Fahrradfahren für den Systemwechsel Lasst uns Wohlstand anders denken

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Schauspielerin

Expertise:

Liv Lisa Fries ist Schauspielerin und wurde durch die Serie "Babylon Berlin" bekannt.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ideen an meinungsvielfalt@tagesspiegel.de. Ausgewählte Leserkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Verkehr - Kann das Auto weg? Die Schauspielerin Liv Lisa Fries sieht Berlin und die Welt an einem Wendepunkt, an dem sich auch der Verkehr komplett verändern muss.

Prolog.

In der Stadt singen Chöre, einzelne. Wer nach Feierabend möchte, singt neben den Fahrradwegen. Es hängen Lampions und Lichterketten, keine Werbung, bunte Farben an den Wänden, Kunst auf der Straße, kein Lärm, die Autos sind aus der Stadt verbannt, man darf nur bis an den Stadtrand mit dem Auto fahren.

Essential.

Wenn ich beispielsweise bei Grünau Fahrrad fahre, genieße ich es, möchte Fahrradtouren machen. Die Aussicht ist schön. Natur. In der Stadt sehe ich Werbung, Asphalt, Autos, natürlich auch andere Menschen, aber eher gehetzt, eher abgelenkt von den urbanen Faktoren.

Damit nicht weiter Fahrradfahrer im Straßenverkehr sterben, braucht es einen Infrastrukturwandel.

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Wenn ich in der Stadt fahre, möchte ich keine Fahrradtour machen. Es geht eigentlich nur gut mit Musik, aber das ist zu gefährlich. Ich höre lautes Hupen, Sirenen (die aufgrund der Autos so laut sein müssen), Transporter, Autoverkehr. Trotzdem fahre ich ausschließlich Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ich habe kein Auto. Die Zahl der Toten im Verkehr ist insgesamt gesunken, aber die Zahl der Fahrradfahrer, die im Straßenverkehr gestorben sind, ist gestiegen. Weil mehr Leute Fahrrad fahren. Damit das nicht weiterhin so ist, muss es einen Infrastrukturplan und einen Infrastrukturwandel geben. Es muss investiert werden. Die zweite Spur könnte komplett für Fahrräder benutzt werden. Es könnte in der Innenstadt nur noch 30er-Zonen für Autos geben. Es nervt, hinter den vielen Autos an der roten Ampel zu stehen, und deren Abgase einzuatmen, weil sie auf der Fahrradspur stehen und man nicht bis nach vorne kommt.

Es sollte in der Innenstadt nur noch 30-Zonen für Autos geben.

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Es müssen klare Alternativen zum Auto entwickelt werden! Das ist eine hochkomplexe Aufgabe, die Stadtplaner, die Automobilindustrie, öffentliche Verkehrseinrichtungen, die Politik und jeder, der Ideen hat, arrangieren dürfen und müssen. Wenn wir daran glauben, dass Öl und natürliche Ressourcen endlich sind, müssen wir handeln. Wer auf sein Auto verzichten kann, muss es tun. Wir brauchen einen kompletten Systemwechsel. Wir müssen uns grundsätzlich auf neue Werte einigen. Wir müssen gemeinsame Konsequenzen tragen. Und die Politik muss das veranlassen. Sofort. 

Wohlstand muss umdefiniert werden - in Offenheit, Beweglichkeit und Freude.

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Das Auto, das Flugzeug, Plastik – bestimmte Teile der Erdbevölkerung haben lange diese Vorzüge (?) der Bequemlichkeit genossen. Wir hatten einen unglaublichen Wohlstand. Er ist vorbei. Er muss vorbei sein. Es ist kein kurzes Einzelzeitfahrtrennen, wie bei der Tour de France, das wir hier bestreiten, kein Sprint. Es ist ein Langlauf der Sonderklasse, den wir Menschen in Hunderten von Generationen bestreiten. Lasst uns Wohlstand anders denken. In den Seelen, in den Herzen, im Geist, im Körper. Kollektiv. Lasst uns nicht mehr Plastik atmen, nicht mehr Absage atmen, die Meere nicht mehr überfischen, nicht mehr Massentierhaltungsfleisch essen. Definieren wir den Wohlstand um in Offenheit, Beweglichkeit, Freude. In Sprechen, Zuhören, Fahrradfahren, Laufen, Sich-begegnen.

Epilog.

Wenn ich mit dem Fahrrad fahre, spüre ich mich, ich erfahre die Distanzen der Orte neu. Ich erlebe die Welt, in der ich lebe. Die körperliche Anstrengung belebt den Geist und ich fühle mich lebendig. 

