Unverschämte Schüler, frustrierte Lehrer  Das Wunder ist, wie wenig rassistisch die Kollegen sind!

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Lehrer

Expertise:

Olaf Schäfer ist Lehrer an einer so genannten Brennpunktschule in Berlin-Neukölln.

Ich kann die Kolleginnen verstehen, denen die Hand ausrutscht, wenn ein Schüler sie als "blöde Hure" beschimpft. Wir Lehrer an Brennpunktschulen sind nicht Jesus, wir haben Grenzen.

Ich unterrichte das Fach Lebenskunde an einer so genannten Brennpunktschule in Neukölln. Ich teile die Kritik an den Lehrern nicht. Natürlich gibt es, wie in jedem Beruf Menschen, die ihren Job besser oder schlechter machen. Natürlich gibt es auch Kolleginnen und Kollegen, die sich gelegentlich nicht adäquat gegenüber Schülern verhalten oder sich nicht politisch korrekt äußern. Und natürlich gibt es in der Schule auch Rassismus. Björn Höcke von der AfD ist bestimmt nicht der Einzige, der hier Ansichten vertritt, die einem Pädagogen nicht würdig sind. Aber eigentlich wundere ich mich immer wieder, wie wenig rassistisch meine Kolleginnen und Kollegen sich äußern.

Schülerinnen und Schüler äußern sich offen rassistisch - etwa gegenüber Romakindern

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Umgekehrt wundere ich mich gelegentlich wie rassistisch sich Schülerinnen und Schüler äußern, etwa wenn es um die Roma an unserer Schule geht. Erst letzte Woche beschwerte sich ein Mädchen aus einer libanesischen Familie bei mir bitter über "die Syrer” und “die Flüchtlinge”, die auf der Karl-Marx-Straße ständen und dort Mädchen anmachten und “die doch wieder abhauen sollten”. Ja, das gibt es und ein Stück weit ist das auch Normalität. Wer zuletzt kommt, muss sich seinen Platz erkämpfen und die, die schon ein bisschen länger hier sind entwickeln das “Gatekeeper-Syndrom” und erklären denen, die zu letzt kommen, dass hier eigentlich kein Platz mehr wäre.

Natürlich gibt es ein hohes Gewaltpotential. Das fängt in den Familien an, wo Kinder häufig noch geschlagen werden und setzt sich auf der Straße und dem Schulhof fort. Und dass eine Kollegin die Nerven verloren hat und handgreiflich wurde, habe ich auch schon erlebt. Das kommt schon gelegentlich vor und dass es nicht häufiger vorkommt, ist für mich ein Wunder! Ich höre pro Woche zahlreiche Respektlosigkeiten und Beleidigungen. Von “bist du schwul?” bis “Lutsch meinen Schwanz” ist da alles dabei. Und ich rede hier von einer Grundschule!

Ich verstehe Lehrer/innen, denen die Hand ausrutscht, wenn sie übel beleidigt werden

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Und wenn eine Kollegin, die etwa als “blöde Hure” beschimpft wird, sich nicht mehr im Griff hat, und dem Jungen eine knallt, kann ich das verstehen, auch wenn ich es nicht gut oder akzeptabel finde! Aber daraus gleich einen Fall für den Internationalen Gerichtshof zu machen, halte ich für absolut übertrieben. Wir sind nicht Jesus und wir können nicht die Welt im Klassenzimmer retten! Wir haben einen Bildungsauftrag und müssen Kindern Lesen und Schreiben, Regeln des Zusammenlebens oder Themen der Ethik etc. nahebringen.

Wir arbeiten an den so genannten Brennpunktschulen am unteren Ende der sozialen Skala und wir haben Lehrpläne und Vergleichstests. Unseren Schülern fehlen oft die elementarsten Fähigkeiten und Einstellungen. Die Hälfte unserer Arbeitszeit verbringen wir damit, die Kinder auf ihren Plätzen zu halten, Streit zu schlichten, Nasen zu putzen, Schuhe zu binden und ansonsten bürokratische Dinge zu erledigen. Wir sehen die Früchte unserer Arbeit nur selten. Statt dessen gehören wir zu den verachteten Berufen. Wenn jetzt mal wieder jemand die Lehrer als Problemursache erkennt, so ärgere ich mich darüber ungemein!

