz Deutschland und Vorsitzende der Diversity-Initiative "Charta der Vielfalt".

Der Populismus arbeitet mit Problemverkürzungen und auf Basis von Spekulationen. Die Wirtschaft dagegen weiß genau: So kann man keine sinnvollen Entscheidungen treffen.

Zahlreiche Unternehmensvorstände haben sich in den letzten Tagen für eine offene Gesellschaft und gegen Ausgrenzung, Rassismus und Populismus ausgesprochen. Sie haben erkannt: Der Populismus schadet den Unternehmen wie der Gesellschaft. Am deutlichsten wird das, wenn man sich vor Augen führt, was der Populismus gerade nicht auslöst. Mir fallen Dinge ein wie Zuversicht, Zutrauen, Zukunftshoffnung, Entspanntheit oder Optimismus. Hingegen denkt der Populismus in Bedrohungen, Befürchtungen und schlechten Prognosen. Er greift gerne negative Emotionen auf, um diese zu verstärken. Angst, Ärger, Unsicherheit und sogar direkter Hass sind ihm willkommene Antriebskräfte. Vor allem aber ist Populismus nicht in der Lage, ein attraktives Zukunftsbild für eine pluralistische Gesellschaft anzubieten. Einen nützlichen oder guten Populismus kann es deshalb qua Definition nicht geben. 

Populismus als Problemerkenner? Sicher nicht.

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Manchmal wird behauptet, Populismus funktioniere als eine Art Frühwarnsystem und mache auf Probleme aufmerksam, die bei Entscheidungsträgern noch gar nicht erkannt wären. Dies würde allerdings bedeuten, dass Populisten tiefergehenden fachlichen Einblick, deutlich besseres Einschätzungsvermögen oder eine wie auch immer geartete prophetische Fähigkeit hätten. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass Populismus hautsächlich spekulativ und wenig faktenbasiert arbeitet. 

Populisten wollen bloß die Unzufriedenheit erhalten, aus der sie Kapital schlagen.

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Eine tatsächliche Problemlösung liegt auch gar nicht im Interesse des Populismus, denn er benötigt ja gerade die Unzufriedenheit, um daraus Kapital zu schlagen. Entsprechend sind die vermeintlichen Lösungsvorschläge des Populismus nicht reflektiert, nützlich oder praktikabel, sondern lediglich unzureichende Verkürzungen von komplexen Fragen. Doch der oft mühselige Prozess, eine Situation exakt zu analysieren, zu erfassen, einzuordnen und in Beziehung zu setzen und dann verantwortlich Entscheidungen zu treffen, lässt sich nicht willkürlich verkürzen. 

Brauchbare Lösungen entwickeln ist Populisten zu mühselig.

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Und hierin liegt das größte Problem, auch für Unternehmen. Populismus greift in einen Mechanismus ein, der sowohl Unternehmen, als auch die Gesellschaft als Ganzes zu einer starken, stabilen und handlungsfähigen Einheit macht. Populismus bekämpft eine rationale, reflektierte und pluralistische Entscheidungsfindung. 

Wirtschaftliche Entscheidungen betreffen viele - sie sind auf Konsens ausgerichtet. 

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Weil es eine zutiefst unternehmerische Frage ist, bei der es immer um Geld geht: Denken wir kurz darüber nach, wie gute Entscheidungen zustande kommen, und wen wir dafür brauchen. Je komplexer eine Fragestellung ist, desto mehr Expertise wollen wir generieren. Wir wollen unterschiedlichste Perspektiven einbeziehen und nicht den Fehler machen, etwas Wichtiges zu übersehen. 

Zudem wissen wir, dass unsere Entscheidungen eine Vielzahl von Menschen betreffen, die selbst wiederum unterschiedlichste Interessen haben. Wenn uns daran gelegen ist, dass sie eine Entscheidung mittragen, dann müssen wir sie anhören, ernst nehmen, einbinden. Unser Entscheidungsprozess ist also auf rationalen Diskurs, den Austausch von Argumenten und die Konsensbildung ausgerichtet. 

"The winner takes it all" ist kein gutes Prinzip für eine Gesellschaft.

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Selbst in der Politik wissen die meisten: Wer eine Mehrheit hat, hat noch längst nicht alle hinter sich. Und man darf nicht glauben, mit einer knappen Mehrheit habe man das Recht, einhundert Prozent seiner Vorstellungen durchzusetzen. Man übernimmt Verantwortung für alle. Man weiß deshalb nicht automatisch alles besser. „The winner takes it all“ ist kein gutes Prinzip für eine Gesellschaft. „Leben und leben lassen“ aber schon. 

Populismus beeinträchtigt Entscheidungen der Politik, die guten Sitten im Umgang - und letztlich die ganze Gesellschaft.

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Populismus beeinträchtigt Sachentscheidungen in der Politik, mit negativen Folgen zu Lasten der Wirtschaft und der Menschen. Er beeinträchtigt zugleich das gesellschaftliche Klima, die Art und Weise, miteinander umzugehen sowie die guten Sitten. Er beeinträchtigt den Pluralismus und die Vielfalt, die in jeder Gesellschaft angelegt sind. Und gefährdet sie deshalb in ihrer Existenz. 

Die Populisten stellen das Fundament für ein prosperierendes Gesellschaftsmodell in Frage. Das ist nicht duldbar.

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Der Dreiklang aus Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft hat Deutschland das Fundament für ein funktionierendes und prosperierendes Gesellschaftsmodell beschert. Hinzu kommt die Europäische Integration, die Wohlstand, Wachstum und nicht zuletzt Frieden gesichert hat und weiterhin sichert. 

All dies stellen Populisten in Frage. Deshalb kann die Wirtschaft Populismus nicht dulden.

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