Wieso haben Autos Priorität? Sollte nicht der Mensch viel mehr gefördert werden? Wir sind in der Lage, uns zu bewegen, wieso nutzen wir dies nicht? Ich bin nicht gegen Autos, sondern für Fahrräder. 

Das Fahrrad hilft mir in dieser beschleunigten Zeit wieder etwas zu entschleunigen. Es hilft auch, Dauer wieder existent werden zu lassen. 

Sich in der Stadt, in der ich lebe, aus eigener Kraft frei und unabhängig zu bewegen, die Stadt oder auch die Natur zu sehen, ist wundervoll. Ich kann Menschen begegnen, ich kann auch mir selbst begegnen. 

Ich finde ein Miteinander und kein Nebeneinander sehr erstrebenswert. 

Ich möchte in einer Stadt Berlin und einer Welt leben, in der es weniger Lärm, bessere Luft und mehr Raum und Sicherheit für Fahrradfahrer und Menschen außerhalb von zwei Tonnen Metall gibt.

Zur Debatte "Verkehr - Kann das Auto weg?" schrieben ebenfalls "Autopapst" Andreas Keßler, der eine Verkehrswende mit Auto fordert, und Pensionär Reinhold Osterhus, für den das Fahrrad keine Lösung ist.

17 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Karl der Baer
    Zitat:
    „Es nervt, hinter den vielen Autos an der roten Ampel zu stehen, und deren Abgase einzuatmen, weil sie auf der Fahrradspur stehen und man nicht bis nach vorne kommt.“

    Es nervt aber auch, auf dem Wege zu einem dringenden Termin in der Charité – selber fahrradimkompatibel – im Bus der Linie 147 für die Reinhardt- und die Luisenstraße den (z.T. nebeneinanderbefindlichen, sich auch ggs. überholenden) Radfahrendinnen hinterherzotteln zu müssen, wenn wegen der entgegenkommenden Fahrradkolonnen der Busfahrerin auch kein lockeres Vorbeifahren mehr möglich ist.
    1. von Wilfried Sorg
      Antwort auf den Beitrag von Karl der Baer 28.08.2019, 13:12:14
      Leider hat der Kampf für die fahrradgerechte Stadt, was nur als gegen die autogerechte Stadt gesehen wird, zu einem "Wir" und einem "Die" geführt. Wie können die auf meinem Radweg stehen. Wie können die mich so aufhalten. Da ich zur großen Mehrheit der Autofahrer gehöre, bemühe ich mich um Toleranz, erwarte das aber auch von den Radfahrern und ihren Kampfverbänden.
  2. von Thomas Kramer
    Fahrrad gegen Auto- das ist doch hier nicht die Frage! Das Auto ist auf dem Land völlig unverzichtbar, so gern das die Städter vergessen. Aber in den Städten gibt es auf fast allen Straßen zwei Park- und zwei Fahrspuren für Autos: Warum? Muss das so bleiben? Eine von den vier Spuren könnte für den Radverkehr umgewidmet werden, dann wird Parkplatzsuche zum Wahnsinn und Umsteigen leichter :-)
  3. von Regina Langel
    In Ihrem Epilog finde ich keine Behinderten, die nicht laufen können. Was ist mit denen? Und ich dachte, Fahrradfahren sei Gesund? Und nun kommen Ihnen die Abgase ins Gesicht, oje. Auch kleine Kinder müssen, wenn sie mit Eltern oder Elternteile unterwegs sind, dies einatmen. Sind Sie egoistisch? Es ist ja schön und gut, das sie sich wieder "spüren wollen" und in irgendwelchen erweiterten Horizonten schweben. Träumen Sie weiter Ihren Traum, der muß nicht für alle Gelten. Bei welchem Guru waren Sie?
    1. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Regina Langel 27.08.2019, 12:40:48
      Mit Verlaub, das ist überheblich. Ja, es gibt Menschen, die sind auf das Auto angewiesen. Und die Leute, die nicht auf ihr Auto angewiesen sind, werden nicht müde, das zu betonen. Und auch die Wirtschaft braucht ihre Belieferungen, deswegen ist niemand, wirklich niemand, für eine komplett autofreie Stadt. Würde man aber nur noch den Lieferverkehr haben und die Leute, die ihr Auto tatsächlich brauchen, hätten wir unsere heutigen Probleme nicht. Es wird auch in Zukunft Pkw und Parkplätze geben, aber eben nicht für alles und jeden sondern nur im begründeten Ausnahmefall kann das vertretbar sein. Wieso denken in Deutschland immer alle, dass die Verkehrsingenieure zu blöd wären, auch an Bedürftige, die Wirtschaft oder den Rettungsdienst zu denken? Das sind entweder Scheinargumente oder es ist verdammt undurchdacht. Die Straßenquerschnitte werden ja nicht von Politikern festgelegt.

