30 JAHRE MEINUNGSFREIHEIT Hat die Wurst ein Ende?

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Leserinnen und Leser des Tagesspiegels nahmen auf Causa, Facebook, Twitter und über E-Mail an unserer Debatte teil.

Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen. Unter diesem Motto feiern der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit. Auch die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels diskutieren mit!

Am Montag beantwortete Schriftstellerin Hilal Sezgin die Frage mit Nein, auch vegetarisch ist ihr nicht tierfrei genug. Gastronom Boris Radczun schrieb dagegen am Dienstag, dass für ihn Fleischessen zum Leben dazugehöre. Biobauer Jochen Fritz forderte nicht nur mehr Respekt für die Tiere, sondern auch für Bäuerinnen und Bauer. Veganer Felix Domke plädierte für die Verantwortlichkeit jedes einzelnen, die Ernährungsberaterin Manuela Marin mahnte zu maßvollem Fleischkonsum. Auch die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels haben mitdiskutiert, Forderungen aufgestellt und Ideen aufgeworfen – eine Auswahl.

Fleischkonsum unterstützt meistens eine verachtende Industrie. Kein Mensch will in so einem Schlachtbetrieb arbeiten und im Sekundentakt Kühe totbolzen oder Schweine auseinander sägen. Die industrielle Haltung von Tieren ist schlecht für die Tiere und fürs Klima, also für alle. Ich lebe vegetarisch, schon seit 16 Jahren. Vegan schaffe ich nicht, trotzdem esse ich nicht jeden Tag ein Ei oder ein Pfund Käse. Ich versuche, möglichst nachhaltig zu konsumieren, aber ey, ich bin auch nur ein Mensch. Mir fällt es nicht schwer, komplett auf Fleisch zu verzichten. Wer das nicht kann - ja, dann ist das so. Dann ist es aber vielleicht möglich, nicht jeden Tag Wurst und Buletten zu essen und vielleicht kein Fleisch für 99 Cent das Kilo zu kaufen sondern eben weniger, aber dafür besseres Fleisch? Einfach mal überlegen, was man da so in sich reinstopft. Man tankt ja auch kein Diesel mit einem E-Auto. Und genauso wenig ist es eine gute Idee, sich mit Essen zu ernähren, das den eigenen und den „Motor“ des Planeten über kurz oder lang zerhackt. Katharina Henschel

Natürlich darf man. Aber vielleicht sollte man es nicht mehr in der gewohnten Menge und den gewohnten Quellen, wenn einem die Zukunft am Herzen liegt. Thomas Weber
 
Hinter „Fleisch essen“ und „Milch trinken“ steckt sehr viel mehr als Tiere töten für einen schnöden Gaumenkitzel aus Gewohnheit. Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung, Klimaveränderung, multiresistente Keime. Und das betrifft uns alle. Doris Koinig 

 „Zu viel Leid“, da sorge ich mich erst einmal um Menschen und ich denke an Arbeitsbedingungen. Hier gibt es aber Umsetzungsschwierigkeiten, die rumänischen Mitarbeiter beklagen nach wie vor Schmutz und Enge ihrer Unterkünfte, für ein einzelnes Bett muss 300 Euro gezahlt werden. Das ist unmenschlich in meinen Augen und daran muss etwas geändert werden, es kann nicht sein, dass Arbeitnehmer so lange unter so schlechten Bedingungen leben müssen, bis sich mein privater Fleischverzicht irgendwann bis zur Arbeitgeberseite "durch gehungert" hätte. Gabriele Flüchte 

Weniger Fleisch zu konsumieren, muss (und kann nur) der Anfang sein; wir müssen tatsächlich besser in der nahen, als in der fernen Zukunft dahin kommen, den Fleischkonsum einzustellen. Das sage ich als "Mischfresser", dem die Abkehr von tierischen Produkten durchaus schwer fällt. D. Popp
 
 Ja, darf ich. Was aber nicht ok ist, ist jede Form von industrieller Landwirtschaft mit dem Ziel den maximalen Ertrag zu erzielen. Götz Winter 
 
 Auf der Welt gibt es nun mal Raubtiere. Und die heißen so, weil Sie andere Tiere fressen und nicht Grünzeug. Ich erinnere an den lieben Eisbären und natürlich den Wolf. Es ist absolut weltfremd, dem Menschen, der sich nun mal auch von anderen Tieren ernährt, genau dieses abzusprechen. [...]Wie kommt man Ihrem Ziel näher? Natürlich nicht durch Dogmatismus. Sie merken doch, dass die Menschen als Reaktion zur AfD rennen. Das hängt alles miteinander zusammen. Es muss ganz einfach nur die "unglaublich viel Energie, Wasser und Fläche verbraucht" angemessen bepreist werden. Wir brauchen als Gesellschaft eine Haltung zur ökologischen Tierhaltung. Die kostet Geld und dann essen alle weniger. Damit sich die armen Mitbürger auch noch Fleisch leisten können, müssen die ganz einfach nur ordentlich bezahlt werden. Also echtes Tierwohl und Mindestlohn!  Stefan Müller 

Der Begriff Bio verleitet gerne zu falschen Schlussfolgerungen! Zum Beispiel ist die Anbindehaltung von Rindern über die Wintermonate auch bei ökologischer Haltung erlaubt. Im Hühnerstall werden Zwischenwände eingezogen um die Anzahl der gehaltenen Hühner zu erhöhen und ihnen die vorgeschriebenen Quadratmeter zu gewährleisten! Der Kunde glaubt an die heile Welt der Bio-Produkte für die er gerne Höchstpreise bezahlt! Die Realität sieht anders aus und unterscheidet sich in ihren Folgen kaum von der Massentierhaltung!  Bernd Behnke 

Nicht die Fleischberge im Sonderangebot müssen aufhören, es muss überhaupt sofort aufhören, Lebewesen als Nahrung anzusehen und sie zu verzehren. Wir leben sehr gut auch ohne Tiere auf dem Teller. Es ist purer Egoismus und nur noch ein Festhalten an alten festgefahrenen Strukturen. Fleisch zerstört auf sämtlichen Ebenen! Carmen Bucher

Das Zauberwort heißt Ausgewogenheit. Und dann vielleicht auch selbst kochen, was heutzutage ja völlig out ist. Leider geht der Bezug zu den Nahrungsmitteln, deren Entstehung und auch Zubereitung, verloren. Hans Fache

So etwas darf einfach nicht sein: Zum einen die Fleisch-Mafia und der Menschenhandel. Beides floriert Hand in Hand. Ein Skandal ist auch, wie die EU-Bürger leben müssen und untergebracht sind, die in Schlachthöfen arbeiten. Neben der Würde des Tieres geht auch die Menschenwürde flöten! Angelika Rimbach 

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