Lehrer-Vorurteile an Problemschulen Lehrkräfte sollten sich und ihr Handeln hinterfragen

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Pressesprecher, Landesschülerausschuss Berlin

Expertise:

Franz Kloth ist Schüler der Evangelische Schule Köpenick und Pressesprecher des Landesschülerausschusses Berlin. Er engagiert sich außerdem in verschiedenen Gremien der Schülervertretung und ist Konfliktlotse.

Die Probleme an Schulen können nur behoben werden, wenn Lehrkräfte ihr Handeln hinterfragen. Außerdem sollte es neben regelmäßigen Evaluationen und Unterrichtsbesuchen für alle Lehrkräfte auch eine Weiterbildungspflicht in den Bereichen Pädagogik und Technik geben. 

Sehr geehrte anonyme Lehrerin, sehr geehrte Leser*innen,

ich halte es für sehr positiv und bin Ihnen dankbar, dass Sie Ihre Stimme angesichts dieser Problematik erhoben haben.

Als Berliner Landesschüler*innenpressesprecher kann ich teils von ähnlichen Fällen berichten, glücklicherweise auch von sehr vielen Schulen, an denen deutlich mehr glatt läuft. Die von Ihnen geschilderten Zustände an Ihrer Schule halte ich für schockierend und frage mich nun, wie man jene Lage verändern könnte. Zuallererst muss das Kollegium dieser einen, Ihrer Schule - eine Institution, die vielleicht von deutlich mehr als eintausend jungen Menschen besucht wird - gezielt aufgeklärt und in eine andere Richtung gelenkt werden! Sie haben schon mehr Zivilcourage gezeigt als Ihre Kolleg*innen und wir können Ihre persönliche Entscheidung, anonym zu bleiben, verstehen. Dennoch fragen wir uns angesichts Ihrer Entscheidung, was falsch läuft, dass Sie sich nicht offen dazu äußern wollen. Die Problematik muss sofort aufgedeckt und bekämpft werden, was im Idealfall intern, sonst in jedem Falle von äußeren, höheren Institutionen initiiert werden muss. Sind Sie nicht genug gestützt, wenn Sie sich an eine Problemstelle für Lehrkräfte oder die Schulaufsichtsbehörde wenden? De Facto: Ein Dialog zwischen allen Akteur*innengruppen in der Schule muss erfolgen! Es würde schon reichen, würde man nur den Namen der Schule kennen, um die Strukturen grundsätzlich auf Herz und Nieren zu prüfen.

Der Landesschülerausschuss findet, dass in diesem System in jedem Fall Möglichkeiten gegeben sein müssen, sich bei Auftreten von ähnlichen Phänomenen als Lehrkraft, Elternteil oder Schüler an Hilfspersonen bzw. Hilfsinstitutionen zu wenden.

Beteiligte müssen die Möglichkeit haben, sich an Hilfspersonen oder Hilfsinstitutionen zu wenden. 

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Natürlich lässt sich in unserer Debatte nicht herausnehmen: Pädagog*innen sind Menschen wie alle anderen - aber mit mehr Verantwortung. Ein*e jede*r wird sich zeitlebens immer fragen müssen, wo in seiner*ihrer Wahrnehmung oder Handlung gerade Voreingenommenheit im Spiel gewesen sein kann. Stereotypisierung, Betriebsblindheit und allgemeine Diskriminierungsformen von verdecktem oder gar offenem Schlechtreden bis zu Bevorteiligung und Mobbing aufgrund unterschiedlichster Motive- all diesem müssen junge Schüler*innen in der Schule und in der Gesellschaft entgegentreten. Pädagog*innen sollten Menschen sein, die stärkeren Glauben in sie setzen, als ein wenig integriertes Umfeld. Sie wären  genau das, was wir brauchen, um endlich in Richtung Chancengleichheit zu gehen. Wer merkt, dass jemand eine Karte auf ihn*sie setzt, der*die ist motiviert, wer in die Ecke geschoben wird, geht ein - oder meutert richtig los!

