Fake News und Filterbubbles Das Internet mit Technik statt mit Gesetzen retten

Bild von Jennifer Rexford
Professorin Princeton University

Expertise:

Jennifer Rexford ist Professorin an der Princeton University. Dort ist sie für Computerwissenschaften zuständig.

Fake News und einseitige Informationen im Internet bedrohen die Demokratie. Viele fordern nun Gesetze dagegen. Warum sie nicht helfen werden.

Die vergangenen sechs Monate haben eine atemberaubende Anzahl an Beispielen hervorgebracht, wie digitale Medien die Freiheit untergraben können. Von russischen Hackerangriffen auf die Emails der US-Demokraten bis hin zur Verbreitung von Fake News via Social Media fragt man sich hier in den USA, wie viel Einfluss digitale Technologien auf den Wahlkampf ums Weiße Haus hatten. Wir werden wohl nie die ganze Wahrheit erfahren, wissen aber, dass die Einmischung fremder Staaten unser Vertrauen in die Demokratie erschüttern kann. Deutschland, Frankreich und andere europäische Staaten bereiten sich auf Ähnliches vor.

Die Vernetzung über soziale Medien und "intelligente" Geräte hat uns alle angreifbar gemacht.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Angesichts dessen, wie vernetzt wir sind, ist diese Angreifbarkeit überall. Sicher können Emails und Datenmaterial gehackt werden – das war viele Jahre lang die Realität. Aber heute sind die Gefahren nuancierter. Menschen auf der ganzen Welt sind über Social Media miteinander verbunden. Während die traditionellen Medien selber Beiträge produzieren und verbreiten, sind Soziale Medien auf Nutzer angewiesen, um Content zu generieren und zu verbreiten. Daher sind sie einfache  Angriffsziele für Fake News, die leicht in Umlauf gebracht werden können. Wir kaufen „intelligente“ Geräte, wie Kaffeemaschinen oder Thermostate für unseren Komfort, aber lassen somit unbeabsichtigt die Hintertür für Hacker offen, die Zugriff auf private Informationen erhalten und für Unternehmen, die Inhalte individuell auf uns zuschneiden können. Zudem können Geschäftsgeheimnisse von Unternehmen heute deutlich einfacher gestohlen werden, was den freien Markt untergräbt.

Die Manipulation sozialer Medien und die Bildung von Echokammern unterbindet echte Diskussionen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Eine eher versteckte Gefahr für die Freiheit sind vielleicht die geschickten Wege, wie digitale Medien manipuliert werden, um sie zu unterminieren. Fake News sind ein offensichtliches Beispiel, aber heimtückischer sind „Kommunikationssilos“ – dort sind die Nachrichten echt, aber Social Media und Algorithmen von Suchmaschinen stoßen die Menschen auf Nachrichten, denen sie (oder ihre Freunde) sowieso schon zustimmen. Das erzeugt eine Echokammer, in der Glaubenssysteme verstärkt und verhärtet werden und somit intensive Debatten eingestellt werden, bevor sie begonnen haben. Spaltung wächst, Vertrauen in die freie Presse erodiert und wir finden uns in einer „Postwahrheits-Ära“ wieder. Wenn wir keine allgemeingültigen Fakten mehr haben, ist Freiheit tatsächlich gefährdet.

Während Gesetze und Regularien gebraucht werden, um dem Missbrauch von Technik Einhalt zu gebieten, sind vor allem Lösungsansätze von Computerspezialisten gefragt. Sie sind an der Front und kämpfen mit digitalen Lösungen gegen digitalen Missbrauch. Der Schlüssel zur Sicherheit der Internetnutzer ist die Entwicklung von Technologien, die eine viel größere Sichtbarkeit und Kontrolle für das Online-Erlebnis ermöglichen.

Die verstärkte Sichtbarkeit von Missbrauch im Internet steigert das Bewusstsein für die Probleme des Internets.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

In Sachen Sichtbarkeit machen Forscher große Fortschritte: Es gibt Techniken, die Spam-Mails automatisch erkennen, bösartige Internetseiten oder „Bots“, die Cyberangriffe starten können, aufspüren; die Versuche aufdecken, unsere Online-Aktivitäten zu verfolgen und die Inhalte, die wir sehen, ohne unsere explizite Zustimmung zu personalisieren. Es gibt Techniken, die Sicherheitslücken in der Software, die wir täglich verwenden, auffindbar machen und die Internetprovider identifizieren, die manchen Anwendungen Vorrang vor anderen geben. Diese technischen Fortschritte steigern nicht nur das Bewusstsein für die Probleme, sondern führen zu einer besseren Spam-Erkennung, der Abwehr von Cyberangriffen und zu mehr Gerätesicherheit. Provider werden dadurch gedrängt, den Internetverkehr fair zu behandeln.

Andere technische Entwicklungen zielen darauf ab, Internetnutzern eine bessere Kontrolle über ihr Online-Erlebnis zu geben, indem es Usern ermöglicht wird, online auch andere Meinungen zu sehen, sich anonym im Internet zu bewegen, ihren Internetverkehr um Länder, die überwachen, herumzulenken, oder das Abgreifen persönlicher Informationen über Online-Geräte im Haushalt zu stoppen. Den Internetnutzer in den Mittelpunkt zu stellen und ihm Verantwortung zu geben, kann helfen, die wahren Gefahren dessen, was wir online erleben, zu bekämpfen.

Die Probleme des Internets lassen sich am besten technisch bekämpfen.

zustimmen
ablehnen
Ergebnis
Debattenübersicht

Demokratie endet nicht mit einem großen Knall; sie kann eher durch tausend Schnitte zu Tode kommen. Das Internet kam mit dem Heilsversprechen, uns zu verbinden, nicht uns zu spalten. Obwohl Gesetze und Richtlinien wichtig sind, sollten Lösungsansätze, um die Probleme des Internets anzugehen, aus der Tech-Community kommen. Wir müssen Technik mit Technik bekämpfen.

Dieses Thema wird am 20. und 21. März 2017 in Berlin bei der Konferenz Society 3.0+: Can Liberty Survive the Digital Age diskutiert. Jennifer Rexford wird auf der Konferenz sprechen. Weitere Diskutanten sind Vinton Cerf (Google), die ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes, Richard Allan (Facebook), Jeannette Hofmann (WZB) und Gabriella Coleman (McGill University, Internetaktivistin). Programm und Anmeldung unter https://fungforum.princeton.edu/. Auf Twitter können Sie der Konferenz unter #PrincetonFung folgen.

0 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

Diese Community ist nur während der Arbeitszeiten der Tagesspiegel-Community-Redaktion geöffnet. Sie können täglich von sechs bis 21 Uhr Kommentare schreiben.