Französisch oder Spanisch werden als Muttersprache positiv bewertet, Arabisch nicht

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Ja, unsere Schülerinnen und Schüler haben auch ganz wunderbare Fähigkeiten. Sie sind mehrsprachig, wenn sie in der ersten Klasse sitzen. Als leidenschaftlicher Musiker und Liebhaber orientalische Musik schätze ich das musikalische Talent einiger Schüler und ihrer Eltern. Und es gibt ganz wunderbare Menschen, die ich an meiner Schule kennen lernen durfte. Etwa Bosnier, Serben und Albaner, die die Freundschaft ihrer Kinder untereinander unterstützt haben und ihnen nicht das Gift des Nationalismus eingeimpft haben. Und natürlich würdigt die deutsche Schule die Talente dieser Kinder selten. Das deutsch-französische Gymnasium hat eben ein großes Ansehen, genau wie die Kinder, die Französisch, Spanisch oder einer andere “Kultursprache” als Muttersprache sprechen. Etwas ähnliches für Araber gibt es aber nicht. Das sind in der Tat Chancen, die vertan werden.

Wir reden viel über "Kopftuchurteile" statt den Migrantenanteil in den Kollegien zu erhöhen

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Aber so lange mehr über das Kopftuch von Lehrerinnen diskutiert wird als über die Frage, wie wir den “Migrantenanteil” unter den Lehrkräften erhöhen, wird sich daran auch nichts ändern.
Was wir bräuchten, wären kleinere Klassen und mehr Unterstützung. Mehr als zehn Kinder dürften nicht in einer Klasse sein, es müsste Sozialpädagogen, Psychologen und Schulhelfer geben, die sofort bei Auffälligkeiten und Krisen intervenieren.

"Problemschüler" werden nur verwaltet, statt das man ihnen zu liebe beherzt eingreift

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Und vor allem müssten die “Problemfälle” nicht jahrelang nur von der Schule und dem Jugendamt verwaltet werden, sondern es müssten schnelle und drastische Maßnahmen geben. Warum werden denn Kinder jahrelang in chaotischen Familien gehalten, wo eine Generation von “Troublemakern” nach der anderen heranwächst und wo nach kurzer Zeit klar ist, dass es den Kindern dort nicht gut geht und sie um ihre Entwicklung betrogen werden. Irgendwann passiert dann nach der fünften Jugendstrafe etwas, was schon in der ersten oder zweiten Klasse hätte passieren müssen.

Und nicht zuletzt brauchen wir natürlich Fachkräfte in interkultureller Pädagogik und Kulturdolmetscher. Als Lehrer im Zeitalter von Inklusion sollen wir zwar alles können, angefangen von sonderpädagogischen Kompetenzen bis hin zu psychologischen und sonstigen Kenntnissen. Aber wir haben auch Grenzen!

13 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Heinrich Mueller
    Was ist das für eine verquere Argumentation?

    "Erst letzte Woche beschwerte sich ein Mädchen aus einer libanesischen Familie bei mir bitter über "die Syrer” und “die Flüchtlinge”, die auf der Karl-Marx-Straße ständen und dort Mädchen anmachten und “die doch wieder abhauen sollten”. Ja, das gibt es und ein Stück weit ist das auch Normalität. Wer zuletzt kommt muss sich seinen Platz erkämpfen und die, die schon ein bisschen länger hier sind entwickeln das “Gatekeeper-Syndrom” und erklären denen, die zu letzt kommen, dass hier eigentlich kein Platz mehr wäre. "

    Wo hat das Mädchen gesagt, dass für diese Menschen "hier eigentlich kein Platz mehr wäre"? Und wie genau "erkämpft" man sich als Flüchtling durch das Anmachen von fremden Mädchen (!) "seinen Platz"? Seinen Platz als Belästiger?

