Tradition und Priestertum Priester verkörpern Jesus Christus, einen Mann

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Politikwissenschaftler

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Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist. Seine Schwerpunkte sind unter anderem politische und ethische Grundsatzfragen, christliche Gesellschaftsfragen, Religionssoziologie und Kirchenpolitik. Zuletzt veröffentlichte er "Wie katholisch ist Deutschland - und was hat es davon?".

Forderungen nach einer Ausweitung des Priestertums auf Frauen zielen lediglich darauf ab, die Kirche ihrem zunehmend areligiösen Umfeld anzupassen. Doch das steht nicht im Sinne der katholischen Tradition. Ein solcher Schritt würde in der Weltkirche zur Spaltung führen.

Es ist immer wieder erstaunlich, was für dezidierte Vorstellungen und Urteile über innere Angelegenheiten der katholischen Kirche sogar Menschen haben, deren Glaubenswissen gegen Null tendiert. Über Kirche meint jeder kompetent reden zu können. Dabei ist die Theologie quasi der Notenschlüssel, der die Gestalt von Kirche erst stimmig macht. Sie ist nicht mit einem x-beliebigen Verein zu vergleichen, in dem sich Menschen mit einem gemeinsamen Interesse oder Bedürfnis zusammentun, um sich selbst besser zu verwirklichen oder zum gesellschaftlichen Fortschritt (nach dem gerade angesagten Maßstab dafür) beizutragen.

Die katholische Kirche wurzelt 2000 Jahre tief in der Geschichte und versteht sich nicht als bloß menschliche Veranstaltung, sondern als göttliche Stiftung: in der Welt, aber nicht von der Welt. Sie umfasst auch nicht nur Gläubige aus nahezu allen Regionen und Kulturen der Erde, sondern auch jene „Diener und Dienerinnen, die uns vorausgegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, und die nun ruhen in Frieden“, wie es im Ersten Hochgebet der katholischen Messe heißt. In einer Gemeinschaft von Lebenden und Verstorbenen muss die Tradition als „Demokratie mit den Toten“ (Chesterton) großes Gewicht haben. Schon deshalb ist es weder kirchlichen Amtsträgern noch einer bestimmten Generation von Kirchenvolk gestattet, mal eben nach eigenem Gusto die Glaubenslehre wie eine Geschäftsordnung zeitgemäß zu verändern.

In der Kirche muss die Tradition als "Demokratie mit den Toten" großes Gewicht haben.

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Zu den Reformen, die mehr oder weniger Kirchenkundige dem Katholizismus seit Jahr und Tag ansinnen, gehört die Priesterweihe für Frauen. Die meisten fordern sie aus Gründen der „Gerechtigkeit“, andere des Priestermangels wegen. Pfarrer werden allerdings auch im zölibatsverschonten, sich feminisierenden Protestantismus knapp, und im Verhältnis zur Gottesdienstbesucherzahl war die der Priester noch nie so hoch wie heute.

Der Priestermangel spricht nicht für das Weihepriestertum der Frau. 

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In der Eucharistiefeier ist der Priester nach katholischem Verständnis nicht nur fachkundiger Zeremonienleiter und Verkündiger. Er repräsentiert Jesus Christus selbst, in dem Gott nicht geschlechtslos, sondern als Mann Mensch wurde. Entsprechend wird die Kirche theologisch als „Braut Christi“ beschrieben. Wenn wir schon in einem profanen Passionsspiel wie in Oberammergau den Gottessohn stets von einem Mann darstellen lassen, dann sollte dies umso mehr für die heilige Handlung gelten, auch wenn die Christusförmigkeit mehr als das Geschlecht umfasst. Dass Jesus, der sich nicht scheute, mit den Konventionen seiner Zeit zu brechen, aus seinen Jüngerinnen und Jüngern zwölf Männer als Apostel auswählte, versteht die katholische Kirche als Vorgabe, die nicht zu ihrer eigenen Disposition steht. So unterschiedliche Päpste wie Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus haben dies als unabänderliche Lehre bekräftigt. Damit ist der Glaubensgehorsam von Katholiken hier tangiert. Die Überzeugung, es besser zu wissen, muss schon sehr ausgeprägt sein, um hier einen „Aufstand“ (Christiane Florin) auszurufen. Es steht jedem frei, mit dem Kopf gegen die in dieser Frage „geschlossene Tür“ (Papst Franziskus) zu laufen. Sinnvoll ist das nicht.

