Brennpunktschulen Lasst uns endlich über Problemlehrer sprechen!

Bild von Anonyma, Name ist der Redaktion bekannt
Lehrerin, Berlin

Expertise:

Die Autorin ist Lehrerin und der Redaktion des Tagesspiegels namentlich bekannt. Sie möchte sich auch im Interesse der Schule, über die sie schreibt, nur anonym äußern.

Der (Alltags-)Rassismus und die Vorurteile vieler Lehrer an Brennpunktschulen vergiften das Schulklima, schreibt unsere Autorin, eine Berliner Lehrerin, in ihrem Brandbrief.

Ich bin Lehrerin an einer sogenannten Brennpunktschule. Falls Sie erwarten, dass ich im Folgenden über „Problemschüler“ spreche oder darüber, dass ich die „schwierige Schülerklientel“ nicht mehr ertrage, muss ich Sie enttäuschen. Nein, was oder vielmehr wen ich nicht mehr ertrage und deshalb dieser Text –, das sind die Lehrenden und Leitenden an meiner Schule. Wie kommt das?

An Brennpunktschulen - zumindest an meiner - sind die Lehrerinnen und Lehrer das Hauptproblem.

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Die Sicht auf Brennpunktschulen ist geprägt von einem klaren Bild. Es ist das Bild von Kindern und Jugendlichen, die sich nicht im Griff haben, die ihre Lehrer und vor allem Lehrerinnen nicht respektieren, die häufig aggressiv und lernunwillig sind. Diese Bilder werden fortwährend in der Presse entworfen und genährt, sie bilden das Fundament unserer gängigen Interpretation von „Brennpunktschulen“. Das Bild von Lehrerinnen und Lehrern fällt weniger scharf aus. Im Allgemeinen werden sie als Menschen dargestellt, die ihre pädagogischen Vorstellungen und Werte in Anbetracht der unzumutbaren Verhältnisse an den Schulen über Bord werfen müssen und am Rande der Erschöpfung stehen. Auf die Idee, Lehrerinnen und Lehrer als Mit- oder sogar Hauptverursacher schwieriger Verhältnisse an Schulen zu betrachten, kommt die Öffentlichkeit eher nicht. Dabei sehe ich das Hauptproblem meiner Schule genau darin: in schwierigen Lehrerinnen und Lehrern, ja in „Problemlehrern“, wenn Sie so wollen.

Manche Lehrer an Brennpunktschulen haben eine zu positive Sicht auf sich selbst und eine zu negative auf die Schüler.

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Was diese Lehrenden so problematisch macht, ist ihre positive Sicht auf sich selbst und ihre negative Einstellung gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern. Eine der ersten Formulierungen, die ich lernte, als ich neu an die Schule kam, war „die Schüler rundmachen“. Das mag zunächst harmlos klingen, ist es aber genauer betrachtet nicht. Denn diese Formulierung legt eine Haltung offen, die jeglichen pädagogischen Werten zuwiderläuft. Die Lernenden an meiner Schule werden vorrangig als Problem wahrgenommen, mit dem es umzugehen gilt bevorzugt durch Maßregeln und Tadeln, eben durch „Rundmachen“. Als junge Menschen mit Fähigkeiten und Talenten gelten sie nur bei wenigen.

Vielen Lehrern mangelt es an einem Bewusstsein für ihre eigenen Vorurteile gegenüber Schülern "of Color" oder Muslimen.

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Anders als man annehmen könnte, ist die Ursache für diese Haltung nicht in beruflicher Erschöpfung und Frustration zu suchen, sondern in festgefahrenen Denkmustern, mit denen auch junge Lehrende neu an die Schule kommen. Auf den Punkt gebracht: Dem Kollegium und der Schulleitung mangelt es stark an Vorurteilsbewusstsein. Die Schülerinnen und Schüler gelten bei sehr vielen meiner Kolleginnen und Kollegen als minderbegabt und aufmüpfig. Eine große Rolle spielt dabei die in mehreren Chiffren zum Ausdruck gebrachte Abwertung des kulturellen und religiösen Hintergrunds der Schülerschaft zum Beispiel bei Schülerinnen und Schülern aus muslimisch geprägten Elternhäusern. Die Chiffren reichen von latenter Ablehnung „ja, so sind sie“, „ihr kennt ja unsere Schüler“ bis hin zu offenkundiger Feindlichkeit: „Mit den Arabern musst du aufpassen, sie lachen dir ins Gesicht und wenn du dich umdrehst, stechen sie dir in den Rücken.“ Es ist eine Weile her, dass ich diesen Satz gehört habe, doch er entsetzt mich noch immer. Ich frage mich nach wie vor, wie es sein kann, dass ein solcher Satz in einem Kollegium mehrfach ohne Protest geäußert werden kann.

Die Lehrer bestärken sich gegenseitig in ihren Vorurteilen.

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Ich halte die Sprache, die von vielen meiner Kolleginnen und Kollegen verwendet wird, wenn sie über die Schülerschaft sprechen, insgesamt für besorgniserregend. Nicht selten werden Schülerinnen und Schüler mit Wörtern beschrieben, die sonst nur für die Beschreibung von Tieren Anwendung finden. Insgesamt fühlen sich die meisten Lehrerinnen und Lehrer in dem paternalistischen Gedanken vereint, dass sie es zusammen schon irgendwie schaffen werden, diese verkorksten und vielleicht auch bemitleidenswerten Kinder irgendwie ein bisschen hinzubiegen. Das intakte Selbstbild der Lehrenden und das damit verquickte negative Fremdbild über „die Schüler“ erfährt fortwährend gegenseitige Bekräftigung: im Lehrerzimmer, in den Raucherpausen, auf den Gesamtkonferenzen, auf der Weihnachtsfeier.

Das hat drastische Auswirkungen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis und das damit verbundene Lernklima und Schulleben im Allgemeinen. Es schlägt sich beispielsweise darin nieder, dass Schülerrechte kleingehalten werden. Demokratische Mitbestimmung und Mitgestaltung von Schülerseite aus gelten als unerwünscht oder zumindest nicht praktikabel, da es mit „dieser Art von Schülerklientel“ nun einmal nicht möglich sei.

