Klimawandel Ökologie und Ökonomie sind zwei Seiten derselben Medaille

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Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Expertise:

Hildegard Müller ist seit Oktober 2008 Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Außerdem engagiert sie sich in mehreren Ehrenämtern.Sie ist unter anderem Mitglied im Komitee von UNICEF Deutschland und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sowie Präsidentin der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung.

Klimaschutz muss als Chance für neue Geschäftsmodelle gedacht werden, sagt die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Intelligente Lösungen für den Klimaschutz könnten ein Exportmodell sein, gerade für die deutsche Wirtschaft.

Wird in Paris der Durchbruch für den Klimaschutz gelingen? Angesichts der vielen nationalen Einzelinteressen ist ein Erfolg alles andere als sicher. Dennoch bin ich überzeugt – und hoffe dies auch – , dass uns die Konferenz einen großen Schritt weiterbringen kann. Immerhin haben schon 173 Länder nationale Klimaschutzpläne eingereicht. Hinzu kommt: Die Klimaschutzdebatte entfaltet eine ganz neue Dynamik. Die notwendige Eindämmung extremer Wetterphänomene und der Gesundheitsschutz gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern gewinnen weiter an Bedeutung.

Klimaschutz muss auch als Chance für neue Geschäftsmodelle und regionale Wertschöpfung gedacht werden

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In der Debatte wird zudem ein Argument immer öfter zu Recht betont: die wirtschaftlichen Chancen klimaschonender Technologien. Wenn Klimaschutz auch als Feld für neue Geschäftsmodelle und regionale Wertschöpfung gedacht wird, stärkt das das Engagement für Innovationen, Investitionen und Kooperationen.

Dies wird sich positiv auf die Geschwindigkeit und Kosten für die Einführung klimaschonender Technologien auswirken. Wer frühzeitig in Forschung und Entwicklung investiert, hat schneller tragfähige Resultate. Wichtig dabei ist, dass wir uns moderne Technologien ohne Vorbehalte und technologieneutral anschauen und sie gründlich auf ihre Umsetzbarkeit prüfen. Der Markt braucht Raum für die Entwicklung innovativer Ansätze und darf nicht durch immer neue staatliche Regulierungsvorgaben gebremst werden. Auch Denkverbote, wie sie beispielsweise bei der Erprobung der CCS-Technologie verhängt wurden, sind kontraproduktiv.

Intelligente Lösungen für den Klimaschutz können auch ein Erfolgs- und Exportmodell für die deutsche Wirtschaft sein

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Die ökonomischen Potenziale einer ambitionierten Klimaschutzpolitik sind zudem ein Schlüssel, um die wachsende Mittelschicht, zum Beispiel in China oder Indien, zu erreichen. Schließlich stehen angesichts des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern der Zugang zu Energie und die Versorgungssicherheit an erster Stelle. Diese Länder haben ein großes Interesse daran, sich durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien unabhängiger von Energieimporten zu machen.

Der für Entwicklungsländer aufgelegte Klimafonds der UN – der Green Climate Fund – sollte Klimaschutz ebenfalls an die Wirtschaftsentwicklung koppeln: Neben der Förderung von Klimaschutz-Projekten sollte er so konzipiert sein, dass er positive Effekte auf die Armutsbekämpfung und den Aufbau wirtschaftlich tragfähiger Strukturen entfaltet. Wohlstands- und Modernisierungsmaßnahmen müssen nachhaltig und ressourcenschonend angelegt sein. Fehler, die in den Industrieländern beim Umgang mit natürlichen Ressourcen gemacht wurden, sollten in den Entwicklungs- und Schwellenländern nach Möglichkeit vermieden werden.

Verlässliche Rahmenbedingungen für ein gutes Investitionsklima

Die große Herausforderung der nächsten Jahrzehnte besteht darin, Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Umweltverträglichkeit in Einklang zu bringen. Deshalb müssen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen die europäischen und nationalen Klimaschutzziele für die Zeit nach 2030 umgesetzt werden können. Das ist Voraussetzung für ein gutes Investitionsklima.

Die deutsche Energiewirtschaft trägt beim Klimaschutz eine besondere Verantwortung. Sie hat sich bereits 2009 zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 eine CO2-neutrale Energieversorgung zu gewährleisten. Für einen effektiven, ganzheitlichen Klimaschutz müssen jedoch alle Wirtschaftssektoren einbezogen werden, in denen große Mengen CO2 anfallen. Dies gilt insbesondere auch für jene Bereiche, die nicht vom Emissionshandel erfasst werden und bislang weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Ich denke vor allem an den Verkehrs- und Wärmesektor, aber auch an die Landwirtschaft.

Die EU sollte sich für ein funktionierendes, marktorientiertes und globales Emissionshandelssystem einsetzen

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Besonderen Handlungsbedarf sieht die Energiewirtschaft bei der Reform des Europäischen Emissionshandels. Ein funktionierender Zertifikatehandel ist ein wesentlicher Eckpfeiler der EU-Klimapolitik und ein kosteneffizientes Instrument zur Förderung von CO2-armen, hocheffizienten Technologien. Der BDEW hat hierzu frühzeitig zahlreiche Reformvorschläge eingebracht. Die EU sollte sich zudem für ein funktionierendes, marktorientiertes und globales Emissionshandelssystem einsetzen und die Anbindung des EU-Emissionshandels an gleichwertige Systeme in anderen Regionen vorantreiben.

Nachhaltigkeit = Klimaschutz + Versorgungssicherheit + Wirtschaftlichkeit

Ob der Wunsch nach Klimaschutz oder der Wunsch nach größerer Unabhängigkeit den Ausbau der Erneuerbaren Energien antreibt, ist unerheblich, solange das Ziel – ein wirksamer Schutz des Klimas – erreicht wird. Wir hoffen, dass alle Regierungen das Verlangen eint, die Energieversorgung zukunftsfest für das 21. Jahrhundert aufzustellen. Es wäre ein großer Erfolg, wenn es in Paris gelänge, alle Nationen für ein internationales, marktorientiertes Klimaabkommen zu gewinnen. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne Klimaschutz kombiniert mit einer langfristigen Sicherung von Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. 

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