Auch an uns geht zudem nicht vorbei, dass Lehrkräfte untereinander auch mal kräftig “bashen”, weshalb wir einer deutlich höheren Zahl gern einmal eine Mediationsausbildung empfehlen!

Schüler*innen nehmen an Projekten wie Schule ohne Rassismus teil und sollen Demokratie, Pluralismus und Vielfalt schon von Anfang an durch Pädagog*innen und Eltern anerzogen bekommen. Wenn diese Inhalte optimal in unsere Lehrpläne und das Leitbild unseres Bildungssystems verflochten sind, dürfte dies an Lehrkräften eigentlich auch nicht vorbeigehen, die es unterrichten - aber das tut es doch! Werden diese Werte also ausreichend weitergegeben? 

Demokratie, Pluralismus und Vielfalt gehen oft an den Lehrkräften vorbei. 

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Die Wahrnehmungen und Forderungen des LSA Berlin: 
“In Bezug auf die Pädagogik haben wir verstärkt das Gefühl, dass die menschliche Komponente in der Ausbildung von Lehrkräfte nicht ausreichend geschult wird. Ein Indiz hierfür ist, dass des Öfteren von der Lehrkraft Beleidigungen, Demütigungen, etc. geduldet bzw. ausgeübt werden. Die essentielle Vorbildfunktion wird teilweise durch die Ausnutzung von Machtpositionen vernachlässigt. Deshalb plädieren wir dafür, dass die Pädagogik einen größeren Anteil im Lehramtsstudium erhält. Viele Lehrkräfte sind eher konservativ eingestellt und ruhen sich auf Ihrer Beamtenposition aus. Sie vermitteln ein Gefühl der „Unantastbarkeit“, sodass der Eindruck entsteht, ihnen seien die Schüler*innen sowie die modernen Neuerungen im System (z. B.: Inklusion, Gender oder Technik) gleichgültig. Um dem Verhalten effektiv vorzubeugen, fordern wir eine regelmäßige Evaluation (vorzugsweise vierteljährlich) sowie ggf. Konsequenzen und unangemeldete Unterrichtsbesuche durch entsprechende Behörden oder die Schulleitung.[..] Darüber hinaus fordert der Landesschülerausschuss Berlin eine allgemeine Weiterbildungspflicht, insbesondere in den Bereichen der Technik und Pädagogik.” - Auszug aus dem Positionspapier Ausbildung von Lehrkräften, Dezember 2016

Lehrkräfte vernachlässigen ihre Vorbildfunktion teilweise durch die Ausnutzung von Machtpositionen.

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Auch wenn Diskriminierung in dieser Form, sei sie nur als Voreingenommenheit oder bereits als Alltagsrassismus einzustufen, schon mit großen Bemühungen entgegengewirkt wird, lösen sich Probleme nur durch echte Zivilcourage, durch Reden, ständiges Hinterfragen und hinterfragt werden. Diese Grundkompetenz, sich selbst an die Nase zu fassen, muss nicht nur für die neuen Generationen unterrichtet, sondern auch den “Alten” weiterhin eingetrichtert werden! Die Lösung: Raum für Dialog, bessere Arbeitsbedingungen, um sich dies überhaupt fragen zu können und eine allgemeine Weiterbildungspflicht im Bereich Pädagogik und Technik! Gute Lehrkräfte besuchen diese freiwillig und es sind viele, aber es müssen alle sein!

Es muss eine allgemeine Weiterbildungspflicht in den Bereichen Pädagogik und Technik für alle Lehrkräfte geben.

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Zu guter Letzt können wir einer jeden an der Schule beteiligten Person ein paar Fragen auf den Weg geben:
1.Sind Sie eine “Schule ohne Rassismus”?
2.Wann haben Sie Ihre letzte Fortbildung zu einer derartigen Problematik besucht, z.B. Cybermobbing?
3.Treten ähnliche Phänomene an Ihrer Schule auf? Sagen Sie etwas gemeinsam mit anderen! Suchen Sie sich Verbündete.

Wir vertrauen darauf, dass sich viele nun an selbst an die Nase fassen - oder anderen - und wir damit Bildung in Berlin verbessern können. Bildung verbessert Berlin!

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