Welch verheerende Folgen diese Haltung haben kann, zeigt sich in einem aktuellen Vorfall: Ein Zehntklässler wird in der Folge einer verbalen Auseinandersetzung von einem Lehrer körperlich angegriffen. Anstatt danach von der Schule Unterstützung zu erfahren, wird dem Schüler seine Opferrolle weitestgehend abgesprochen und seine Suspendierung gewünscht. Der Lehrer hingegen wird nicht suspendiert, seine Aggression heruntergespielt. Diese Reaktion ist von außen betrachtet grotesk und skandalös. Von innen heraus, aus der Denkstruktur meiner Schule, ist sie das jedoch nicht. Denn der Schüler ist schließlich schon immer schwierig gewesen, da ist die Opfer-Täter-Verteilung in den Augen des Kollegiums klar. Sowohl die Lehrerinnen und Lehrer als auch die Schulleitung der Schule sind so festgefahren in ihrer „Wir gegen die“-Denkschiene, dass sie nicht begreifen wollen, was da passiert ist: Einem Schüler wurde sein Recht auf körperliche Unversehrtheit, ein Menschenrecht, von einem Lehrer, dessen Schutzbefohlener er ist, einfach abgesprochen.

An meiner Schule sind viele fachlich sehr fähige Lehrkräfte. Lehrkräfte, die sich in der Tat engagieren wollen und dies auch tun. Diese Lehrkräfte sehen ihre Fähigkeiten und ihren Elan jedoch ausgebremst, weil sie sich mit ihrer Haltung der Schülerklientel gegenüber selbst im Weg stehen. Mein Kollegium wünscht sich, dass die Schülerinnen und Schüler sich mehr mit ihrer Schule identifizieren, und versucht dies zu erreichen, indem es mehrere Klassen in einen Wettbewerb treten lässt: Die Klasse, die am meisten Punkte sammelt, gewinnt beispielsweise einen Ausflug in einen Freizeitpark. Das mag einzelne Schülerinnen und Schüler in der Tat über einen Zeitraum motivieren, sich wünschenswert zu verhalten. Mit einer echten Identifikation mit der Schule hat das aber wenig zu tun. Damit Schülerinnen und Schüler sich mit ihrer Schule identifizieren können, müssen sie sich wertgeschätzt fühlen. Sie müssen die Gewissheit haben, dass die Lehrerinnen und Lehrer an sie glauben, dass sie ihnen etwas zutrauen, dass sie hinter ihnen stehen und sie stärken möchten. Es braucht Lehrerinnen und Lehrer, die Vorbilder im sozialen Miteinander sind und die das Mitspracherecht ihrer Schülerinnen und Schüler als gewinnbringend ansehen und unterstützen.

Für ein gutes Schulklima braucht es Bewusstsein für (Alltags-)Rassismus. Lehrer müssen sich ihren Vorurteilen stellen.

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Für ein gutes Klima an einer Schule mit einer Schülerklientel wie der meinigen muss es zudem Lehrende und Leitende geben, die verstehen wollen, was gemeint ist, wenn von „People of Color“ (PoC) und „weißen Deutschen“, wie etwa mir, die Rede ist anstatt sich damit zu begnügen, über „Gutmenschen“ zu spotten. Sie müssen wissen, was „kritisches Weißsein“ bedeutet, was der „Anti-Bias-Ansatz“ beinhaltet, was hinter dem Wort „Empowerment“ steckt und wie ein Diversitätskonzept an der Schule konkret zur Umsetzung kommen könnte. Es muss Lehrerinnen und Lehrer geben, die sich über die tiefgehende Ursache und Wirkung von (Alltags-)Rassismus im Klaren sind und die in der Lage sind, ihre eigenen gesellschaftlichen Privilegien und die damit zusammenhängenden schulinternen und gesamtgesellschaftlichen Machtstrukturen zu reflektieren. Es braucht Lehrpersonen, die bereit sind, sich selbst zu hinterfragen, die sich ihren eigenen Vorurteilen stellen wollen und die ein Bewusstsein dafür haben, wo die Grenzen ihres Wissens liegen.

An meiner Schule wünscht man sich, unter sich zu bleiben. Schließlich weiß man am besten, wie es an der Schule zugeht, da braucht man niemanden von außen so die Denke. Seit die Schulinspektion der Schule jedoch ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat, was bei den meisten Kolleginnen und Kollegen wohlgemerkt für Entrüstung gesorgt hat, wird sich bemüht: Leitbild und Schulprogramm wurden neu entworfen, noch mehr Regeln aufgestellt, Fortbildungen besucht und Arbeitsgruppen gebildet alles eher zähneknirschend. Es geht vor allem um Außenwirkung. Die Oberfläche wird emsig poliert, während eine tiefgehende Reflexion über pädagogische Werte und pädagogisches Arbeiten ausbleibt. An der negativen Einstellung gegenüber den Schülerinnen und Schülern ändert sich nichts. Als einige von ihnen darum baten, ihre Ideen für das Leitbild einbringen zu dürfen darunter der Wunsch einer „rassismuskritischen Schule“ wurde diese Bitte ausgeschlagen. Damit wurde den Schülerinnen und Schülern aufs Neue vor Augen gehalten, dass ihre Stimme nicht zählt und demokratische Grundwerte, deren Vermittlung unser Bildungsauftrag ist, an unserer Schule systematisch verletzt werden.

Ich werde oft gefragt, wie die Schüler an meiner Schule denn so sind. Ich versuche dann klar zu machen, dass es „die“ Schüler nicht gibt. Dass sie unterschiedlich sind. Manche sind wissbegierig, manche nicht, manche sind still, manche laut, manche aufgedreht, manche in sich ruhend, manche schlau, manche förderungsbedürftig. Und die meisten sind mal so und mal so. Je nach Unterrichtsfach, Lebensphase und Tagesform. Es sind junge Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen und auch Sorgen, die sie unterschiedlich zum Ausdruck bringen. Viele von ihnen haben schon Diskriminierungserfahrungen machen müssen oder müssen verarbeiten, dass ihre Eltern eine marginalisierte Stellung innerhalb unserer Gesellschaft einnehmen. Ich wundere mich immer wieder über meine Kolleginnen und Kollegen, die sich spöttisch darüber äußern, dass die Schülerinnen und Schüler über so teure Handys verfügen. Verstehen sie wirklich nicht, dass diese Handys ihren Wunsch nach sozialer Teilhabe symbolisieren?

