30 Jahre Meinungsfreiheit Dann zieht doch aufs Dorf!

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Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Auch die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels diskutieren mit!

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Verkehr - Kann das Auto weg? "Autopapst" Andreas Keßler verneinte, das Auto sei viel zu erfolgreich. Schauspielerin Liv Lisa Fries forderte dagegen Vorfahrt fürs Fahrrad, Stadtrandbewohner Karl Michael Ortmann verlangte ein Ende der Pendleranarchie, Mobilitätsberater Axel Quanz eine umweltgerechte Stadt –und Pensionär Reinhold Osterhus ein Recht auf die Freiheit, die das Auto bedeutet. Auch die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels haben mitdiskutiert, Forderungen aufgestellt und Ideen aufgeworfen – eine Auswahl.

Das Auto ist Teil des Wirtschaftswunders, ein Stück Freiheit, der größte Arbeitgeber und somit Steuerzahler in Deutschland. Lassen wir uns das wegnehmen? Nein, auf keinen Fall. Jürgen F.

Autobesitzer sollten nicht erwarten können, dass sie ihr Auto kostenlos im gemeinschaftlichen Raum abstellen können.

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Autos stehen durchschnittlich 23 Stunden am Tag. Und wo stehen sie? Auf Bürgersteigen, Grünstreifen, Radfahrspuren, in zweiter Reihe, in Haltestellenbereichen, in Kreuzungsbereichen und natürlich auch an allen Ecken und Seiten, wo das Parken nicht ausdrücklich verboten ist. Das allein wäre schon Grund genug, die Verschandelung unserer Umwelt durch diese Blechmonster zu beenden. Wieso kann ich als Käufer eines Autos selbstverständlich davon ausgehen, dass ich dieses im öffentlichen, gemeinschaftlichen Raum kostenlos abstellen darf? Eckhard Schwarzenberger

Die Pflege älterer Menschen ist derzeit ohne Auto nicht machbar.

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Meine Eltern wohnen am anderen Ende der Stadt und benötigen zunehmend meine Unterstützung. Komme ich da schnell und problemlos hin? Nein, hier benötige ich die doppelte Zeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Vergleich zum Auto. Mit dem Fahrrad meine Eltern unterstützen? Auch da sind die Strecken zu weit und das Fahrrad kann nun mal keine älteren Menschen mitnehmen. Was würde mir helfen, meine Meinung zu überdenken? Vorhandensein von schnell verfügbaren Transportmitteln, schnell verfügbare öffentliche Verkehrsmittel und zwar auch in Außenbezirken und einfach verfügbare Mietwagen, die das eigene Auto für Bedarfssituationen ersetzen könnten. A. Krüger

Mietparkhäuser an S-Bahnstationen würden dazu führen, dass Pendler auf den ÖPNV umsteigen.

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Es braucht Lösungen. Wir Pendler brauchen guten ÖPNV, Stellplätze für unsere Autos, Räder usw. Gern sogar Mietparkhäuser an der S-Bahnstation. Ich bin bereit für den Tagesparkplatz zu zahlen! Ich würde gern umsteigen, aber nicht bei einem 60-min-Takt und einer Linie, die 300 km durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gondelt und dabei entsprechend oft gestört ist und man nie einen Sitzplatz findet. In dieser Debatte werden reißerische Fragen gestellt und so ein Keil zwischen alle und jeden getrieben. Da wird auch wieder der Pendler hingestellt als sei er das personifizierte Böse. Sind wir nicht. Wir gehen nur arbeiten. Annekatrin Westphal

Es sind Kindheitserinnerungen an kalte, dunkle Nächte, in denen ich zu Fuß nach Hause laufen musste, an lange Schulwege auf dem Land, an beschwerliche Einkäufe zu einer Zeit, als ich noch kein Auto hatte, die mich daran erinnern, wie gut es mir mit dem Auto geht. Denn ich lebe im Außenbezirk. Hier gibt es so gut wie keine Alternative zum Auto. Und wer das Auto abschaffen will, sollte erstmal dafür sorgen, dass es überall ein gutes, attraktives, sauberes und bequemes Angebot im öffentlichen Nahverkehr gibt. Ulrike Sommer

Auf jeder popeligen Messe gibt es Park & Ride Parkplätze, warum nicht in den Städten? In Amsterdam lässt man sein Auto vor der Stadt stehen und fährt mit der S-Bahn in die City, weil die wenigsten 80 Euro für ein Parkticket ausgeben möchten und auf dem Pendlerparkplatz steht man kostenlos. Ich verstehe nicht, warum sowas in Deutschland nicht möglich ist. Stefan  Mandler

Wenn es vier Fahrspuren gibt, sollte mindestens eine ausschließlich für Fahrradfahrer sein.