Der Priester repräsentiert Jesus Christus, in dem Gott als Mann Mensch wurde und sollte deswegen männlich sein.

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Das Priesteramt ist übrigens keine Pfründe, die sonderlich begehrenswert wäre, sondern eine Bürde, die Hingabe verlangt. Keine Wahl aus Neigung oder Eigendiagnose, sondern ein Joch, in das man gerufen und „gegürtet“ wird: „Ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst“ (Joh 21,18, vgl. Ex 29,9). Nicht Ehrgeiz und Machtstreben oder Ansprüche auf „Gerechtigkeit“ für sich selbst oder innerhalb einer Geschlechterkonkurrenz sind hier angebracht, sondern Scheu und der Zweifel, der Berufung würdig zu sein. Übrigens bleibt auch den allermeisten Männern aus verschiedensten Gründen das Priesteramt verwehrt.

Auf das Priesteramt sollte nicht mit Ehrgeiz, sondern mit Zweifel, der Berufung würdig zu sein, geblickt werden.

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Frauen stehen viele andere führende Positionen in der Kirche offen. Die oberste Stufe der katholischen Karriereleiter können sie ohnehin erklimmen: die der Heiligkeit, sogar als Kirchenlehrerin wie Hildegard von Bingen, Katharina von Siena und Therese von Lisieux. Als Äbtissin, Theologieprofessorin, Hauptabteilungsleiterin im bischöflichen Ordinariat, katholische Publizistin, Präsidentin eines Diözesanrats oder des Zentralkomitees der Katholiken können Frauen in herausragender Funktion in der Kirche wirken.

Priesterinnen würden in der Weltkirche zur Kirchenspaltung führen.

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In der Weltkirche sind katholische Priesterinnen jedenfalls nicht zu vermitteln, ein Versuch der Durchsetzung würde unmittelbar zur Kirchenspaltung führen und zudem die katholische von der orthodoxen Kirche nachhaltig entfremden. Die bei uns immer wieder gesuchte Diskussion hat insofern bestenfalls etwas von Traumtänzerei in der „protestantischsten Provinz“ (Johannes Gross) der katholischen Kirche, im ungünstigsten Fall ist sie Klamauk um der Publicity willen. Mit evangelischen Pastorinnen kann man als Katholik übrigens trotzdem entspannt und respektvoll leben. Protestantische Kirchen wollen ja auch selbst nicht Kirche im Sinne der katholischen sein und haben ein anderes Konzept von Ordination und eine andere Sakramentenlehre als die katholische Kirche.

Mit der Forderung nach dem Priestertum der Frau soll die Kirche an ihre zunehmend areligiöse Umgebung angepasst werden.

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Wer trotz dieser Argumente Zweifel hat, ob das katholische Männerpriestertum – ein Kontrast zu den Priesterinnen der heidnischen Antike – nicht doch zu den wandelbaren Teilen der Glaubenslehre gehören könnte, dem bleibt immer noch ein guter Grund, es zu verteidigen: als Anwalt der Meinungsminderheit und Widerständler gegen einen Konformitätsdruck, der die katholische Kirche partout den Maßstäben ihrer zunehmend areligiösen Umgebung angleichen will. Käme die Forderung nach dem Weihepriestertum der Frau aus einer vitaleren Kirchenprovinz, die ein Vorbild an Glaubensdynamik wäre, sähe es mit der Wahrheitsvermutung anders aus. Sonst aber ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Debatte eher Symptom einer maladen, geistlich erschöpften Kirche ist.

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