Ja, es gibt an meiner Schule auch „schwierige“ Schülerinnen und Schüler. Solche, die häufig unentschuldigt fehlen, die ihre Frustration unangemessen zum Ausdruck bringen, und auch solche, die ihren Glauben zu simpel auslegen. Doch anstatt sich selbstzufrieden in seinen Bildern über die Schülerinnen und Schüler bestätigt zu sehen, gilt es, sich ernsthaft mit den Ursachen für dieses Verhalten zu beschäftigen. Das bedeutet, die Ursachen nicht im „Islam“ oder „anderen Kulturen“ zu suchen. Oft erlebe ich es nämlich, dass an meiner Schule negative Verhaltensweisen beispielsweise „muslimisiert“ werden, das heißt, Verhaltensweisen, die in der Pubertät oder in individuellen Persönlichkeitsstrukturen begründet liegen, werden schlichtweg damit erklärt, dass diejenigen, die sie an den Tag legen, Muslime sind. Wenn sich Schülerinnen und Schüler zum Beispiel laut verhalten, werden sie in dem Moment nicht als pubertierende Jugendliche betrachtet, sondern als problematische Muslime. Dieses unreflektierte Interpretationsmuster greift ebenso bei schwarzen Schülerinnen und Schülern, bei Roma, bei Tschetschenen, kurz: bei allen Schülerinnen und Schülern of Color. Dass an „gutbürgerlichen“ Schulen die Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund nicht minder über Tische und Bänke gehen können, scheint den meisten meiner Kolleginnen und Kollegen nicht in den Sinn zu kommen.

Und dennoch gilt es, die Ursachen für schwierige Verhaltensweisen auch darin zu suchen, dass es sich um junge Muslime, junge Roma, junge Schwarze, generell um junge Menschen of Color handelt. Das ist jedoch anders zu verstehen, als an meiner Schule suggeriert wird: Als junge Menschen of Color bilden unsere Schülerinnen und Schüler einen Teil der Minderheitengesellschaft und sehen sich mit den Bildern, die sich die Mehrheitsgesellschaft über sie macht, fortlaufend konfrontiert. Bei ihrer Identitätssuche sind sie dadurch großen Schwierigkeiten ausgesetzt. Eine Schule, die diesen Heranwachsenden und ihren Familien mit einer latenten und auch offenkundigen Abwertung begegnet, stellt eine solche Schwierigkeit dar. Das darf nicht sein! Schule muss ein Ort sein, an dem junge Heranwachsende geschützt und gestärkt werden. Sie muss ein Ort sein, an dem Vielfalt offen, vorurteilsbewusst und professionell begegnet wird, und sie muss nicht zuletzt ein Ort sein, der pädagogisch beseelt ist. Deshalb fordere ich: Die Lehrenden und Leitenden an meiner Schule und ebenso an anderen ähnlichen Schulen müssen sich mit ihren Einstellungen und Vorurteilen auseinandersetzen. Dafür braucht es Strukturen, die dies einfordern. Diese Strukturen müssen schon in der Lehrerausbildung angelegt sein und später, in Form von Fortbildungen, immer wieder auftauchen. Anders geht es nicht. Nur so kann Schulentwicklung an solchen „Brennpunktschulen“ gelingen.

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69 Kommentare - Diskutieren Sie mit!

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  1. von Ines Eck
    "Wir treten ins Licht und werfen Schatten", "Selbstverzauberung", Schüler in Brennpunktschulen produzierten Worte, Bilder, Töne. Sie hatten u.a. keine Probleme Frauen- und Männerrollen zu wechseln, Homosexualität zu thematisieren. Arbeitsbeispiele:

    http://www.kunstlandschaft-spandau.de/alles-theater-film.htm
    http://www.kunstlandschaft-spandau.de/downtown-film.htm
    http://www.kunstlandschaft-spandau.de/bkj/klassentreffen.htm