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Fahrrad gegen Auto- das ist doch hier nicht die Frage! Das Auto ist auf dem Land völlig unverzichtbar, so gern das die Städter vergessen. Aber in den Städten gibt es auf fast allen Straßen zwei Park- und zwei Fahrspuren für Autos: Warum? Muss das so bleiben? Eine von den vier Spuren könnte für den Radverkehr umgewidmet werden, dann wird Parkplatzsuche zum Wahnsinn und Umsteigen leichter :-) Thomas Kramer

Mir kommt es mittlerweile zu den Ohren raus: Autos sind der Teufel und nur auf dem Fahrrad soll der Stadtmensch sein Dasein verwirklichen können. Himmel, dann zieht doch aufs Dorf. Eine Stadt lebt davon, dass Menschen und Waren mobil sind. Individualverkehr hat unschlagbare Vorteile: wetterunabhängig, zielgenau, ungemein komfortabel. Warum setzen wir nicht verstärkt darauf, dieses Konzept so umweltfreundlich wie möglich zu machen, durch Investitionen in Forschung und Technik? Warum nicht Abgase reduzieren durch intelligente Verkehrsführung und eine Stadtplanung, die kurze Wege ermöglicht, statt einsame Siedlungen auf grüne Wiesen zu setzen? Nadine M. Helmer

Es gab eine Zeit da, war Rauchen nicht schädlich, Schnaps am Sonntagmorgen kein Zeichen einer beginnenden Alkoholkrankheit und Autofahren die irrige, aber weit verbreitete Auffassung von persönlicher Freiheit. Wer heute dafür plädiert, diese Freiheit weiter ausleben zu wollen, ist in meine Augen entweder zu blöde oder zu egoistisch, um zu erkennen, dass jeder eine Verantwortung hat für den Planeten, auf dem wir wohnen. Die Verantwortung, dass unsere Enkel und deren Kinder hier auch noch einen Raum zum Leben haben. Wem als Alternative zum Autofahren nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die Streamingdienste oder Telekommunikation einfällt, kann Transportmittel offenbar nicht von Unterhaltung und Kommunikation unterscheiden. Aber was will man erwarten von jemanden, dessen bester Freund ein Haufen Blech ist? Stephan Sack

Die Diskussion für oder gegen den Autoverkehr leider unter der Vermischung von sachlichen und emotionalen Argumenten.

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Die Diskussion für oder gegen den Autoverkehr leidet unter der konsequenten Vermischung objektiv-sachlicher versus emotional-subjektiver Argumente. Liv Lisa Fries möchte Autos zu Schrittgeschwindigkeit zwingen, um ungestört das Fahrradfahren genießen zu können. Herr Osterhus besteht auf seine 45.000 km im Jahr, weil er meint, darauf ein Anrecht als moralische Belohnung für seine erfolg- und segensreiche Biografie zu haben. Georg Sollböhmer

 

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Tumtrah Sberk
    In Deutschland wird gern das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Da geht gern etwas in die Hose. Das Ganze unter dem Motto "Leben und leben lassen" zu betrachten, etwas weniger Schaum vor dem Mund, täte der ganzen Sache gut. Wer das was ihm jahrzehntelang hilfreich zur Seite stand, nun verteufeln möchte, weiß nicht was er damit anrichtet. Als 80-Jähriger auf das bequeme Auto verzichten und stattdessen mit Fahrrad oder E-scooter den 8 km entfernten Orthopäden aufsuchen -- und das auch noch mit Partner/in?
    Angeblich hat Berlin den besten ÖPNV. Noch vor Paris und Kopenhagen. Kopenhagen? Von der Größe eher wie Neukölln. Was für Vergleiche.