Vereinbarkeit Beruf und Familie Ohne Unterstützung durch den Chef wird es schwer

Bild von Christian Ehrmann
Wirtschaftsinformatiker Audi AG

Expertise:

Christian Ehrmann ist Produktionsplaner bei der Audi AG in Ingolstadt. Er ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne (Louis, 2 Jahre, und Niklas, 4 Monate).

Als Mann 13 Monate Elternzeit nehmen - dazu braucht es noch viel Selbstbewusstsein, erinnert sich Christian Ehrmann, Produktionsplaner bei Audi. Aber es lohnt sich - wenn der Arbeitgeber mitspielt. 

Als einziger Vater beim Babyschwimmen, in der Krabbelgruppe allein unter Müttern, im Linienbus das Opfer der ungebetenen Ratschläge älterer Damen: Wer sich als Mann für eine längere Elternzeit entscheidet, der braucht in jedem Fall viel Selbstbewusstsein.

Für mich persönlich war es schon immer der Traum, eine Idealvorstellung, die ich vor zwei Jahren bei unserem ersten Sohn Louis verwirklichen konnte. Meine Frau kehrte neun Monate nach der Geburt in ihren Job als Logistikplanerin bei Audi zurück, und ich blieb dafür 13 Monate lang daheim. Es war mir wichtig, Zeit mit ihm zu verbringen und meine Frau zu entlasten. Als Familie sind wir dadurch viel enger zusammengewachsen.

Erfolg im Job hilft beim nötigen Selbstbewusstsein für die private Auszeit

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Im privaten Umfeld, gerade bei der älteren Generation, stieß meine Entscheidung zunächst jedoch auf Vorbehalte. Nach dem Motto: „Pass auf, dass du damit deiner Karriere nicht schadest. Was sagen denn die in der Arbeit dazu?“ Mir ist meine Karriere durchaus wichtig. Ich bin studierter Wirtschaftsinformatiker und arbeite seit 2003 bei Audi in Ingolstadt. Als Produktionsplaner bin ich für die Konstruktion von Fertigungsanlagen verantwortlich, aktuell zum Beispiel für den neuen Audi Q2. Vor einigen Jahren war ich wegen anderer Projekte auch schon als Expat in China und in Ungarn. Der Erfolg im Job hat sicher dazu beigetragen, das nötige Selbstbewusstsein für die private Auszeit zu entwickeln.

Es braucht die aktive Unterstützung und Akzeptanz seitens des Arbeitgebers 

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Hinzu kommt das Glück, mit Audi bei einem Arbeitgeber gelandet zu sein, der meine persönliche Lebensplanung unterstützt, ohne dass ich Abstriche bei der Karriere befürchten muss. Niemand hat mir Steine in den Weg gelegt. Im Gegenteil. Auf einer Informationsveranstaltung für werdende Eltern hat Audi uns auf die kommende Zeit und unsere Optionen vorbereitet. So wussten wir im Vorfeld gut über unsere rechtlichen Ansprüche Bescheid – und über das, was Audi zusätzlich als Unterstützung anbietet: Zum Beispiel konnte meine Frau während meiner Elternzeit problemlos zwei Mal pro Woche Home Office machen, und inzwischen bringen wir Louis öfter in die flexible Kurzzeitbetreuung für Mitarbeiterkinder. Auch das Personalwesen hat uns vor der Geburt individuell betreut und beraten.

Als ich meinem Chef dann den offiziellen Antrag auf Elternzeit – von August 2014 bis September 2015 – übergab, habe ich ihn sicherheitshalber doch speziell auf die Jahreszahlen hingewiesen. Ein bisschen überrascht war er da schon, aber er hat mich dennoch voll unterstützt. Ein großer Vorteil meines Jobs ist dabei mit Sicherheit, dass ich projektbezogen arbeite. So musste ich meinen Kollegen beim Start meiner Elternzeit keine Baustellen hinterlassen. Auch die Rückkehr in die Arbeit verlief entsprechend problemlos: Nach drei Stunden war ich wieder voll im Einsatz.

Auch der Arbeitgeber profitiert von den Erfahrungen aus der Elternzeit

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Überrascht hat mich, wie stark mich die Zeit zuhause mit Louis verändert hat. Und welche Lehren ich daraus auch für meinen Job ziehen konnte. Vorher war ich oft etwas hektisch unterwegs, hatte viele Dinge parallel in der Mache. Doch wer ein Jahr lang für ein Kleinkind verantwortlich ist, der lernt schnell, dass Hektik nur ins völlige Chaos führt. Deshalb hieß es mit ihm, alle Aktivitäten gründlich im Voraus zu planen und eins nach dem anderen in Ruhe anzugehen. So kam ich meist viel schneller und einfacher ans Ziel. Diese Einstellung habe ich seit meiner Rückkehr zu Audi auch auf die Arbeit übertragen. Ich merke, dass ich dadurch viel fokussierter und gelassener geworden bin. Das wirkt sich, denke ich, durchaus positiv auf das Ergebnis meiner Arbeit aus. So haben am Ende nicht nur meine Familie und ich von meiner Elternzeit profitiert, sondern bestimmt auch Audi.

Ab August bleibe ich übrigens wieder für rund ein Jahr zuhause. Unser zweiter Sohn Niklas ist im Oktober geboren. Ich bin schon sehr gespannt, wie ich das Familienleben mit zwei Jungs organisiert kriege.

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