    In einer Brennpunktschule funktionierte der Unterricht in einer der Klassen nicht mehr, zwischen Lehrern, Schülern Hass. Direktorin und Lehrerin hatten den Mut, den Unterricht für einige Unterrichtstunden an Künstler abzugeben, die Lehrerin hospitierte und lernte Schüler anders kennen, Schüler nahmen die Lehrerin anders wahr. Eine andere Brennpunktschule benutzte Filmmaterial und erhielt den Titel "Starke Schule." Künstler nannten sich infolge Kunstfeuerwehr, aber der Senat verweigert der Idee seit Jahren eine minimale Festbetragsfinanzierung - ?
    1. von Klaus Backer
      Antwort auf den Beitrag von Ines Eck 20.03.2017, 20:02:53
      Träume weiter so. Erschrick dich nur nicht beim erwachen.
    2. von Jendrik Hilgerloh
      Antwort auf den Beitrag von Klaus Backer 21.03.2017, 09:40:03
      Und da ist sie wieder. Da kommt der Vorwurf der Rassismuskeule oben von genau der Person, die eine der gängigsten Keulen der neuen Rechten schwingt (so wie es das Wort Rassismuskeule natürlich selbst ist). Wir sind alle naiv. Wenn der Vorwurf postuliert ist braucht es auch keine inhaltliche Begründung dessen mehr. Es ist schlicht über die Attitüde beim Sprechen/Schreiben festgestellt, dass man selbst härter und zynischer, hartgesottener ist. Die eigene Männlichkeit erwiesen kann man sich damit zufrieden geben, dass man einfach mehr Badass ist, als diese Träumer mit ihren Menschenrechten. Wenn die erst aufwachen werden sie merken, dass alle Menschen im Grunde so scheiße sind, wie ich es mir selbst erlaube zu sein - kein Problem also.
    3. von Jendrik Hilgerloh
      Antwort auf den Beitrag von Ines Eck 20.03.2017, 20:02:53
      Zum Thema! (Folgendes war ursprünglich größtenteils ein Kommentar zum Antwortartikel dieses Artikels: Dein Problem trägt die Debatte dort hin, wo alle politischen Debatten über kurz oder lang landen: Das angeblich liebe Geld. Die Erschöpfung von Lehrenden ist - wie auch oben betont wurde - nicht ausschließlich auf Schwächen der Lehrenden oder ihrer Ausbildung zurückzuführen, sondern hat auch strukturelle Gründe. Die Prekarisierung des ganzen Bildungsapparates und besonders in kleineren Bundesländern findet ihren Ursprung in stagnierenden oder schrumpfenden Budgets und diese wiederum finden den ihren in der aktuellen Steuerpolitik und im Diskurs zu Sozialleistungen der letzten Dekaden. Um in irgendeinem Politikfeld flexibel genug zu werden, um auf irgendwelche neuen Herausforderungen zu agieren, bedarf es einer Flexibilität der staatlichen Budgets. Und dafür muss unweigerlich eine größere Bereitschaft herrschen Steuern zu erhöhen. Dafür wiederum müsste ein weitaus größeres Augenmerk auf der Tatsache liegen, dass die Ausweichstrategien, die reiche Deutsche und internationale Konzerne gegen das einziehen, aber auch das Einführen und das Erhöhen von Steuern ins Feld führen können, zwar indirekt, aber in sehr hohem Maße für unsere sozialen und verantwortlich sind.
  2. von Brenn Punktlehrer
    Das Gute ist, dass das Denken, das man als Lehrer insgesamt, aber vor allem an Brennpunktschulen, braucht, heute schon, sofern man auf fähige Fachleitungen trifft, verankert wird. Problematisch wird dies, wenn junge Lehrer an nicht-vorzeige-Brennpunktschulen geraten und damit zurechtkommen müssen, dass ihnen die Schüler vermeintlich auf der Nase rumtanzen. Weil sie nichts anderes als den Drillsergeant gewohnt sind. Weil sie nicht lernen, wenn sie still sind, aber gelernt haben, still zu sein - aus Angst vor dem Lehrer. Es dauert Jahre (!), bis man als anders ausgebildeter Lehrer ein Bein in die Klasse bekommt. Vor allem bekommt man dies nicht durch fachlich anspruchsvollen Unterricht hin, sondern durch das ständig Führen von Gesprächen. Mit der Klasse. Indem man Fragen stellt und nicht ausschließlich Ansagen macht. Indem man sich stets und ständig die Eltern einbestellt und zusammen mit dem Kind in die Verantwortung nimmt. Und am Ende läuft es oder es steht das Burnout. Und die Kollegen, die sich seit der DDR (huch.... .) gleich verhalten, werden auch weiterhin vermeintliche Ruhe in ihren Klassen haben. Und sich auch weiterhin darüber aufregen, dass die Kinder nichts mehr können. Ja, die kommen tatsächlich viel viel öfter mit elterlichen Defiziten an. Man kann nicht mehr Unterricht nach Lehrplan machen. Doch leider sehen das viele Kollegen nicht. Ein Kind kann schlichtweg nicht lernen, wenn es Defizite hat, die es aufholen MUSS. Alles andere würde nur zu einem Frustrationserlebnis nach dem anderen führen für das Kind. Lernt es dann am Ende seiner gesammelten Frustrationserlebnisse besser, weil es schließlich weiß, was es alles nicht kann? Wem ich gerne mal ein paar Takte erzählen würde, wären die Eltern. Aber auch das passiert mir nur im absoluten Ausnahmefall. Denn mit denen muss man, wenn man für das Kind was erreichen will, ebenso arbeiten. (die Zeichen neigen sich dem Ende)
  3. von Jeff Rowland
    Der Fisch fängt am Kopf an zu müffeln. Ich kenne als Lehrer und Seminarleiter Schulen, an denen Schulleiter*innen tagtäglich engagiert dafür sorgen, dass die im Artikel beschriebenen Situationen nicht vorkommen. Aber es gibt sehr wohl Schulleitungen, die ihr Kollegium genau dorthin abdriften lassen, wie es oben von der Kollegin im Artikel beschrieben wird. Da durch die öffentliche Diskussion der letzten Tage ja bekannt ist, um welche Schule es sich bei der oben aufgeführten handelt, so muss ich leider sagen, dass engagierte Kolleg*innen dort genau die mangelnden Identifikationsmöglichkeiten mit der Schule kritisieren. Dies fängt bereits mit dem schlechten äußeren und inneren Zustand des Gebäudes an. Hier schlägt den Schüler*innen eine Gleichgültigkeit entgegen, die diese natürlich sofort spiegeln. Auch Referendar*innen zeigen sich irritiert von der Gleichgültigkeit einiger Kolleg*innen. Sicher, der Job dort ist kein einfacher, deshalb halte ich es ohnehin für sinnvoll, dass alle Berliner Lehrer*innen bis zu einer Altersgrenze von 50 Jahre alle 5-6 Jahre die Schuler wechseln sollten. Das hält wach und neugierig und macht den Kopf frei.
    1. von Jeff Rowland
      Antwort auf den Beitrag von Jeff Rowland 20.03.2017, 16:00:15
      Korrektur: "Schule" in der letzten Zeile
    2. von Brenn Punktlehrer
      Antwort auf den Beitrag von Jeff Rowland 20.03.2017, 16:00:15
      Entweder habe ich falsch gelesen oder da stand nicht drin, an welcher Schule die Autorin arbeitet. Nur weil sie diesen Vorfall benennt, über dessen Hintergründe eh berichtet wurde? Davor würde ich mich hüten.
  4. von Bernd Sobisch
    Diese Mentalität ist von einer gravierenden Naivität geprägt. Die Orientierung an einen imaginären Idealzustand ist illusorisch. Die Realität lässt sich nicht abschalten, allenfalls ignorieren. Welche signifikanten Erfolge, hat diese Lehrerin durch konsequentes Umsetzung ihrer pädagogischen Vorstellungen, aufzuweisen? Welche persönlichen Attacken soll die Lehrerschaft erdulden, ohne sich wenigstens ansatzweise wehren zu dürfen?
    1. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Bernd Sobisch 20.03.2017, 15:58:31
      Ich lese hier weder eine Mentalität heraus noch persönliche Attacken, um mal 2 Punkte Ihres Kommentars aufzugreifen.... Wäre doch mal schön Anregungen herauszulesen und sich mit diesen zu beschäftigen bevor es in die Abwehr geht. MfG
    2. von Brenn Punktlehrer
      Antwort auf den Beitrag von Bernd Sobisch 20.03.2017, 15:58:31
      Nein, andersrum wird ein Schuh draus: mit einem vernünftigen pädagogischen Handeln kann ich solche persönlichen Attacken verhindern. Und wenn so etwas doch mal (!) auftritt, dann muss man entsprechend handeln - und zwar nur bei absolut fehlender Einsicht mit Sanktionen. Ich unterstelle Ihnen, dass Sie keine Vorstellung davon haben, wie wichtig Gespräche Gespräche Gespräche und Reflexionen Reflexionen Reflexionen sind. Das hat NICHTS mit Kuschelpädagogik zu tun, wenn man es konsequent durchzieht. Das ist schlichtweg eine Haltung mit der ich meinen Mitmenschen gegenüber trete. Und damit kriegt man auch die schweren Fälle. Die ganz harten Fälle wird es auch dann noch weiter geben, weil die zu Hause einfach so belastet sind, dass da professionelle Hilfe her muss. Ich pauschalisiere hier nicht, ich spreche aus Erfahrung. Es funktioniert genau so.
  5. von Lehrerin Aus Mitte
    Es sind eher genau diese Lehrer, die solche Artikel schreiben, die das Schulklima vergiften! Statt offen zu sprechen und zur Schulleitung zu gehen und zu diskutieren, wird im Lehrerzimmer gemauschelt und aufgewiegelt, auch unter der Schülerschaft! Die Betrachtungsweise ist wirklich sehr einseitig und der Duktus ist mir sehr bekannt
    1. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 15:17:31
      Selbstverständlich sind es solche Lehrer, die das Schulklima vergiften. Das ist nur immer eine Frage der Perspektive, die hier ja nicht mit dem gewünschten Duktus übereinstimmt - nicht war?

