Flüchtlingslager Tempelhof:Droht Berlin ein Ghetto? Es geht nicht nur um Unterbringung, sondern um Integration

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Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg SPD

Expertise:

Angelika Schöttler ist Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg.

Nicht die Größe der Unterkunft ist entscheidend für das Gelingen, sondern eine funktionierende Infrastruktur, Perspektiven für die Flüchtlinge und Integrations- und Betreuungsmaßnahmen. Der Betreiber der Tempelhofer Unterkunft sorgt mit verschiedenen Angeboten für die Flüchtlinge dafür, dass dort kein Ghetto entsteht.

Tempelhof darf weder Ghetto noch Lager werden. „Lager“ klingt nach vielen Zelten und „Ghetto“ klingt nach Abschottung. Beides ist hier nicht geplant und wäre in der Tat nicht tragbar.

Fakt ist, dass Berlin nicht über genügend Unterkünfte verfügt. Für das Jahr 2016 werden kontinuierlich weitere Unterkünfte benötigt. Zur Zeit schlafen viele Menschen in Sporthallen, die wir dringend für den Vereins- und Schulsport benötigen. Ein weiterer Druckpunkt für weitere Plätze!

Die Flughafengebäude dürfen nur eine Übergangssituation sein, da der Standard für einen Daueraufenthalt zu gering ist

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Für mich steht die menschenwürdige Unterbringung und die Integration der Geflüchteten an vorderster Stelle. Auch die Flughafengebäude dürfen deshalb nur Übergangssituation sein, da der Standard für einen Daueraufenthalt zu gering ist.

Eine Notunterkunft Tempelhof braucht von Anfang an Konzepte für die Integration

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Eine solch große und noch wachsende Flüchtlingseinrichtung wie der Flughafen Tempelhof muss eine geeignete Infrastruktur für den täglichen Bedarf und für medizinische Betreuung, Bildung, Freizeit etc. aufweisen, die die Größe der Einrichtung auffängt. Des Weiteren muss es von Anfang an um Konzepte der Integration gehen.

Schon heute gilt, dass 70 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen sich tagsüber nicht in der Einrichtung aufhalten und in Berlin unterwegs sind, um zum Beispiel zur Schule zu gehen oder Deutschkurse zu besuchen. Es geht hier nicht nur um Unterbringung, sondern um Integration. Die Menschen nehmen das an.

Für den Aufenthalt vor Ort hat der Betreiber TAMAJA verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Des Weiteren ist eine Betreuung durch Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen gewährleistet. Weitere Angebote sind derzeit am Entstehen, für die auch ein Teil der temporären Bauten benötigt werden.

Es geht nicht um die Größe der Unterkunft, sondern um Aufenthaltsdauer, Infrastruktur und Perspektiven der Flüchtlinge

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Mein Fazit: Nicht die Größe der Einrichtung entscheidet über das Gelingen oder Scheitern, sondern die Aufenthaltsdauer, die vorhandene Infrastruktur und die für die geflüchteten Menschen sichtbare Perspektive. Das ist die große Aufgabe, vor der wir stehen und daran werde ich und wird der Bezirk mitwirken

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