Die junge Generation muss die Meinungsfreiheit verteidigen! Stille ist gefährlicher als das Argument des Gegners

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Schülerin

Expertise:

Emma de Bourdeille, 15, ist Schülerin und Bundessiegerin bei Jugend debattiert.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Diskutieren Sie mit! Ausgewählte Leser*innenkommentare werden veröffentlicht.

Zehn Debatten in zehn Wochen. Diese Woche: Meinungsfreiheit „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?“ Der Schülerin Emma de Bourdeille wird ihre eigene Ansicht immer erst durch die Gegenposition des Kontrahenten vor Augen geführt.

Meinungsfreiheit - ein Menschenrecht, festgeschrieben im fünften Artikel unseres Grundgesetzes. Durch meine Teilnahme bei „Jugend debattiert“ habe ich erfahren, wie wichtig es für eine lebendige Demokratie ist, kontrovers zu diskutieren und zu debattieren. Es ist erst die Gegenposition, die mir meine eigene Ansicht vor Augen führt, sie prüft und anzweifelt. Der Kontrahent stachelt mich an, meine Meinung mit Argumenten und Beispielen zu belegen, sie zu verteidigen und zu überdenken. Wobei ich gerade das Überdenken und das Infragestellen wichtig finde. Denn im echten Leben kommt es darauf an, Kompromisse zu finden. 

Die Gegenposition des Kontrahenten ist wichtig, um die eigene Ansicht zu stärken.

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Wann hört die Meinungsfreiheit auf, wann fängt die Beleidigung an? Selbstverständlich gibt es Grenzen: Äußerungen dürfen nicht gegen unsere Verfassung verstoßen. Doch wenn man sich dieser Grenzen bewusst ist, sollte jeder das große Feld der Debatte bis zum Rande ausnutzen und von seinem Recht, die Meinung frei und in jeglicher Form zu äußern, Gebrauch machen. Oft blickt einen ein Gedanke noch mal ganz anders an, wenn er, nachdem er artikuliert und ausformuliert ist, seine Wirkung entfaltet.

Das große Feld der Meinungsfreiheit sollte bis zum Rand genutzt werden.

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Bis vor wenigen Jahren habe ich mich oft, nachdem ich ein besonders einleuchtendes oder vermeintlich schwer zu widerlegendes Argument gehört hatte, gefragt, was ich darauf erwidern würde. Ich wurde von der Schlagfertigkeit mancher Personen und der Vielzahl von unterschiedlichen Blickwinkeln überrascht. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, es gebe fast nichts, auf das man nichts erwidern kann und fast immer etwas, das in sich nicht stimmig ist. Dass wir hier im Rechtsstaat Deutschland unsere Meinung frei sagen können, ist ein Privileg, welches wir und vielleicht gerade meine Generation, nicht mehr richtig wertschätzen, weil es für uns alltäglich geworden ist. Zwar sollte die Meinungsfreiheit eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, doch de facto ist sie es nicht. Manipulierte Wahlen, Zensur, das Mundtotmachen derer, die die „falschen“ Ansichten haben, sind keine Seltenheit in der heutigen Zeit. Und auch Deutschland ist nicht seit Anbeginn der Zeit ein demokratisches Vorzeigeland, das Pluralismus und Kontroversen begrüßt.

Der Rechtsstaat wird von jüngeren Generationen oft kaum noch wertgeschätzt. 

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Monarchien, Diktaturen, zwei Weltkriege, – und 30 Jahre ist es erst her, dass die Mauer gefallen ist. 30 Jahre – das sind doppelt so viele Jahre, wie ich alt bin. Für mich ist das unglaublich weit weg, so viel ich auch in Geschichtsbüchern lese, mich mit Eltern und Großeltern darüber unterhalte. Dass Deutschland und Berlin mehr als 28 Jahre von einer Mauer geteilt waren und Meinungsfreiheit nicht selbstverständlich war, ist für mich schlecht vorstellbar.

Andere Generationen haben dafür gekämpft, dass es die Meinungsfreiheit gibt, meine Generation muss dafür kämpfen, dass sie weiter besteht. Gerade in Zeiten der Digitalisierung tun sich neue Probleme auf. Wie unterbindet man Aussagen, die aufgrund ihres verfassungswidrigen Inhalts nicht unter dem Schutz der Meinungsfreiheit stehen und im Deckmantel der Anonymität im Internet vermehrt geäußert werden? Wir müssen die Meinungsfreiheit in der digitalen Welt so neu interpretieren, dass sie es mit der Komplexität des Internets aufnehmen kann. 

Die Meinungsfreiheit muss neu interpretiert werden, damit sie es mit der Komplexität des Internets aufnehmen kann.

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Auf der anderen Seite muss man immer weiter im Dialog bleiben, keine Themen tabuisieren, sondern alles muss immer wieder neu ausgehandelt und diskutiert werden. Das sollte und darf nicht an Hemmschwellen in unserer Gesellschaft scheitern. Denn das was wirklich gefährlich ist, ist nicht das Argument des Gegners, sondern wenn es gar keine Debatte gibt und man in einer Form der Sprachlosigkeit gefangen ist.

Weitere Materialen zum Thema finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

In der ersten Woche unserer Debattenserie ging es um "Verkehr - Kann das Auto weg?". Alle Beiträge zu dieser Debatte finden Sie hier. Danach stellten wir die Frage: Darf man noch Fleisch essen? Hier sind die Beiträge zum Nachlesen. In der dritten Woche schrieben verschiedene Gastautor*innen Kommentare zu der Frage: "Wie weiter zwischen den Geschlechtern?" Die Beiträge lesen Sie hier. Und in der vierten Woche wurde zu der Frage debattiert: "Wie viel Computer braucht der Mensch?". Lesen Sie die verschiedenen Meinungen hier. Die Meinungen der Autor*innen zur Frage "Was ist Heimat?" lesen Sie hier. Alle Beiträge zur Debatte "Was ist uns das Klima wert?" finden Sie hier. Die Artikel zum Thema "Wie bleibt Wohnen bezahlbar?" können Sie hier nachlesen. In der Debattenserie zum Thema Glaube war die Frage: "Wie viel Religion braucht Deutschland?" - die Antworten lesen Sie hier

1 Kommentar - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Eckhardt Kiwitt, Freising
    Zu der These "Meinungsfreiheit in der digitalen Welt neu interpretieren ..."

    Wenn mich jemand im Internet (oder auch außerhalb) beschimpft, beleidigt oder dgl., dann lade ich ihn ein, dies mit mir zu diskutieren, mir seine Position näher zu erläutern und sie zu untermauern weil ich sie verstehen möchte, schlage ihm vor, dass wir uns dazu ggf. in einem Wirtshaus auf ein gemütliches Gespräch treffen.

    Eckhardt Kiwitt, Freising