    Und warum ist es ein "Gatekeeper-Syndrom", wenn man als Mädchen nicht von fremden Männer angemacht werden möchte? Und dann noch der Vorwurf, dass sie sich über das Anmachen fremder Männer beschwert, obwohl das Mädchen doch selber aus dem Libanon zugewandert ist.

    Sorry, aber so etwas ist dem Tagesspiegel nicht würdig!

    Btw: "Die, die schon länger hier sind", sind die Bürger dieses Staates, und somit der Souverän! Ob man nun aus dem Libanon eingewandert ist, oder nicht!
  2. von Herbert Rellinger
    Zehn Schüler pro Klasse? Für "Problem-Schüler", deren Eltern den Sinn eines Schulunterrichtes ohnehin nicht einsehen und ihre Söhne daher zum permanenten Stören animieren? Für die lokalen Mafia-Clans ist die Öffentliche Schule etwas vollkommen Lächerliches. Sie kann allenfalls dazu dienen, daß die Söhne das rücksichtslose Durchsetzen üben, im übrigen findet die Ausbildung auf der Straße statt. Hier gibt es offenbar ein vollständiges kulturelles Unverständnis von Seiten der Lehrer. Die Anstrengung dieser Lehrer ist Resourcenverschwendung - von Resourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden.

    1. von Barbara Kruggel
      Antwort auf den Beitrag von Herbert Rellinger 26.03.2017, 18:29:48
      Nun ja, neben den "Jung-Mafiosi" gibt es aber noch viele andere, auch Mädchen!, an die diese Ressourcen durchaus nicht verschwendet wären. Ich glaube nicht, dass die Lehrer hier "kulturelles Unverständnis" zeigen, aber es herrscht die allgemeine Schulpflicht und die betrifft Alle. Unterricht in kleinen Gruppen kommt allen zugute, vor allem denen, die sonst niedergebrüllt würden. Wer wirklich am Lernen interessiert ist, muss eine Chance bekommen!
    2. von Herbert Rellinger
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Kruggel 26.03.2017, 18:47:03
      [quote]Nun ja, neben den "Jung-Mafiosi" gibt es aber noch viele andere, auch Mädchen!, an die diese Ressourcen durchaus nicht verschwendet wären. [/quote]Ja, zweifellos. Und die Schwierigen stecken wir zu Zeki in die berüchtigte [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Fack_ju_G%C3%B6hte]Klasse 10b[/url]. Oder zu Richard Dadier im Blackboard Jungle. Leider gibt es nur wenige so engagierte Lehrer, bzw. funktioniert das nur im Film.
    3. von Heinrich Mueller
      Antwort auf den Beitrag von Herbert Rellinger 26.03.2017, 19:21:19
      Laut dem Autoren dieses Artikels haben sich die Mädchen über Anmachen fremder Männer auf der Straße nicht zu beschweren, sondern müssen das ertragen. Schließlich sind solche Anmachen "Normalität". Wer das nicht möchte, hat ein “Gatekeeper-Syndrom”.
    4. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Herbert Rellinger 26.03.2017, 18:29:48
      Bei einer derartigen Verkürzung der Probleme bleibt mir als Lehrerin wirklich die Spucke weg. Ihr Kommentar hat dann damit auch gar keinen Zusammenhang mit dem von mir als Lehrerin erlebten Alltag. Wenn Sie die Debatte bereichern möchten, braucht es mehr...
  3. von Gabriele Flüchter
    "Das Wunder ist, wie wenig rassistisch die Kollegen sind!"
    Olaf Schäfer schreibt so, wie viele Lehrkräfte, die ich kennengelernt habe, schreiben würden.
    Alleine der Titel drückt eine Denkweise aus, die ich für durchaus repräsentativ halte, nicht nur an Brennpunktschulen.

