Alltagsrassismus an Problemschulen Rassismus ist keine allgemeingültige Erklärung für Probleme an Schulen

Bild von Emine Demirbüken-Wegner
Mitglied des Abgeordnetenauses CDU

Expertise:

Emine Demirbüken-Wegner sitzt für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie ist die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie.

Alle Lehrer als rassistisch zu bezeichnen wird der Realität nicht gerecht. Rassismus an Schulen ist ein Problem, aber er darf nicht zum allgemeinen Erklärungsmuster werden, sonst bleibt kein Raum für die Differenzierung der Probleme. 

Die Beobachtung ist richtig, Alltagsrassismus macht auch vor Bildungseinrichtungen nicht Halt. Eine differenzierte und sachkundige Debatte, wie man die damit zusammenhängenden Fragen und Probleme lösen kann, muss deshalb innerhalb wie außerhalb unserer Schulen immer wieder angestoßen werden. Dies wird aber nicht gelingen, wenn man wie die Autorin des in dieser Debatte erschienenen Brandbriefs eine gewisse Neigung zu verallgemeinernden Darstellungen und pauschalen Urteilen erkennen lässt.  Danach stehen sich in ihrer Schule zwei unversöhnliche Gruppen gegenüber: hier das “rassistische” Lehrerkollegium, festgefahren in erstarrten Denkmustern, dort die von den Lehrerinnen und Lehrern ausgebremste und “niedergehaltene” PoC-Schülerschaft ohne Zukunft.

Wenn Rassismus zum allgemeinen Erklärungsmuster wird, bleibt kein Raum für die Differenzierung der Probleme.

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Wer glaubt, mit solchen Klischees das Thema voran zu bringen, befindet sich selbst in einer gedanklichen Sackgasse und wird letztendlich nur zur Verhärtung der „Fronten“ beitragen. Denn was ist die Folge, wenn Rassismus zum allgemeinen Erklärungsmuster aller Probleme erhoben wird? Es bleibt kein Raum mehr für Differenzierungen und es macht sich keiner mehr die Mühe danach zu forschen, welche Ursachen tatsächlich zu Strukturen und Problemen führen, die schwierige Lehrer-Schüler-Verhältnisse geradezu vorprogrammieren.

Eine pauschale Darstellung der Situation an den Schulen wird der Realität nicht gerecht.

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Und welchen Folgen hat so eine Darstellung auf die Betroffenen selbst? Die Lehrerinnen und Lehrer werden sich zu Recht missverstanden fühlen, wenn man ihnen pauschal rassistische Motive und ein ebensolches Verhalten unterstellt. Die Schülerinnen und Schüler werden keinen Sinn sehen, zu einer guten Lernatmosphäre beizutragen, weil sie ja ohnehin zu einer unerwünschten Minderheit zählen, die niemand fördern will. Dass beides in der Realität so nicht zutrifft, beweisen schon die vielen erfolgreichen Bildungskarrieren von jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in unserer Stadt. Ebenso zeigen das die vielen positiven Beispiele aus Berliner Bildungseinrichtungen, die durch ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrern und den Schülern mit Migrationshintergrund  gekennzeichnet sind.

Es muss in allen Lebensbereichen offen und ehrlich über die Folgen von Alltagsrassismus gesprochen werden.

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Doch trotz meiner kritischen Anmerkungen unterstütze ich voll und ganz das Anliegen, dass in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens offen und ehrlich miteinander über die Auswirkungen und Folgen des alltäglichen Rassismus geredet werden muss.- Doch diesen Ansatz des Miteinander habe ich in dem Beitrag der Autorin schmerzlich vermisst. Sie verweilt mir zu sehr im Beobachterstatus anstatt gleichgesinnte Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen – die es sicherlich auch an ihrer Schule gibt – um eine Entwicklung zum Positiven zu erreichen. Aber vielleicht kommt das ja noch.      

Die Teilnahme an Weiterbildungen kann nur ein Baustein zur Lösung des Problems sein.

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Ich selbst habe erfahren, dass nur das gemeinsame intensive Herangehen, das gemeinsame Sprechen über strukturelle Verwerfungen und über individuelle Probleme Änderungsprozesse in Gang setzen. Wichtig dabei ist, gleichzeitig Ursachforschung zu betreiben und der Analyse praktische Lösungen folgen zu lassen. Diese sollten am besten in eine gemeinsam verabredete Handlungsstrategie eingebettet werden, wie zum Beispiel in die Interkulturelle Öffnung (IKÖ) und den Erwerb interkultureller Kompetenz.  Diese sind allerdings nicht von heute auf morgen zu erreichen. Sie unterliegen einem längeren Prozess, der straffe Steuerung und Zielvorgaben verlangt, die von allen Beteiligten mitgetragen und gelebt werden müssen, von Lehrern, Schülern und Eltern. Die Teilnahme an Weiterbildungen kann dabei nur ein Baustein sein.

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