      Zum Thema Scheinargumente: "Und ich dachte, Fahrradfahren sei Gesund? Und nun kommen Ihnen die Abgase ins Gesicht, oje." - Fahrradfahren IST gesund, weil die Bewegung insgesamt besser für den Körper ist als die Wirkung der Schadstoffe. Der relevante Punkt ist: Die Leute in den Kfz vergasen eben nicht nur sich selbst sondern auch alle anderen. Woanders nennt man sowas Passiv-Rauchen, ruhestörenden Lärm oder Geruchsbelästigung, im Straßenverkehr ist es Freiheit.
    2. von D. Popp
      Antwort auf den Beitrag von Regina Langel 27.08.2019, 12:40:48
      "Und nun kommen Ihnen die Abgase ins Gesicht, oje. Auch kleine Kinder müssen, wenn sie mit Eltern oder Elternteile unterwegs sind, dies einatmen."

      Und das ist so richtig und zumutbar, oder wie ist Ihre Antwort zu verstehen?

      Was die persönlichen Angriffe sollen, entzieht sich ebenfalls meinem Verständnis.
  4. von Gerd Golm
    Die Autoindustrie ist ein großer Sponsor der Filmindustrie. Entsprechend werden Autos in rasanten Szenen in Filmen als Fetisch inszeniert und propagiert. In ihrem neusten Film war sogar die Caroline Kebekus als gestresste Muttter rasant fahrend und mit dem Smartphone beschäftigt (am Simsen) in einem neuen Automodell zu sehen. Nicht nur gegen solche Rollen sollten sich SchauspielerInnen zu wehr setzten. Sie könnten Druck aufbauen, damit in Drehbüchern der Verherrlichung von Autofahren (und damit der promotion der Autoindustire ein Ende gesetzt wird. Ein sicherlich nicht leichtes Unterfangen. Im Sinne einer umweltfreundlicheren Zukunft, wie sie sich die erfolgreiche Schauspielerin Liv Lisa Fries hier wünscht, wäre es aber jeden Versuch wert.
    1. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Gerd Golm 27.08.2019, 11:53:35
      Stimmt. Der eine Tatort neulich erinnerte auch eher an eine BMW-Werbung als an einen Krimi.
  5. von Frank Fidorra
    Die Menschen sind verschieden.

    Manche lieben das Landleben, die Ruhe, die Natur. Andere lieben das Stadtleben, die Lebendigkeit, das Quirlige, Laute.

    Der Strukturwandel, der den Gesellschaften weltweit bevorsteht, ist komplex und überaus schwierig zu organisieren. Er ist nötig vor allem wegen des Klimawandels und der knapper werdenden fossilen Energieressourcen.

    Es ist völlig unnötig, wenn nicht kontraproduktiv, diesen Strukturwandel zusätzlich mit "Heile-Welt-Ideologien" aufzuladen. Eine Stadt wie Berlin wird niemals beschaulich sein, dafür gibt es hier zu viele Menschen, die genau das Gegenteil wollen, sonst würden sie z.B. nach Grünau ziehen.

    Ja, Berlin kann mehr für den Fahrradverkehr tun. Im Vergleich zu anderen EU-Städten hinkt Berlin hinterher. Viele Radwege sind in erbärmlichen Zustand, selbst im Vergleich zu den oft renovierungsbedürftigen Straßen.

    Aber im Vergleich zu dem notwendigen Strukturwandel sind das vergleichsweise Nebensächlichkeiten.

    Der Weltenergiebedarf ließe sich bereits heute theoretisch auf einem kleinen Teil der Sahara bereitstellen (https://katapult-magazin.de/de/artikel/artikel/fulltext/wie-viel-platz-benoetigen-wir-um-die-gesamte-welt-mit-solarstrom-zu-versorgen/). Das ist natürlich unrealistisch, aber es zeigt das Potential. Wir haben genug Energie, wir müssen sie nur anders gewinnen. Und wir müssen das Auto auf neue technische Grundlagen stellen. Verzichten müssen wir darauf nicht.

    Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es nicht reicht, ein Modell für Berlin zu finden. Die Lösungen, die gebraucht werden, müssen sich auch in New York, in Bombay oder Schanghai umsetzen lassen. Wer der Weltbevölkerung erzählen will, sie müsse in Zukunft vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, hat schon verloren.
    1. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Frank Fidorra 27.08.2019, 10:19:42
      "Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es nicht reicht, ein Modell für Berlin zu finden. Die Lösungen, die gebraucht werden, müssen sich auch in New York, in Bombay oder Schanghai umsetzen lassen. Wer der Weltbevölkerung erzählen will, sie müsse in Zukunft vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, hat schon verloren."

      Stimmt. Deswegen wäre es sehr sinnvoll, wenn Deutschland mal nach New York, Bombay oder Shanghai schauen würde. Städte in denen in den letzten fünf Jahren in großem Stil Autobahnen entwidmet, Straßen für den Kfz-Verkehr gesperrt, Parkplätze reduziert und weitere einschneidende Maßnahmen gegen den Autoverkehr unternommen wurden. Deutschland lebt in einer Blase. Aber das nur nebenbei.

      Ich wollte eigentlich auf was anderes hinweisen: "Wir haben genug Energie, wir müssen sie nur anders gewinnen. Und wir müssen das Auto auf neue technische Grundlagen stellen. Verzichten müssen wir darauf nicht." - Das sehe ich etwas anders. Denn wir kommen im Endeffekt immer an die Grenzen der Ressourcen. Bereits heute verbraucht die Autoindustrie 50% der Welt-Platin-Gewinnung. Für Katalysatoren, die 2g Platin enthalten. Für ne Brennstoffzelle braucht man auch 2g Platin, allerdings pro Kilowatt Motorleistung. Das macht für einen VW Polo über 100g Platin! Ähnliches gilt für E-Fahrzeuge. Power-to-X ist eine schöne Idee, schädigt das Klima durch Leitungsverluste aber sogar mehr als normale Verbrenner. Dazu kommt, dass Autos auf maximalen Absatz ausgelegt sind, die Karren sind ja nicht mal rostfrei. Im Endeffekt werden wir also deutlich weniger Autos haben müssen, die dafür aber maximal haltbar konstruiert sind (z.B. mit ner Karosserie aus Titan, das zwar überdimensioniert, aber im Gegensatz zu Stahl 100% recyclebar ist).

      Am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass entweder die Ressourcen zu knapp werden für wirtschaftliche Gewinnung oder die Energie zu knapp, um die immer geringeren Konzentrationen von Ressourcen gewinnen zu können.
  6. von Nadine M Helmer
    Mir kommt es mittlerweile zu den Ohren raus: Autos sind der Teufel und nur auf dem Fahrrad verwirklicht der Stadtmensch sein Dasein.
    Himmel, dann zieht doch aufs Dorf. Eine Stadt lebt davon, dass Menschen, Waren mobil sind. „Definieren wir Wohlstand um in (...) Fahrradfahren (...).“ Sagen wir das all jenen, die außerhalb des S-Bahn-Rings wohnen und/oder arbeiten. Sagen wir das all denen mit Kindern, Einkäufen, Hunden und sonstig „sperrigem“ Anhang. Sagen wir das all denen, die gern Produkte im Supermarkt und Menschen an ihren Arbeitsplätzen sehen wollen.
    Individualverkehr hat nun mal unschlagbare Vorteile: wetterunabhängig, zielgenau, ungemein komfortabel. Warum setzen wir nicht verstärkt darauf, dieses Konzept so umweltfreundlich wie möglich zu machen durch Investitionen in Forschung/Technik? Warum nicht Abgase reduzieren durch intelligente Verkehrsführung (zB unterirdische Magistralen wie der Tiergartentunnel) und eine Stadtplanung, die kurze Wege ermöglicht statt einsame Siedlungen auf die grüne Wiese zu setzen? Ich bin nicht gegen den Ausbau des ÖPNV oder von Radwegen (die mir als Autofahrer ja auch Schutz vor Unfällen gewährleisten). Ich bin aber sehr wohl gegen diese unerträglich messianischen Radfahrpredigten, die an der Lebensrealität Vieler vorbeigehen. Bitte aufhören mit der Volkserziehung, sondern gleichberechtige Interessen bedarfsgerecht behandeln!
    1. von Stefan Müller
      Antwort auf den Beitrag von Nadine M Helmer 27.08.2019, 08:45:50
      Mir kommt es mittlerweile zu den Ohren raus: Autos sind der Heilsbringer und nur mit dem Auto verwirklicht der Stadtmensch sein Dasein.
      Wir haben 2 Kinder im Grundschulalter und kommen ganz gut ohne Auto klar. Und ja, auch wir müssen Lebensmitel einkaufen und die KInder besuchen die eine oder andere AG am Nachmittag. Achso, natürlich LEBEN wir in der Stadt.
      Solange es solche genervten Mitbüger wie Sie gibt, obwohl sich noch nichts verändert hat, muss es solche Beiträge geben. Es gibt ja im Tagesspielgel genug gegenteilige Beiträge. Das nennt man Meinungsvielfalt.