    Dass die Schülerschaft das Verhalten der Lehrerschaft ursächlich begründet, ist ein gerne gewähltes Erklärungsmuster für Übergriffe auf Seiten der Lehrerschaft.

    Ohne eine grundlegend veränderte Form der Schulaufsicht ist da aber nichts zu machen geht das immer so weiter.
  4. von Barbara Kruggel
    Im Artikel und im Kommentar prallen Praxis und Theorie zusammen. Es ist wohlfeil, mit Literaturhinweisen und ähnlichen Ratschlägen zu reagieren. Der betreffende Kollege ist m.E. auch weder rückschrittlich noch latent rassistisch, sondern er schildert die Praxis nicht in Neusprech (Herausforderung etc pp) und beschreibt einen zermürbenden Arbeitsalltag. Seine Vorschläge sind klar: kleine Gruppen, Unterstützung. Damit dürfte er breite Zustimmung finden. Allerdings nicht von offizieller Seite, denn diese Maßnahmen sind sehr kostenintensiv. Stattdessen gibt es schöne Worte und Weiterbildungen, über deren Nutzen im Tsp. berichtet wurde. "Wir sind nicht Jesus, wir haben Grenzen." Diese Grenzen werden Lehrern offenbar nicht zugestanden. Der Kollege spricht auch nicht herablassend über Schüler und Eltern, er beschönigt nur nichts. Der "Diskurs zum Thema" dürfte an ihm vorbeigehen, denn den Beteiligten an diesem Diskurs mangelt es u.U. am Kontakt mit der Realität. Interessant übrigens, dass auch einem Kommentator, der die sprachlichen Fähigkeiten des Autors bekrittelt, ein Rechtschreibfehler unterlaufen ist: "mängel" ist ein Nomen und müsste groß geschrieben werden. Ironisch, nicht wahr? Dem Kollegen wünsche ich, dass er stehend die Pensionierung erreicht"
    1. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Kruggel 26.03.2017, 18:06:17
      Liebe Kollegin, ich komme aus der Praxis und habe inhaltlich und nicht ad personam kommentiert. Da Sie in Ihrem Kommentar meine Literaturvorschläge angesprochen haben, gehe ich davon aus, dass Sie sich auf meinen Kommentar beziehen. Ich habe den Kollegen weder für seine Forderung nach kleinen Klassen kritisiert und ich kann auch mitgehen bei der Forderung, dass Fortbildung besser werden muss. Wenn Sie allerdings das Verständnis und auch die Rechtfertigung von Angriffen auf Schüler_innen ("Wir seien nicht Jesus", "es könne nicht zugehen wie beim internationalen Gerichtshof") dann entsetzt mich dies. Darüber hinaus habe ich im zweiten Teil meines Kommentars erläutert, warum die pseudo-positiven Kommentare problematisch sind. Auch die Beschreibung der Missstände des Kollegen greifen zu kurz und verallgemeinern im Sinne des Artikels über die "Problemlehrer". Dies wiederum bedeutet nicht, dass es keine Schwierigkeiten gibt und Eltern (weiße, Schwarze und PoC), die ihre Kinder schlagen oder besondere Förderung bedürfen. Bisher ist