      Es ist schon wenig überzeugend, diese Betrachtungsweise als einseitig anzuklagen, wenn in Ihrer Antwort inhaltlich der Beitrag in Gänze abgelehnt wird! Das spricht doch arg dafür, dass an dem Artikel eine ganze Menge dran ist!

      Wenn Sie selbst es so differenziert halten würden, wie Sie Ihrer Kollegen vorwerfen, es nicht getan zu haben, dann würden Sie den Stil bemängeln, aber inhaltlich wenigstens einen Teil unterschreiben!

      Kennen Sie sich übrigens? Oder woher meinen Sie zu wissen, dass diese Lehrerin nicht das Gespräch gesucht hat mit Kollegen und / oder dem Schulleiter?

      Schlange, ich höre dich zischen.
    2. von Lehrerin Aus Mitte
      Antwort auf den Beitrag von Janina S 20.03.2017, 16:23:56
      Ich weiß nicht, ob wir uns kennen. Ich streite nicht ab, dass es solche und solche L. gibt. Es ist nur sehr befremdlich auf diese Art und Weise an die Öffentlichkeit zu gehen! Das hilft allerdings niemandem, insbesondere nicht der betroffenen Schule, denn woher soll sie es dann wissen? Ein Brandbrief sollte einen Adressaten haben, um gezielt einzugreifen.
    3. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 16:28:08
      Oh doch, genau das streiten Sie ab! Sie sprechen davon, dass Lehrer, wie diese Lehrerin das Schulklima vergiften würden! Sie unterstellen, dass diese hinter dem Rücken, aber nicht offen sprechen würden!
      Das ist eine unverschämte Unverfrorenheit und eine anmaßende Unterstellung! Sie kennen diese Frau nicht und wagen sich aber doch, sie derart zu verurteilen. Ganz offenbar deshalb, weil Sie völlig unfähig sind zu Selbstkritik bzw. ihren Beruf nicht kritisch diskutieren können. Sonst würden Sie nicht mit derart heftigen Angriffen auf so einen Debattenbeitrag reagieren.

      Nein, wir kennen uns nicht. Ich kenne keine Lehrer aus Mitte. Ich bewerte nur ihren Kommentar!

      Dieser Brandbrief hat einen Adressaten! Die Öffentlichkeit, die auch über einen solchen Blickwinkel diskutieren dürfen soll. Oder darf Öffentlichkeit nur dann eingeschaltet werden, wenn es um die große Last der Lehrer und die unsäglichen Schüler geht?
    4. von Lehrerin Aus Mitte
      Antwort auf den Beitrag von Janina S 20.03.2017, 16:34:33
      Vorsicht. Ich komme aus Mitte. Bin aber keine Lehrerin in Mitte. Entweder sind Sie selbst die Autorin oder wissen, wer es ist. Dann raus aus dem Versteck und die richtige Adresse ansprechen.
    5. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 16:37:34
      Auweia. So schlimm? Ich kenne weder die Autorin noch kenne ich Sie! Ihr Nick lautet Lehrerin aus Mitte! Kein Grund für paranoides Gedankengut.
      Sie reiten sich aber immer mehr rein. Wer derart im Angriffsmodus ist, nur weil eine Lehrerin mal einen kritischen Beitrag zum Lehrerberuf schreibt, wer dann auch noch weiter schießt, nur weil jemand anders diese Position verteidigt, der muss in ungeheurer Spannung stehen! Diese Spannung spricht nicht für ein gutes Betriebsklima und auch nicht für ein ausgeglichenes Verhältnis zum eigenen Job,
      Wenn Sie vom heimischen Schreibtisch aus so unentspannt, ja aggressiv reagieren, mag man sich gar nicht vorstellen, wie Sie mit Schülern oder Eltern umgehen, wenn die mal kritisch sind!
      Das sind dann die Eltern, wo man sich bei Problemen 20 Mal überlegt, ob man überhaupt etwas sagt und wenn ja, wie fein justiert die Goldwaage ist und durch wie viele Blumen man seine kritische Anmerkung irgendwo unterbringen kann, auf die Gefahr hin, dass die Schullaufbahn des eigenen Kindes nicht für Jahre torpediert wird.
      Oft genug erlebt als Mutter und oft genug auch bei Freunden bei solch schwierigen Gesprächen mit anwesend gewesen.
      Ich bin übrigens in keinen Versteck und kann daher auch nicht rauskommen. Huhuuuu.
    6. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Janina S 20.03.2017, 16:46:59
      Korrektur: Muss natürlich heißen: Das sind dann die Lehrer, wo man sich als Eltern bei Problemen....
    7. von Lehrerin Aus Mitte
      Antwort auf den Beitrag von Janina S 20.03.2017, 16:46:59
      Mein Gott, Sie kennen mich nicht. Würden Sie mich kennen dann wüssten Sie, dass ich genau zu der Kategorie Lehrer gehöre, die sich die Autorin wünscht. Sie fordern hier permanent ein, man solle sich kritisch mit dem auseinander setzen, was die Autorin schreibt und nicht einseitig sein. Doch genau das sind Sie. Ich werde mich nicht weiter auf Ihre Argumentation einlassen, denn das ist Kindergarten. Dafür habe ich keine Zeit. Bin ebenfalls Mutter und hab noch bisschen was zu tun. Auf Wiedersehen.
    8. von Jeff Rowland
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 16:56:07
      Ach, Frau Kollegin - vielleicht mal auf die Idee gekommen, dass es womöglich die Schulleitung ist, die das Gespräch abblockt. Und auch Lehrerzimmer sind geprägt von Korpsgeist und der Drei-Affen-Mentalität. Da wird man mitunter schnell zum Nestbeschmutzer. Womöglich deshalb der offene Brief.
    9. von Lehrerin Aus Mitte
      Antwort auf den Beitrag von Jeff Rowland 20.03.2017, 17:27:33
      Ein offener Brief hat einen bekannten Absender.
    10. von Jeff Rowland
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 18:41:46
      Das stimmt, der redaktion wird der name ja auch wohl bekannt sein. Dennoch sind Sie argumentativ nicht auf meine Replik eingegangen. In Sachen Korpsgeist unterschieden sich doch viele Lehrerzimmer nicht von Institutionen wie der Polizei oder der Bundeswehr.
    11. von Lehrerin Aus Mitte
      Antwort auf den Beitrag von Jeff Rowland 20.03.2017, 19:04:01
      Mag sein. Ich kenn das allerdings nicht.
    12. von Klaus Backer
      Antwort auf den Beitrag von Janina S 20.03.2017, 16:34:33
      Sie schreiben total ausrastend: "Das ist eine unverschämte Unverfrorenheit und eine anmaßende Unterstellung! Sie kennen diese Frau nicht und wagen sich aber doch, sie derart zu verurteilen." Können Sie vielleicht mal auf dem Teppich bleiben? Diese Lehrerin vergiftet durch ihr feiges anonymes Vorgehen tatsächlich das Schulklima.
    13. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Klaus Backer 21.03.2017, 09:53:46
      Ach, Sie kennen die Autorin? Oder schließen Sie sich der hellseherischen Qualität Ihrer Kollegin aus Mitte an, die weiß, dass die Autorin nicht versucht hat, das innerhalb der Schule zu klären. Sie sind damit auch bitte so liebenswürdig Ihren doch sehr massiven Vorwurf zu belegen, dass die Autorin das Schulklima vergiftet hat. Können Sie nicht, weil Sie sie nicht kennen? Dumm. Dann sind Sie es nämlich, der Gift spritzt.

