Berufene Frauen als Priesterinnen Im Sinne des Heiligen Geistes

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Jacqueline Straub (26) hat katholische Theologie in Freiburg i.Br., Fribourg (CH) und Luzern (CH) studiert. Sie arbeitet als Jorunalistin, Buchautorin und Referentin und setzt sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein. Sie fühlt sich zur römisch-katholischen Priesterin berufen.

Indem sich die katholische Kirche weigert, die Berufung von Frauen zu prüfen, verstößt sie gegen die fundamentale Gleichheit, die im Zeitgeist des Heiligen Geistes steht. 

Als junge Frau habe ich heute alle Möglichkeiten, mein Leben zu gestalten und einen Beruf zu wählen, der meinen Intentionen entspricht. Mir stehen in (fast) allen Bereichen die Türen offen. So auch nach einem Theologiestudium. Ich kann eigentlich alles werden, was ich möchte - nur nicht das, wozu ich berufen bin. Seit meiner Jugend fühle ich mich zur Priesterin in der römisch-katholischen Kirche berufen. Mein Herz sehnt sich danach, als Priesterin die heilige Eucharistie zu feiern und selbst in persona Christi zu wirken. Ich wünsche mir – wie einst Papst Johannes XXIII.– eine arme Landpfarrerin zu sein, um Gott und den Menschen in Demut und Barmherzigkeit zu dienen.

Weil ich diesen Ruf in meinem Herzen verspüre, setze ich mich dafür ein, meine Berufung leben zu können. Bis dahin ist es ein langer Weg, denn das heutige Kirchenrecht erlaubt es nicht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. So empfängt die heilige Weihe gültig nur ein getaufter Mann (Can. 1024 CIC 1983). Unzweifelhaft handelt es sich um ein diskriminierendes kirchliches Gesetz, da ich allein wegen meines Frauseins nicht ordiniert werden kann. Obwohl klar ist, dass es kein individuelles Recht auf die Weihe gibt, entsteht die Ungleichheit nicht erst bei der Priesterweihe, sondern bereits bei der Festlegung ihrer Voraussetzungen. Denn die Kirche erachtet es nicht als ihre Pflicht, meine Berufung zu prüfen. So liegt ein Verstoß gegen die fundamentale Gleichheit vor, da ich meine Berufung nicht so wie meine männlichen Kollegen leben kann.

Die Kirche verstößt gegen die fundamentale Gleichheit, indem sie die Berufung von Frauen nicht prüft.

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Mit der Pastoralkonstitution Gaudium et spes bekannte sich die Kirche ausdrücklich zu den Menschenrechten und lehnte sich dabei an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinigten Nationen an. Gleichheit und die gleiche Würde jedes Menschen wurden betont; die Diskriminierung der Frau verurteilt. Dennoch gibt es eine echte Gleichstellung von Mann und Frau in der katholischen Kirche bis heute noch nicht umfassend. Die Kirche würde viel an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie die Einhaltung der Menschenrechte nicht nur von Staaten forderte und nach außen für die Rechte der Frau und die Verwirklichung der Menschenrechte einträte, sondern für die rechtliche Gleichstellung der Frau auch in der Kirche sorgen würde.

Die Kirche würde an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie sich für die Gleichstellung in der Kirche einsetzen würde.

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Es ist tragisch, dass 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil das Geschlecht nach wie vor höher bewertet wird als die Taufe. Durch diese Fehlgewichtung wird die Taufe in ihrer sakramentalen Wirkkraft kaum ernst genommen. Daher ist es ein Erfordernis der Zeit, der Taufe das Gewicht zu geben, das ihr gebührt: So darf nicht das Geschlecht von Bedeutung sein, sondern allein die Bereitschaft, sich in den Dienst Jesu Christi und der Kirche zu stellen.

Die Taufe sollte von größerer Bedeutung sein als das Geschlecht.

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Die Forderung nach dieser Gleichheit geschieht nicht ausschließlich aus einem gesellschaftlichen Trend heraus, sondern es ist der Heilige Geist in der Zeit, der auch in die weiblichen Herzen weht. Der heutige Zeitgeist wird als gefährlich, ja falsch betrachtet, und gleichzeitig wird am Zeitgeist vergangener Jahrhunderte festgehalten. Die Kirche sollte weniger Angst vor ihm haben, sondern vielmehr auf die Kraft des Heiligen Geistes vertrauen. Das fällt vielen in der Kirche noch schwer. So ist mit Papst Franziskus zu sagen: „Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung. Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche weiterzugehen. Wir wollen, dass der Heilige Geist sich beruhigt, wir wollen ihn zähmen. Aber das geht nicht. Denn er ist Gott und ist wie ein Wind, der weht, wo er will.“

Der Geist Gottes muss noch viel kräftiger wehen und wirken, bis berufene Frauen zu Priesterinnen der römisch-katholischen Kirche geweiht werden. Ich werde mich in Geduld üben. Dennoch werde ich nicht aufhören, darüber zu sprechen und mich für meinen Ruf einzusetzen, denn die Bibel sagt schon: „Für Gott ist nichts unmöglich.“ (Mk 10,27).

Das weibliche Priestertum steht im Sinne Gottes. 

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Die Wertschätzung und das Lob der Kirche und Kleriker gegenüber der Frau groß. Als berufene junge Frau kann ich diese entgegengebrachte Wertschätzung allerdings nicht immer ernst nehmen, da ich, nur weil ich eine Frau bin, meine Berufung zum priesterlichen Dienst nicht leben darf. Papst Johannes Paul II. verspricht 1995 in seinem Brief an die Frauen: „Auch die Kirche will ihren Beitrag zur Verteidigung der Würde, der Rolle und der Rechte der Frauen anbieten…“. Faktisch erhalten zum priesterlichen Dienst berufene Frauen (und auch verheiratete Männer) dieses Recht nicht, und die Kirche versucht auch nicht, diese Ungerechtigkeit zu ändern. Wertschätzung bedeutet für mich eine Anerkennung der ganzen Person mit all ihren Gaben, die sie von Gott empfangen hat. Dabei darf das Geschlecht keine Rolle spielen, sondern vielmehr die Berufung zum Dienst, wie es in Röm 2, 11 geschrieben steht: „Denn Gott richtet ohne Ansehen der Person.“ Das will heißen, dass Gott nicht auf den sozialen Status oder das Geschlecht schaut, sondern auf den Menschen selbst. Das sollte die katholische Kirche in der Frage des Frauenpriestertums auch wieder tun!

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