auch in keinem Kommentar davon die Rede gewesen, dass der Kollege ein Rassist sei oder dass er nicht an Grenzen kommen dürfe. Gerade deshalb wäre es neben z.B. kleineren Klassen (um einmal dieser Forderung zu folgen) sehr sinnvoll sich mit dem Diskurs zu beschäftigen, den Sie als praxisfern bezeichnen. Das ist er nämlich ganz und gar nicht und all das, was ich im Rahmen von Studium und Fortbildung dabei gelernt habe, hilft mir und meinen Schüler_innen guten Unterricht zu machen, eine bessere Lehrerin zu sein und eben nicht an meine Grenzen zu kommen (was auch Schlagen niemals rechtfertigen kann). Übrigens unterrichte ich auch an einer so genannten Brennpunktschule. Mit freundlichen Grüßen
    2. von Barbara Kruggel
      Antwort auf den Beitrag von Miriam Sigma 26.03.2017, 19:46:23
      Liebe Kollegin, ich rechtfertige keinesfalls, dass Lehrerinnen handgreiflich werden. Aber ich finde, es ist im Bereich des Menschlichen. Wie genau sich dieser Vorfall abgespielt hat, wissen wir nicht, daher bleibt jeder Kommentar im Ungefähren. Dennoch bleibt fest zu halten, dass an Brennpunktschulen, an denen nicht alle Kollegen einheitlich reagieren und die Schüler nicht einen gegen den anderen ausspielen können, Lehrer und auch Lehrerinnen vor einer fast unlösbaren Aufgabe stehen. Ab einer gewissen Anzahl von Dienstjahren reichen oft die Kräfte nicht mehr aus. Auch daran sollte man denken. Nicht umsonst können viele Kollegen nicht bis zum regulären Ende ihrer Dienstzeit durchhalten. Ich konnte es auch nicht.
  5. von Jendrik Hilgerloh
    Sie erklären/rechtfertigen also das Verhalten der Lehrer*innen mit dem der Kinder? Ist das Benehmen von neunjährigen wirklich ihr moralischer Maßstab?
    Der Lehrjob an Brennpunktschule stellt mit Sicherheit eine überdurchschnittliche Belastung dar, aber so dramatisch, wie sie es klingen lassen, wirkt es schon leicht sozialchauvinistisch. Wer so herablassend über seine Schüler und deren Eltern spricht ist möglicherweise im falschen Job. Möglicherweise, folgt er aber auch nur einer populären Unterströmung im Diskurs zum Thema, ohne sich dessen besonders bewusst zu sein. Das Lehramt wird öffentlich sicherlich kritisch bewertet und viele Lehrer verdienen auch mehr Anerkennung, aber Verachtung kann ich im Diskurs dazu nicht erkennen.
    Dem Appell nach einem höheren anteil Migrant*innen im Lehrkörper kann ich nur zustimmen, aber einer so vehementen Einschränkung der Religions- und Ausdrucksfreiheiten kann schlicht nicht genug diskutiert werden. Die Jugendämter arbeiten so, wie sie das tun, weil ihnen das Geld für eine bessere Betreuung und besonders für die Unterbringung oft fehlt, was uns natürlich wieder zur Budgetfrage und zu Steuern führt.

