Kinder in Deutschland Die Mehrkindfamilie sollte gesellschaftliches Leitbild sein

Bild von Elisabeth Müller
Verband Kinderreicher Familien Deutschland e.V.

Expertise:

Elisabeth Müller ist Bundesvorsitzende des Verbands Kinderreicher Familien Deutschland e.V. und Mitglied im Vorstand des europäischen Dachverbands ELFAC. Zu ihren Hauptanliegen gehören die öffentliche Wahrnehmung und die soziale Anerkennung von kinderreiche Familien. Die promovierte Apothekerin ist selbst in einer Großfamilie aufgewachsen und heute Mutter von sechs Kindern.

Es hätten auch gerne zehn sein können, sagt die sechsfache Mutter Elisabeth Müller. Leider nehmen die Rahmenbedingungen hierzulande vielen Paaren den Mut, Kinder großzuziehen. 

Meine Kinder sind für mich ein großes Glück. Kinder bedeuten für mich Zukunft und Lebenssinn! Gemeinsam mit Geschwistern auf zu wachsen ist eine riesige Chance für Kinder. Viele Kinder zu haben ist für uns ein großes Geschenk und viel schöner und abwechslungsreicher, als wir es uns vorgestellt haben. Wenn wir mit unseren sechs Kindern an einem Tisch sitzen, möchte ich nicht tauschen - Und das Leben läuft sowieso anders als man plant, sonst wäre es ja langweilig. Als Vorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien Deutschland e.V. trage ich diese Botschaft engagiert in die Gesellschaft. Ich möchte Mut machen, ja zu vielen Kindern zu sagen. Denn es ist ein wunderbarer Lebensentwurf.

Es lohnt sich, für seine Kinder die eigene Lebensplanung anzupassen. 

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Das Leben in einer großen Familie habe ich als Kind sehr genossen und hatte vor, Apothekerin im klinischen Bereich zu werden. Während der Promotion habe ich meinen lieben Mann kennengelernt. Und dann ging es ganz schnell: Hochzeit, ein Kind, zwei Kinder, drei Kinder … Manchmal ist es herrlich, Pläne über den Haufen zu werfen und offen für das „Neue, gemeinsame Jetzt“ zu sein.

In unserer Familie haben wir Aufgaben verteilt. Ich habe verstärkt die Familienarbeit, mein Mann mehr die Erwerbsarbeit übernommen. Zu Kindern eine Beziehung aufzubauen, sie zu begleiten und zu fördern ist eine wunderbare und wichtige Aufgabe, in die wir beide viel Zeit investieren. Ich wollte nicht verpassen, wie meine Kinder die ersten Schritte machen. Mein Mann bringt viele Kompetenzen in die Erziehung ein: neben handwerklichen Arbeiten die Kinder an wirtschaftliche Fragen heranzuführen und das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig hat er mich unterstützt, immer im Beruf als Apothekerin zu bleiben. Uns ist es wichtig, dass wir als Eltern frei entscheiden können, wie wir die anfallende Arbeit in unserem „Familienunternehmen“ aufteilen.

Im Alltag werden Großfamilien oft nicht berücksichtigt oder sogar benachteiligt. 

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Leider ist es nicht mehr „normal“, drei oder mehr Kinder zu bekommen. Schon wenn wir ins Schwimmbad gehen, endet die Familienkarte bei zwei Kindern. Und bei der Urlaubsplanung sind drei oder mehr Kinder gar keine Option. Als Rahmenbedingung für die Familien mit drei und mehr Kindern brauchen wir die faire Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Steuer und Rente, „echte“ Familienkarten (die nicht bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern enden) sowie mehr Wohnraum.

Kinder vitalisieren: Sicher - Mut, Willen und Vertrauen in die Partnerschaft waren die Voraussetzung für unsere Kinderschar. Wenn die Familie wächst, wachsen auch die genannten Werte: Kinder halten geistig wach, sie sind wissbegierig und fordern Emotionalität. Diesen Weg mitgehen zu dürfen – und ja: es kann auch anstrengend sein! – macht uns Eltern stark.

Kinderreiche Familien sind der Grundstein des deutschen Sozialsystems. 

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Kinder inspirieren: Unsere Kinder spielen, verhandeln, musizieren – jedes entwickelt sich auf seine Weise. Sie lernen Freiraum und Gemeinschaft schätzen. Und sie denken mit, mischen sich ein und entwickeln immer neue Ideen. Dass in Familien mit vielen Kindern Empathie und Sozialverhalten großgeschrieben werden, belegt auch die Geschwisterforschung. Unsere Kinder stärken ihre Großeltern und geben ihnen Lebenssinn. Inzwischen sind schon drei unserer Kinder in der Ausbildung – sie werden schon bald in die Rentenkasse einbezahlen und sich in die Gesellschaft einbringen. Es ist ein gutes Gefühl, dass aus unserer privaten Entscheidung Kinder zu bekommen ein Nutzen für die gesamte Gesellschaft wird. Der Slogan unseres Verbandes: Unsere Kinder – Eure Zukunft ist nicht nur demografisch zu verstehen.


Kinder tun gut: Mit (vielen) Kindern wird man gelassener. Und diese Gelassenheit trägt alle Beteiligten – im Alltag, im Berufsleben, bei der Lebensführung. Wir leben in einer Welt, in der alles vermessen und berechnet wird, in der wir uns gegen jeden Schicksalsschlag versichern wollen. Wer eine große Zahl von Kindern beim Aufwachsen und Welterobern begleitet, so wie mein Mann und ich dies seit 21 Jahren mit großem Vergnügen tun, der ist sich der Fluidität des Lebens voll bewusst. Der Umgang mit Unsicherheiten, Streitigkeiten und Enttäuschungen schenkt uns Eltern kindliche Gaben: Neugier, Humor, Gelassenheit. Dieses Selbstvertrauen, das mir der Umgang mit meinen Kindern schenkt, empfinde ich als Glück. Jetzt. In diesem Moment, den ich zu schätzen weiß.

Die politischen Rahmenbedingungen nehmen vielen den Mut, mehrere Kinder großzuziehen. 

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Sie mögen nun mit Recht fragen: „Wenn Sie als Mutter rundum glücklich mit ihren Kindern sind, aus welchem Grund, ist dann ein Verband kinderreicher Familien nötig?“ Darauf antworte ich: Weil es einerseits Sinn macht, dass gerade Familien mit vielen Kindern (und wenig Zeit) sich austauschen und unterstützen. Und andererseits, weil die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen es – noch – verhindern, dass Partner, die sich viele Kinder wünschen, den Schritt wagen. Kinderreich zu sein, bedeutet hohe Ausgaben für Konsum, eine größere Wohnung und ein großes Auto. Keine Eltern wollen ihre Kinder in Armut sehen. Die Rahmenbedingungen zu verbessern, die Mehrkindfamilie als Leitmodell zu etablieren und die Angst vor einer Zukunft mit vielen Kindern zu nehmen – auch das ist für mich Glück!
 

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