      Dies gilt nicht nur, weil Sie gar nicht wissen, was diese Lehrerin versucht hat. Dies gilt, weil Sie so im Tunnel sind der Abwehr sind, nur weil da jemand mal selbstkritisch mit seinem Berufsstand umgegangen ist, dass Ihnen gar keine anderen Gründe einfallen, warum hier jemand anonym schreibt!

      Schon mal darüber nachgedacht, dass die Anonymität hier im Tagesspiegel auch die Schule schützt und damit die anderen Lehrer, Schüler wie Eltern? Schon mal überlegt, was es für den Schulbetrieb bedeuten würde, wenn mit der aus der Anonymität heraustretenden Lehrerin sofort auch die Schule im Scheinwerferlicht steht? In dem Augenblick wäre diese Schule dem Spielball preis gegeben! Dann würden sich Lager bilden und die Öffentlichkeit würde darüber diskutieren, wer Recht hat.

      Im Übrigen ging es hier, auch das haben weder Sie noch Ihre Kollegin in Ihrem Furor gemerkt, ja gar nicht um diese konkrete Schule, sondern darum, allgemein über das Problem zu reden. Genau das würde aber nicht funktionieren, wenn man plötzlich diese Schule ins Licht zerrt! Möglichst so hübsch gemacht wie im Fall Sarrazin?

      All diese Dinge haben Sie nicht im Blick. Das Einzige, was Sie sehen, ist die Verräterin, die Sie packen und an Pranger sehen wollen.
    14. von Brenn Punktlehrer
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 15:17:31
      Können Sie sich ansatzweise vorstellen, was passiert, wenn die Kollegin ihren Namen veröffentlicht? Ich würde dies auch nicht tun und bin ob meiner Scheinanonymität sehr zufrieden, weil ich nur dann Missstände benennen kann ohne in meinem Alltag angefeindet zu werden.
    15. von Brenn Punktlehrer
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 15:17:31
      Wobei ich Ihnen jedoch recht gebe, ist, dass viel zu viele Kollegen sich aus einer in Berlin völlig unbegründeten Angst vor dienstlichen Konsequenzen, nicht trauen, etwas zu sagen.
    16. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Brenn Punktlehrer 20.03.2017, 18:31:29
      Es sind ja wohl weniger dienstliche Konsequenzen als das, was man hier erleben kann! Die Kollegin aus Mitte und Herr Backer machen es doch vor, was einem blüht, der den Mund aufmacht: Die vergiftet das Klima!
      Die Person wird zerrissen, gnadenlos. Sachlich-inhaltliche Auseinandersetzung? Wo haben Sie die denn in den Beiträgen dieser beiden Kollegen gesehen?

      Das Inhaltliche wird mit einem Federstrich als nicht existent beiseite gewischt, um sich dann schon vernichtend über die ihnen unbekannte Lehrerin auszulassen.

      Ich kenne solche Fälle aus diversen Brillen. Habe es ja schon im Kommentar geschrieben. Aussage in unserem Fall des gerade ins Kollegium gekommenen neuen Schulleiters: Er wird gegen die denunzierende Lehrerin nichts unternehmen, weil er es sich nicht mit dem Kollegium verscherzen will! (Immerhin vor Zeugen gesagt) Und riskiert damit nicht nur erheblichen gesundheitlichen Folgeschaden bei einem jungen Menschen (der tatsächlich eingetreten ist), sondern gefährdet dessen Schullaufbahn mitten in der Abiphase.

      Oder die Lehrerin, die den Mund aufgemacht hat, konstruktive Vorschläge gemacht hat, und dann gemobbt wurde. Dumm, dass die aufgrund ihrer mangelnden Durchsetzungsstärke mit dem Mobbing gar nicht umgehen konnte und da massiv drauf reagiert hat. Die hat man dann rechtzeitig von den Schienen gezupft! (Nicht hier in Berlin, aber Familienangehörige)