    'Wenn jetzt mal wieder die Lehrer als Problemursache erkennt, so ärgere ich mich darüber ungemein!' - Das ist kein Satz. verschiedene Möglichkeiten stehen zur Reparatur bereit: 'erkennt' durch 'erkannt wird' zu ersetzen wäre einer davon.
    'Was wir bräuchten, wären klein Klassen und mehr Unterstützung.' - Das Adjektiv 'klein' ist nicht korrekt dekliniert. Weil wir es mit mehreren Klassen zu tun haben muss es in die Mehrzahl gesetzt werden: 'kleine'.
    Ist es nicht ironisch, dass ein über Schüler klagender Lehrer so eklatante mängel in der Grammatik aufweist?
  6. von Miriam Sigma
    1. Als Kollegin schockieren mich einige der hier getroffenen Aussagen und ich möchte davon ausgehen, dass der Kollege diese aus Gründen der begrenzten Zeichenanzahl und dem Wunsch "Verteidigung" unseres Berufstandes (die m.E. nicht nötig ist) so getätigt hat. Das Schlagen und andere körperliche und psychische Angriffe auf Schüler_innen muss als Teil unseres Berufsethos immer inakzeptabel bleiben, auch wenn Hilflosigkeit und mangelnde Professionalität das Verständnis erleichtern wie es zu solchen Übergriffen kommt. Schon im Vorfeld muss solchen Kolleg_innen geholfen werden und ein Teil davon geschähe, wenn wir uns professionalisierten auch im Sinne des Artikels der Kollegin über "Problemlehrer". Irritierend hier auch, dass der Kollege Schlagen anscheinend eher seinen weiblichen Kolleginnen* zuschreibt. Den "Rassismusvorwurf" nicht zu bearbeiten, sondern sogleich abzuwälzen und die rassistischen Schüler_innen anzuführen, entspricht meiner Erfahrung in Kollegien, sich dann eben nicht mit sich selbst auseinander zu setzen. Dabei ist genau dies Voraussetzung, um mit Schüler_innen diskriminierungskritische Bildung nachhaltig zu begehen. Nur wenn hier Wissen und Kompetenzen in Kollegien vorhanden sind, wird z.B. verstanden, was internalisierte Diskriminierung im System Rassismus ausmacht und warum neben anderen Gründen Diskriminierungserfahrene selbst andere diskriminieren. Abgesehen davon kann ich die Beobachtung des Kollegen nicht teilen, dass Lehrer_innen noch überraschend wenig diskriminierten. Die Institution und ihre Struktur begünstigen doch in vielfältiger Weise Diskriminierung und wir brauchen selbst nur eine geringe Dosis Vorurteile, um graviererende Diskriminierung auszulösen. Als Einstieg für eine fachliche Auseinandersetzung empfehle ich Interessierten an dieser Stelle Bücher wie "Allein unter Weißen", "Deutschland schwarz weiß" oder "exit racism". Darauf sollten dann wissenschaftliche Texte von P. Mecheril, M. Massumi, M. Eggers uva plus Fortbildungen folgen.
    1. von Miriam Sigma
      Antwort auf den Beitrag von Miriam Sigma 26.03.2017, 14:15:17
      2. Da wir spätestens im Referendariat in Selbstreflexion geschult wurden, sollte uns dies auch im Rahmen von öffentlichen Debatten nicht schwer fallen, denn es ist relevanter Teil unserer Arbeit. Und wenn wir beginnen zu beobachten, dass es uns doch schwer fällt, müssen wir dem professionell begegnen (siehe z.B. Fortbildungen). Fehler und Problemfelder zu erkennen und zu begegnen, macht uns nicht zu schlechten Menschen, sondern zu besseren Lehrer_innen. Wir haben einen der besten Berufe, die es gibt und ebenso wie wir Mängel im System, in Ausstattung, Ausbildung. Unterstützung (z.B. Supervision) und vielen anderen Bereichen im Sinne der Schüler_innen und uns in unserer professionellen Rolle anprangern müssen und uns für Veränderungen einsetzen, sollten wir nicht bei uns selbst haltmachen.
      Mit welchen Brillen schauen wir auf die Welt und unsere Schüler_innen? Im vorliegenden Artikel sind Schüler_innen und ihre Eltern toll, wenn und weil sie nicht nationalistisch erziehen und gute Musik machen. Mit diesen Aussagen werden die fachlich kompetenten Aussagen des Kollegens z.B. zur Wertigkeit von Mehrsprachigkeit in Abhängigkeit zu der gesprochenen Sprache (Englisch gleich gut, Arabisch gleich weniger gut) dann doch wieder relativiert. Schüler_innen an sog. Brennpunktschulen singen und tanzen nicht allein gut, sie bringen auch jede Menge informelles Wissen (das leider nicht unbedingt mit dem von Schule erwarteten informellen Wissen übereinstimmt) mit. Auch habe ich noch nie ein Lob weißer deutscher Eltern gehört, das deren nicht nationalistische Erziehung lobt und darauf achtet, ob z.B. Ferdinand auch mit Mohamed, Lisa, Onur und Binta befreundet ist oder sich vor allem mit seinesgleichen tummelt. Abschließend möchte ich noch auf unseren Auftrag verweisen, die Rahmenpläne mit den fächerübergreifenden Themen und Zusammenhängen zwischen z.B. Ergebnissen der Schulinspektion und den Inhalten des Artikels über "Problemlehrer". Dennoch danke an den Kollegen. MfG