      Nun zum Inhalt. Keiner will morgen das Auto abschafen. Es fahren nur zu viele rum. Es müssen weniger werden. Stellen Sie sich mal vor, wenn in diesem Jahr 10% der Autofaher umteigen? Das sollte keinen der 10% Freiwilligen wesentlich einschränken. Und stellen Sie sich mal vor, dass 10% der Nicht-Autofahrer morgen Auto fahren? Nichts ist in Beton gegossen.
    2. von Frank Fidorra
      Antwort auf den Beitrag von Stefan Müller 27.08.2019, 10:05:55
      Ich finde auch: "Es müssen weniger werden."

      Allerdings ist der ÖPNV vielfach schon an Kapazitätsgrenzen angekommen. Nicht jeder will Fahrrad fahren.

      Ich finde, das Thema Car-Sharing verdient in dieser Diskussion mehr Beachtung. Von allem in innerstädtischen Bereichen kann das ein attraktives Gegenangebot zum eigenen Auto sein.
    3. von Nadine M Helmer
      Antwort auf den Beitrag von Stefan Müller 27.08.2019, 10:05:55
      Genau, nichts ist in Beton gegossen. Ich bin nicht genervt, weil ich das Auto als Heilsbringer sehe, sondern mir gehts eben auf den Keks, dass man statt auf ein Miteinander zu setzen die einen gegen die anderen Verkehrsteilnehmer ausspielt.
      Sie kommen ohne Auto klar. Ich kam auch lange ohne Auto klar. Aber manchmal ändern sich Lebensumstände, Arbeitsplätze, Interessen etc. Wir können nie vom eigenen Alltag, von eigenen Bedürfnissen auf die Anderer schließen. Ich kann und will nicht für andere entscheiden, ob der ein Auto braucht oder haben darf.
    4. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Nadine M Helmer 27.08.2019, 11:25:57
      "Ich kann und will nicht für andere entscheiden, ob der ein Auto braucht oder haben darf"

      Richtig. Es ist aber das Recht jeden Bürgers einer Stadt zu fordern, dass diejenigen, die ein Auto besitzen, damit verantwortungsvoll umgehen. Mehrere Stunden kostenlos 12m² Platz im öffentlichen Raum zu beanspruchen gehört nicht dazu. Ich kann und will nicht für andere entscheiden, ob der ein Auto braucht oder haben darf. Aber ich kann und darf fordern, dass dieser öffentliche Raum einen Preis hat. Wenn der oder die BesitzerIn des Kfz das nicht zahlen will und den Wagen daraufhin stehen lässt, ist das die Entscheidung des Einzelnen. Und von dieser Entscheidung profitieren dann wiederum alle anderen, die schneller vorankommen - insbesondere die Wirtschaft, die ihre Lebensmittel in den Supermarkt bekommt, der ÖPNV, der die Menschen zu den Arbeitsplätzen bringt und die Leute, die ihr Auto tatsächlich brauchen, weil sie viel schneller voran kommen und ihnen 50% weniger Blech im Weg steht.
    5. von Nadine M Helmer
      Antwort auf den Beitrag von Roland Hauschulz 28.08.2019, 11:31:51
      Ich habe nichts gegen Parkgebühren; ich zahle auch (zugegebenermaßen wenig) Geld für einen Anwohnerausweis. Trotzdem erlaube ich mir die augenzwinkernde Anmerkung, dass ein Fahrrad wohl auch ein Großteil des Tages rumsteht und auch öffentlichen Raum einnimmt - so anderthalb Quadratmeter? Bepreisen wir das auch - zumal oft genug Fußgänger auf Gehwegen behindert werden?
    6. von Roland Hauschulz
      Antwort auf den Beitrag von Nadine M Helmer 28.08.2019, 12:59:54
      Das ist richtig, allerdings muss ich den Auge zwinkerndes Kommentar erwidern, dass Sie genau wie die allermeisten anderen Leute aufhören sollten, in Rad und Auto zu denken. Ich nutze hauptsächlich die BVG und meine Beine. Und bei Bedarf auch mal Auto oder Rad. Also abgesehen davon, dass der öffentliche Nahverkehr irgendwie immer vergessen wird passt das Bild auch meistens nicht, weil wir wohl alle multimodal sind.