      Oder an einer Berliner Grundschule, die exorbitant viele ADHS-Schüler hatte. Diagnostiziert von der Schulleiterin! Die wiederum in recht enger Kooperation zu einer Tagesklinik stand. Deren Musterlösung: Alle Ritalin. Und nein, das ist kein Hörensagen, ich habe 2 Jahre mit einer betroffenen Mutter gekämpft! Nix ADHS, nix Ritalin. Der Junge ist nach Umzug extra deswegen auf einer Brandenburger Schule glücklich geworden. Da gab es auch einen Lehrer, der rausgedrängt wurde, weil er dieses Vorgehen kritisch begleitet hat.
    17. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Lehrerin Aus Mitte 20.03.2017, 15:17:31
      Sie tragen gerade selber dazu bei, was Sie anklagen. Sie wissen wahrscheinlich nicht, wer diesen Text geschrieben hat noch um welche Schule es sich handelt, behaupten hier aber Dinge, die Sie nicht wissen können. Vielleicht wurde offen gesprochen, vielleicht wurde informiert. Meiner Erfahrung als Lehrerin nach sind die im Text angesprochenen Themen nicht einfach in einem Kollegium zu besprechen, weil häufig nicht genug Wissen und Kompetenzen vorhanden sind und dieser Mangel gleichgesetzt wird mit dem Vorwurf ein_e "schlechte Lehrer_in" zu sein. Strukturelle und institutionelle Fehler des Systems, die sich dann auch in persönlichen Handlungen niederschlagen, können so kaum verhandelt werden.
  6. von NG Loius
    Ein sehr guter Artikel, spricht aus dem Herzen vieler Schülern mit nichtdeutschen Hintergrund.

    Ich bin selber auf einer der Brennpunktschulen gewesen, ich wurde dort zugeteilt, da ich damals als Teenager nach Deutschland kam und kein Wort Deutsch sprach.

    Obwohl ich innerhalb einem Jahr in allen Fächern bessere Noten hatten als die meisten deutschen Mitschülern, wurde mir von meinem Klassenlehrer nahegelegt, dass ich nicht anstreben sollte zu studieren. Da eine Ausländerin aus seine 'langjährigen Erfahrung' ein Studium in Deutschland nicht schaffen würde. Er empfahl mir damals Floristin zu werden.

    Nicht nur er, sondern die Mehrheit der Lehrerschaft hatten eine gemeinsame Linie gehabt, was die Zukunft ausländischen Schülern betraf. Nur eine einzige Lehrerin, die selber auf der Schule unter den Lehrenden ausgegrenzt war, hat mich ermutigt, meinem Weg zu gehen.

    Ich bin letztlich aufs Gymnasium gewechselt und habe studiert. Heute lehre an einer deutschen Hochschule.

    Viele meiner damaligen Mitschülern, arabischen oder türkischen Herkunft waren sehr freundlichen, durchaus fleissigen Schülern. Viele von ihnen haben sich in der Tat aus Trotz sich schlecht verhalten, da einige Lehrern von ihnen gerade zu Gewalt und schlechte Noten erwarteten. Das war sehr traurig zu sehen.

    Danke für diesen Artikel, endlich spricht man über ein Thema, das schon längst überfällig ist.
    1. von Klaus Backer
      Antwort auf den Beitrag von NG Loius 20.03.2017, 14:37:23
      Ich bin sehr erstaunt. Wenn Sie so erfolgreich zur Schule gegangen sind mit anschließendem Abitur und abgeschlossenem Hochschulstudium, dann bin ich schon enttäuscht, dass Sie dann so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler machen.
    2. von Detlef Wulff
      Antwort auf den Beitrag von NG Loius 20.03.2017, 14:37:23
      Ich war 40 Jahre Lehrer einer Berliner Schule, seit 1982 an einer Realschule in Tempelhof-Schöneberg, jetzt integrierte Gesamtschule, bin seit 2012 im Ruhestand, bis dahin ca. 60% Migranten. Der Beschreibung der Kollegin hinsichtlich der SchülerInnen und der KollegInnen stimme ich weitgehend zu. Daraus abgeleitete Folgerungen, insbesondere den Vorwurf von (ALLTAGS-) RASSISMUS lehne ich vehement ab.
      Zwei Punkte erscheinen mir wesentlich:
      1. Bereit in den 70-iger Jahren zeigte "Arno Combe" (Kritik der Lehrerrolle/List ISBN 3471616624), dass der Lehrer "traditionelle Behinderungen" überwinden muss, ehe er in der Lage ist, die neue Funktion einzunehmen. Damals waren es nicht Migranten, sondern im schichten-spezifischen Modell die "Arbeiterkinder" mit ihrer eigenen schichten-spezifischen Sprache. Nichts anderes ist es heute.
      Zwischen einem Lehrer der 60 Jahre als ist und SchülerInnen, die mit 6 Jahren in die Schule kommen liegen 2 bis 3 Generationen. Wen wundert es, dass diese Lehrkräfte die "Sprache" der jüngsten Generation weder sprechen noch verstehen kann. Die frisch von den UNI kommenden jungen Lehrkräfte verstehen die Sprache sehr wohl.
      2. Heute erwerben die Lehrkräfte in der Lehrerausbildung alle Kompetenzen, die sie auch befähigen, den Job eines "Sozialarbeitern" zu machen. Die älteren Lehrergenerationen erwarben in erster Linie Kompetenzen hinsichtlich der Lehre. Das "Erziehen" war primär Sache der Eltern (ist es vom Grundsatz auch heute noch), was sich nicht zuletzt durch die ökonomischen Zwänge der modernen Gesellschaft verändert hat.
  7. von Janina S
    Meine Meinung aus Elternsicht, die ein Kind bis zum Abitur gebracht hat und über die Jahre hinweg die Erfahrung von 5 Schulen aus 2 Bundesländern hat, daneben noch die familiäre Brille der anderen Seite mit 2 Lehrern und 2 Schulsekretärinnen in der Familie:
    An der Position ist eine ganze Menge dran. Wie viel, sieht man ja auch schon an ersten Antworten hier, die voraussichtlich aus Lehrersicht geschrieben sind. Natürlich sind auch viele Eltern problematisch, natürlich liegt viel auch in der Erziehung. Genau an dieser sind die Lehrer aber mit beteiligt! Pädagogik, die Kunst der Kindesführung...

    Hier in Berlin haben wir 2 Schulen kennengelernt. Die eine war keine Brennpunktschule, entsprach aber ansonsten voll und ganz dem entworfenen Bild. Das geht auch außerhalb von Brennpunkt. Nach außen hui und hochgehaltene Werte, tatsächlich fast nichts dahinter - außer einem manchmal gegenüber den Schülern schon an Verachtung grenzenden Menschenbild. Duldung und faktisch sogar indirekte Förderung von Mobbing inklusive.

