Kann PrEP HIV verhindern?  PrEP muss zu einem Baustein der HIV-Vorsorge werden

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Bundesvorstand, Lesben- und Schwulenverband Deutschland

Expertise:

Axel Blumenthal ist Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverband Deutschland.

Das Kondom schützt Risikogruppen vor HIV - aber nur bedingt. Die PrEP Therapie ist deshalb ein notwendiger Schritt im Kampf gegen HIV. 

Nach dem die Europäische Arzneimittelbehörde am 22. Juli diesen Jahres die Zulassung von Truvada als PrEP für Personen mit hohem HIV-Risiko empfohlen hat, ist die Europäische Kommission dieser Empfehlung am 23. August gefolgt. Auch auf nationaler Ebene haben sich die Fachgesellschaften in Deutschland einheitlich dafür ausgesprochen, die PrEP als einen weiteren Baustein der HIV-Prävention zuzulassen. Damit ist klar: die PrEP wird kommen.

Viele der Diskussionen, die zum Thema Safer Sex und HIV-Prävention derzeit innerhalb der schwulen Community geführt werden, erinnern an Grundsatzdiskussionen, bei denen es nur einen richtigen Weg geben kann. Diese Herangehensweise ist aus Sicht des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) unsinnig und nicht hilfreich.

Das Kondom ist und bleibt eine Barriere beim Sex 

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In den 1980er Jahren stand als einziges Mittel zur Vermeidung einer HIV-Übertragung beim Sex das Kondom zur Verfügung. Während schwule Männer die Erfahrung machten, dass rings um sie herum ihre Freunde und Partner starben, mussten sie sich gleichzeitig mit dem Kondom „anfreunden“, in Wirklichkeit aber eher „abfinden“. Zu behaupten, dass daraus eine innige Freundschaft wurde, wäre absoluter Unsinn.

Viele schwule Männer nutzen es seitdem. Einige tun das konsequent (Und JA: ich finde, das IST eine Leistung!), einige tun das nicht konsequent (und NEIN, das ist nicht gleich ein Scheitern oder Versagen, sondern schlicht und ergreifend menschlich), wieder andere kommen gar nicht mit Kondomen klar. Denn ein Kondom ist und bleibt beim Sex eine Barriere.

Das Kondom holt Themen wie "Krankheit" und "Risiko" mitten in die Intimsphäre hinein

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Für viele ist das kein Problem: Sie schätzen die Tatsache, dass Kondome nicht nur einen effektiven Schutz gegen HIV bieten, sondern auch die Übertragungswahrscheinlichkeit anderer sexuell übertragbarer Infektionen verringern. Für andere bleiben Kondome ein Problem.

Es erfordert, dass man den Kopf einschaltet, wenn man sich eigentlich gehen lassen möchte. Es verringert die Empfindlichkeit. Es engt ein. Es erfordert eine gewisse Übung in der Anwendung. Und es konterkariert Verschmelzungswünsche und holt Themen wie „Krankheit“ und „Risiko“ mitten in die Intimsphäre hinein.

Bei manchen Männern verursachen Kondome Erektionsstörungen oder sie können aufgrund von Infektionsängsten überhaupt keine entspannte Sexualität erleben. Und last – but not least – Kondome können selbstverständlich auch platzen.

Mittlerweile gilt: Es gibt neben dem Kondom auch andere Wege sich, oder seine Partner vor HIV zu schützen. Gesichert ist, dass „Schutz durch Therapie“ wirkt: Studien belegen zweifelsfrei, dass es beim Sex zu keiner Infektion kommen kann, wenn der positive Partner eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat. HIV-Infizierte können damit zum Schutz ihrer negativen Partner beitragen.

Die Post-Expositionsprophylaxe (PEP) ist für HIV-Negative ein Weg, um sich etwa im Falle einer Kondompanne im Nachhinein doch noch schützen zu können.

Das Risiko anderer Geschlechtskrankheiten ist kein Argument gegen PrEP

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Die kürzlich publizierten und wissenschaftlich überzeugenden Ergebnisse belegen nun, dass die PrEP als ein weiteres hochwirksames Instrument eine neue Chance für die HIV-Prävention darstellt. Mit ihr können HIV-Negative ihr Infektionsrisiko deutlich reduzieren. Infektionsketten zwischen Personen mit hohem HIV-Infektionsrisiko, für die die anderen Methoden aus den oben genannten Gründen nicht in Betracht kommen, werden unterbrochen. Insbesondere die anlassbezogene PrEP steht in einem guten Kosten/Nutzen-Verhältnis im Kontrast zu den Kosten einer jahrzehntelangen antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion. Dennoch stellen die zu hohen Kosten für Truvada ein erhebliches Hindernis für eine breite Einführung der PrEP dar. Hierfür müssen Lösungen gesucht werden.

Als Argument gegen die PrEP wird oft ins Feld geführt, dass Truvada eben nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützt. Das ist korrekt, postuliert aber fälschlicherweise, dass kondomloser Sex nur im Rahmen einer PrEP stattfinden würde. Das ist statistisch unhaltbar. Mit der PrEP besteht nun aber die Möglichkeit, sich bei kondomlosem Sex zumindest gegen HIV zuverlässig zu schützen.

PrEP muss von geschultem medizinischen Personal durchgeführt werden. 

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Für eine gezielte und sinnvolle Anwendung bei Personen mit erhöhtem HIV-Risiko – und nur für solche kommt diese Methode in Betracht –, sollte die PrEP von entsprechend qualifizierten und geschulten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden. Notwendig sind eine kontinuierliche medizinische Begleitung und intensive Kontrolluntersuchungen in Bezug auf Nebenwirkungen, regelmäßige HIV-AK-Testungen und STI-Testangebote mit intensiver medizinischer Aufklärung sowie Beratung.

Durch eine derartige Verknüpfung von Angeboten könnte die PrEP zu einem weiteren sinnvollen Baustein im Gesamtkonzept der bundesdeutschen HIV-Prävention werden und gleichzeitig zur STI-Prävention beitragen.

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