PrEp muss schnellstmöglich zur Verfügung stehen Was wirkt, muss zur Anwendung kommen

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Pressesprecher Deutsche Aids-Hilfe

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Holger Wicht ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe

Die PrEP wird ein ein selbstverständlicher Teil der HIV-Prävention werden und Safer Sex wird vielfältiger. Dafür müssen allerdings die Preise sinken. 

Mit der medikamentösen Prophylaxe gegen HIV gewinnen wir eine weitere Möglichkeit HIV-Infektionen zu verhindern. Sie kann überall dort greifen, wo Menschen ein besonders hohes HIV-Risiko haben. In Südafrika hat man zum Beispiel gerade begonnen, sie Sexarbeiterinnen anzubieten. In Deutschland kommt die PrEP vor allem für schwule Männern mit einem besonders hohen HIV-Risiko in Betracht. Mit anderen Worten: Menschen, die sich sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit infizieren würden, können davor bewahrt werden. Das ist eine gute Nachricht.

Zugleich löst die PrEP Bedenken aus. Warum greifen die Menschen nicht einfach zum Gummi? Könnte die medikamentöse Vorbeugung dazu führen, dass insgesamt weniger Menschen Kondome verwenden? Wird ein solcher Verzicht zu einer stärkeren Verbreitung von anderen Geschlechtskrankheiten führen? Und was ist mit den Kosten?

Kondome bleiben die einfachste Möglichkeit, sich zu schützen

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Was die PrEP sein kann, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sich vor Augen führt, was sie nicht ist. Zunächst einmal ist die prophylaktische Einnahme von Medikamenten sicher nichts für die breite Bevölkerung oder die Mehrheit der schwulen Männer in Deutschland. Kondome bleiben für die meisten die einfachste Möglichkeit, sich vor HIV zu schützen, und sie reduzieren zudem das Risiko anderer Geschlechtskrankheiten.

Die wenigsten Menschen werden, zweitens, über Jahre eine Prophylaxe einnehmen. Die PrEP wird in bestimmten Lebensphasen zum Einsatz kommen, zum Beispiel wenn Menschen sexuell besonders aktiv sind.

Die PrEP ist, drittens, kein Ausdruck von Leichtsinn oder dem Unwillen, sich zu schützen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer bereit ist, regelmäßig Medikamente einzunehmen, will sich schützen. Das zu leugnen, wird der Sache nicht gerecht.

Schutz mit Kondomen gelingt nicht immer

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Wahr ist: Sexualität gehört zum Leben. Menschen haben sehr verschiedene sexuelle Bedürfnisse. Nicht jedem gelingt es dabei immer, sich mit Kondomen zu schützen. Die Gründe sind vielfältig: Generell ist menschliches Verhalten nicht immer rational gesteuert – schon gar nicht beim Sex. Denn hier sind naturgemäß starke Gefühle im Spiel: Leidenschaft und Ängste. Wer wollte für sich in Anspruch nehmen, beim Sex immer so gehandelt zu haben wie geplant?

Es gibt weitere Faktoren, die den Kondomgebrauch erschweren können. Alkohol- und Drogenkonsum gehören dazu. Sie sind weder ein Randphänomen, noch ein schwules. Aber schwule Männer haben ein bedeutend höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Zudem belegen Studien: Diskriminierungserfahrungen können nicht nur zu mehr Alkohol- und Drogenkonsum führen, sondern auch die Fähigkeit schwächen, sich zu schützen. Manche Männer haben außerdem mit Erektionsstörungen zu kämpfen, wenn Kondome ins Spiel kommen.

Aus was für Gründen auch immer: Wenn zum Beispiel ein schwuler Mann häufiger Sex ohne Kondom hat, dann ist die PrEP eine gute Möglichkeit, für Schutz zu sorgen. Wir können nun auch denen etwas anbieten, die sich ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann mit HIV infizieren würden.

Die PrEP muss schnellstmöglichst zur Verfügung stehen 

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Das ist nicht nur gut für diese Menschen, sondern spart auch Therapiekosten. Nicht umsonst sprechen sich die WHO und die medizinischen Fachgesellschaften – die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter – schon lange für die PrEP aus.

Mit anderen Worten: Wir reden von einer relativ kleinen Nutzergruppe, einem begrenzten Zeitraum und einem großen Nutzen. Wenn die PrEP im Herbst von der EU-Kommission zugelassen wird, müssen wir sie darum möglichst rasch allen zur Verfügung stellen, denen sie helfen kann, HIV-negativ zu bleiben. Auf welchem Wege sie finanziert wird, ist zurzeit noch offen. Sollte der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen (G-BA) entscheiden, dass die Kassen für die PrEP nicht zahlen, brauchen wir alternative Finanzierungsmodelle. Denn wir können es uns nicht leisten, auf wirksame Präventionsmittel zu verzichten.

Die Preise der HIV-Prävention werden sinken 

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Dabei ist klar: Bei der PrEP stehen wir noch ganz am Anfang. Im Frühjahr nächsten Jahres läuft voraussichtlich das Patent des Medikaments Truvada ab, das zurzeit für die PrEP genutzt wird. Generika-Hersteller können es dann preisgünstiger anbieten. Der Truvada-Hersteller Gilead sollte jetzt selbst mit gutem Beispiel vorangehen und den Preis senken. Denn 840 Euro sind für die Prävention einfach zu teuer. In der Herstellung sind die Substanzen billig, die Monatspackung müsste keine 25 Euro kosten.

In absehbarer Zeit werden weitere Medikamente zur Verfügung stehen, in Pillenform, als Monatsspritze oder sogar als Implantat, das den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum freisetzt. Es wird außerdem Vaginalringe und Gels geben, die eine HIV-Infektion verhindern können. Wir werden vielfältige Möglichkeiten haben und die Preise werden sinken. Die PrEP wird zu einem festen Bestandteil der HIV-Prävention werden.

Safer Sex wird vielfältiger

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Safer Sex verliert deswegen nicht an Bedeutung, sondern ist einfach vielfältiger geworden. Schon lange ist klar: HIV-Medikamente schützen zuverlässig vor einer HIV-Übertragung – ob nun als Therapie eines HIV-positiven Menschen oder vorbeugend. Diese Möglichkeit wird genutzt werden – und das ist gut so.

Was aber ist mit den anderen Geschlechtskrankheiten? Werden sie zunehmen? Es ist natürlich wahr: Eine PrEP schützt nur vor HIV. Kondome reduzieren zusätzlich das Risiko anderer sexuell übertragbarer Infektionen. Das deutlich zu machen, gehört zur Präventionsarbeit selbstverständlich dazu. Ebenso der Hinweis, dass man sich regelmäßig auf andere Infektionen testen und gegebenenfalls behandeln lassen sollte. Denn wir sprechen hier von gut behandelbaren Infektionen.

Bei der PrEP geht es aber ja vorrangig um Menschen, die ohnehin häufig auf Kondome verzichten. Im Vordergrund steht hier das ohne Zweifel wichtigste Ziel: HIV-Infektionen zu verhindern.

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