    Ein Vorfall von wirklich sehr böser Denunziation, gegen den man sich hätte juristisch wären können und vielleicht müssen, wenn so etwas in der Abiturphase nicht enorme Energien gekostet hätte, die man woanders gebraucht hat, um dem Lebenslauf nicht nachhaltig zu schädigen, hat dann dazu geführt, dass in der Oberstufe noch einmal die Schule gewechselt werden musste.
    Was für ein Glück im Unglück! Es gibt sie nämlich, die anderen Schulen. Eine Brennpunktschule, die Werte noch lebt und sich intensiv damit auseinandersetzt. Eine Schule, bei der Werte nicht aufs Aushängeschild geklebt, sondern von den Lehrern vorgelebt werden. Eine Schule, die Respekt und Achtung vorlebt, was bedeutet, dass das nicht nur von Schülern gegenüber den Lehrern als Einbahnstraße erwartet wird, sondern im Umgang untereinander und - wichtig - auch im Verhältnis Lehrer zu Schüler und... Lehrer untereinander!

    Das hat nur Wert, wenn die dunkle Seite thematisiert wird!
  8. von Günter Becker
    Zwar bin ich nicht unter den Adressate, die um eine Antwort gebeten worden sind. Bin aber selbst jahrelang Schüler gewesen und habe inzwischen drei Kinder durch unser Berliner Schulsystem gebracht. Vor diesem Hintergrund würde ich Folgendes anmerken

    Es gibt in der Tat Lehrer und Schulleiter(innen), die mindestens genauso unmotiviert sind wie die Schüler. Es gibt aber auch das Gegenteil. Bei Schulleitern besteht manchmal guter Wille, aber es fehlt teilweise die Personalführungskompetenz. Zum Dienstalter besteht allenfalls eine Korrelation. Unmotivierte Lehrer mit vielen Dienstjahren sind vielleicht etwas häufiger als Anfänger.

    Es gibt auch motivierte und unmotivierte, sogar gewalttätige Schüler. Die hat es schon zu meiner Schulzeit gegeben, in der Grund- und Hauptschule mehr als im Gymnasium.

    Das Problem, dass manche männliche Schüler sich von Lehrerinnen nichts sagen lassen mögen, ist neu. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass es früher viel mehr männliche Lehrer an den Schulen gab. Wenn einer die Lehrerinnen geärgert hat, bekam der Probleme.

    Ein Problem, dass in dem Artikel nicht erwähnt wird, sind die Eltern. In meiner eigenen Zeit als Elternvertreter habe ich erlebt, dass ein Erdkundelehrer massivem Druck ausgesetzt wurde, weil er mit Einsen sparsamer war, als besonders die Mütter gut fanden. In einem anderen Fall mussten zwei 10. Klassen zusammengelegt werden. Die Eltern fanden das ganz furchtbar. Es gelang mir, die Direktorin zu überzeugen, die Schüler miteinander reden zu lassen. Das ergab schnell eine Lösung.

    Eine Bekannte von mir, die als Lehrerin gearbeitet hat, berichtete sich, dass Mütter mit Migrationshintergrund sich gegen sie verbündet hätten. Schutz durch ihre Direktorin hat es nicht gegeben.

    Fazit: Auch wir Eltern stellen einen Teil des Problems dar. Und es ist als Elternteil nicht leicht, zwischen dem Wunsch, seine Kinder zu unterstützen, der eigenen Inkompetenz und der der Lehrer zu unterscheiden.
  9. von Klaus Backer
    Was für eine weltfremde und pauschale Verurteilung. Ich erlebe seit über 30 Jahren als Lehrer im Berliner Schuldienst etwas anderes. Ich erlebe bemühte Lehrer, die von der Schulverwaltung drangsaliert werden und im Konfliktfall alleingelassen werden. Und ich erlebe massenhaft unmotivierte Schüler, für die pünktlicher und regelmäßiger Schulbesuch eine Zumutung ist. Und ich erlebe ganz besonders männliche muslimische Schüler, die sich insbesondere von Frauen nichts sagen lassen wollen. Ich weiss nicht, was die Kollegin da sieht.
    1. von Janina S
      Antwort auf den Beitrag von Klaus Backer 20.03.2017, 12:42:40
      Ich stelle nicht in Abrede, dass es das gibt, was Sie da gesehen haben. Meiner Meinung nach stellt auch Ihre Kollegin nicht in Abrede, dass es das gibt, was Sie gesehen haben. Das schreibt sie ja sogar. Anstatt also diese Kollegin zu fragen, warum sie die Dinge, die Sie sehen, nicht gesehen haben, sollten Sie sich lieber fragen, warum Sie die Dinge nicht sehen, welche die Kollegin und offenbar noch einige andere sehen!

      Hier geht es ja gerade um eine völlig einseitige Darstellung, welche die Schuld immer woanders sieht, natürlich nur nicht bei den Lehrern.
    2. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Klaus Backer 20.03.2017, 12:42:40
      Da erlebe ich wieder völlig anderes; auch mit muslimischen Schülern. Die von Ihnen beschriebenen Zustände werden ja sehr oft in den Medien verhandelt, die im hier veröffentlichten Text aber eher nicht. Deshalb können wir froh sein, wenn wir auch die anderen Puzzleteile des Gesamtbildes besprechen können. Multiperspektivität ist für uns Lehrer_innenn ja eine der Leitlinien.
  10. von Franz Fuchser
    Die Lehrer als "Hauptproblem" zu bezeichnen, geht zu weit. Das Hauptproblem sind weder die Lehrer noch die Schüler an sich, sondern die Frage, wie Schule in Deutschland mit kulturellen Differenzen umgeht. Es gibt fremde Kulturen, in denen Bildung und Aufstieg durch Bildung viel gilt. In China und Japan ist es so. Deshalb gibt es keine Probleme mit chinesischen oder japanischen Schülern an deutschen Schulen. Kinder polnischer Eltern in Deutschland übertreffen sogar die deutscher Eltern bei der Abiturquote. Auch unter islamischen Schülern gibt es je nach sozialem, konfessionellem und kulturellem Hintergrund große Unterschiede.

    Schulleitung und Lehrerschaft müssen sich mit der Frage beschäftigen, wie man die Kinder bildungsferner People of Color für Bildung begeistern kann. Lehrreicher als jede Theorie dürften anschauliche Beispiele sein. Warum reisen die Schulleitung und eine Handvoll Lehrer nicht mal in den Ferien nach London und hospitieren dort eine Woche am Haberdashers' Aske's Hatchham College. Das ist eine Schule, die eine Stiftung inmitten einer sozial schwierigen Nachbarschaft im Südosten Londons betreibt. Drei Viertel der Schüler sind Farbige. Die Ergebnisse sind herausragend. Warum soll man so etwas nicht in Berlin nachmachen können?