Deutschlands digitale Infrastruktur ​Mit einem Technologiemix zum nächsten Breitbandziel

Bild von Bernhard Rohleder
Hauptgeschäftsführer Bitkom

Expertise:

Dr. Bernhard Rohleder ist Bitkom-Hauptgeschäftsführer. Zudem ist er Mitglied des Beirats des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Divsi) und der Jury des Gründerpreises „Made in.de“. Er vertritt die Branche unter anderem in den einschlägigen Gremien des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und im CeBIT-Messeausschuss.

Deutschland sollte sich vor theoretischen Debatten hüten. Gelingen kann der Breitbandausbau mit einem Mix aus Mobilfunk und TV-Kabel, Glasfaser und Kupfer.

Ein flächendeckendes Breitbandnetz ist zentral für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft

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Die Zukunft der Wirtschaft ist digital. Das bedeutet aber auch: alles Nicht-Digitale wird über kurz oder lang verschwinden oder ein Nischendasein fristen. Wenn wir bei der digitalen Transformation unserer Wirtschaft erfolgreich sein wollen, und das müssen wir, sind Breitbandnetze eine grundlegende Voraussetzung. Ein flächendeckendes Breitbandnetz ist zentral für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und für die Teilhabe jedes Einzelnen an der digitalen Gesellschaft. Digitale Innovationen wie selbstfahrende Autos, telemedizinische Anwendungen oder die digitale Fabrik können den Sprung in die Praxis nur schaffen, wenn die entsprechenden Netze bereitstehen. Wir brauchen schnelle Netze, stabile Netze, sichere Netze. Und da sind wir in Deutschland auf einem guten Weg.

Ein sichtbares Zeichen dafür: In diesem Jahr ist es im Rekordtempo gelungen, bislang für den Rundfunk genutzte Frequenzen für den Mobilfunk zu erschließen. Die Versteigerung der 700-Mhz-Mobilfunkfrequenzen ist ein ganz entscheidender Schritt zum Aufbau eines deutschlandweiten mobilen Superbreitbandnetzes. Hier sind wir Vorreiter in Europa. Damit schaffen wir nicht nur die technischen Voraussetzungen für neue, innovative Anwendungen, sondern bringen zusätzliche Übertragungskapazitäten in die Fläche. Wichtig ist jetzt, dass die Frequenzen, für die die Netzbetreiber gerade mehr als 5,1 Milliarden Euro gezahlt haben, auch rasch freigemacht werden. Nur so können sie für den Mobilfunk genutzt und Verbrauchern und Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Die Grundlage für schnelles Breitband bildet allerdings das Festnetz. Seit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes im Jahr 1998 haben die Netzbetreiber weit mehr als 100 Milliarden Euro in den Netzausbau investiert. Eine gigantische Summe, wenn man bedenkt, dass diese Ausgaben in den letzten Jahren bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen gestemmt werden mussten. Denn günstige Gesprächsminuten und immer umfangreichere Flatrates für Telefonate, Kurznachrichten und Datenübertragung freuen die Nutzer, setzen aber die Anbieter unter starken wirtschaftlichen Druck. 

Die Breitband-Versorgung muss lückenlos sein, auch in schwer erschließbaren Regionen wie Uckermark oder Bayrischem Wald

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Die Herausforderungen bleiben trotz dieser Anstrengungen groß – denn ein Flächenland wie die Bundesrepublik mit Regionen wie der Uckermark oder dem Bayrischen Wald lässt sich nicht ganz so einfach lückenlos mit Breitband versorgen wie etwa Singapur. Deshalb begrüßen wir auch, dass der Bund bis 2018 gut 2 Milliarden Euro für den Breitbandausbau bereitstellen will. Diese Förderung trägt dazu bei, weiße Flecken in ländlichen Regionen zu schließen, in denen der Breitbandausbau wirtschaftlich nicht möglich ist. Dabei ist darauf zu achten, dass die Fördervorhaben technologie- und anbieterneutral sind. Es darf keine Entwertung bereits getätigter oder geplanter Investitionen geben, denn sonst haben wir am Ende nicht eine bessere Breitbandversorgung, sondern womöglich eine schlechtere. Es geht darum, dass Politik und Wirtschaft bei der Breitbandversorgung Hand in Hand arbeiten. Für diese Zusammenarbeit ist der Nationale IT-Gipfel, der im November in Berlin stattfand, ein ganz wichtiger Ort. In diesem Rahmen wurde die allererste Breitbandstrategie der Bundesregierung erarbeitet, hier diskutieren Anbieter, Anwender, Wissenschaftler und nicht zuletzt Politiker über Anforderungen an den Mobilfunk der Zukunft.

Wir sollten uns vor theoretischen Technologie-Debatten hüten

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Wovor wir uns hüten sollten, ist eine eher theoretische Debatte um die allerbeste Technologie beim Breitbandausbau zu führen. Wir neigen dazu, schnell akademisch zu werden und die Realitäten zu verkennen. Glasfaser ist die schnellste Technologie, aber auch die teuerste und die, die am längsten brauchen würde, wenn wir sie flächendeckend ausrollen wollten. Das ist die Wahrheit, die man den Bürgern auch sagen muss. Denn sie wollen schnelles, stabiles und auch bezahlbares Breitband jetzt – nicht erst in 15 Jahren.

Schnelles, bezahlbares Breitband kann mit Mix aus Mobilfunk und TV-Kabel, Glasfaser und Kupfer gelingen

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Gelingen kann dies mit einem Technologiemix. Einem Mix aus Mobilfunk und TV-Kabel, einem Mix aus Glasfaser und Kupfer. Was gerne vergessen wird: Auch beim Vectoring, mit dem die DSL-Kupfernetze schneller werden, wird Glasfaser verlegt. Nur noch nicht bis in die Häuser, sondern bis zu den grauen Verzweigerkästen, die wir in den Straßen kennen. Damit legen wir die Grundlage für den weiteren Glasfaserausbau der Zukunft. Ohnehin sollte eines klar sein: Das Breitbandziel der Bundesregierung von 50 Mbit/s flächendeckend bis 2018 ist ambitioniert, aber nur ein Etappenziel auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Der Breitbandausbau ist ein dauerhaftes Projekt, bei dem es keinen festen Zielpunkt gibt. Es ist – wie man so schön sagt – ein Moving Target.

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