Braucht Deutschland ein Einheitsdenkmal Wenn's dann mal steht, dann finden es die Leute gut!

Bild von Florian Mausbach
Stadtplaner und ehemaliger Präsident Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Expertise:

Florian Mausbach ist Stadtplaner. Von 1995 bis 2009 war er Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.

Viele Denkmäler wurden erst bekrittelt - und später zu großen Erfolgen. Siehe Holocaust-Mahnmal. 

Erinnern wir uns an den langwierigen Streit um die Reichstagskuppel, das Symbol der Souveränität des Parlaments? Es war Oscar Schneider, früherer Bundesbauminister, der sie als Bundestagsabgeordneter gegen alle Widerstände beharrlich durchgesetzt hat – der Beschluss zum Bau der Kuppel wurde im Ältestenrat mit nur einer Stimme Mehrheit gefasst. Heute ist die begehbare Kuppel das Symbol der Berliner Republik und die Menschen stehen Schlange.

Erinnern wir uns an die Neue Wache, die Helmut Kohl mit Hilfe von Christoph Stölzl als nationale Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft neu gestalten ließ? Ohne Öffentlichkeit, um den Aufschrei wegen des Verdachts der „Geschichtsrelativierung“ wie bei des Kanzlers Initiative für ein Deutsches Historisches Museum zu vermeiden. Die lebensgroß vergrößerte Pieta von Käthe Kollwitz löste dann Proteststürme in den Feuilletons aus. Heute erlebt man die Besucher in Schinkels Neuer Wache vor der Mutter mit totem Sohn in andächtig betroffener Stille.

Auch das Holocaust-Mahnmal war erst umstritten. Heute gehört es zum Stadtbild

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Die langjährige leidvolle Geburt des Holocaust-Mahnmals ist bekannt. Noch am Ende wurde Eisenmans und Serras preisgekrönter Entwurf vom neuen Kulturstaatsminister Michael Naumann infrage gestellt. Als dann ein unterirdischer Informationsort beschlossen war, lenkte er schließlich ein. Heute gehört das begehbare und doch würdige Mahnmal in der abstrakten Gestalt eines jüdischen Gräberfelds eindrucksvoll und unverzichtbar zum Stadtbild der Hauptstadt.

Darf nach dem Rückblick in den Abgrund der deutschen Geschichte mit den Opferdenkmalen um das Brandenburger Tor den Menschen nicht auch Ausblick und Hoffnung in die Zukunft geboten werden? Am Fluchtpunkt der Linden soll auf der Schlossfreiheit vor dem als Humboldtforum der Weltkulturen wieder errichteten Schloss in Freude und Stolz die geglückte Friedliche Revolution gefeiert werden. Das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal – so der Wunsch der Initiatoren – soll, erst die Freiheit, dann die Einheit, ein Denkmal der Friedlichen Revolution von 1989 sein, ein Revolutionsdenkmal! Es soll nach historischen Abgründen und Irrwegen die in einer demokratischen Revolution erfolgreich errungene Freiheit und Einheit feiern.

Der Ort der Schlossfreiheit ist gut gewählt

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Der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals erinnert an die erste deutsche Einheit von oben unter Bismarck. Auf dem Sockel des Deutschen Reiches – Kaiser Wilhelm ist nicht mehr - fußt als Rechtsnachfolgerin die Bundesrepublik Deutschland. Es ist eine Einheit von unten, in demokratischer Revolution erkämpft, in Grenzen im Einklang mit den europäischen Nachbarn. Der Ort der Schlossfreiheit erinnert an den historischen Werdegang der demokratischen Revolution in Deutschland, an die liberale Paulskirchen-Revolution von 1848 -  dramatischer Höhepunkt die Barrikaden am Berliner Schloss und das „Hut ab!“ des Königs vor den Märzgefallenen-, an die soziale und demokratische Revolution von 1918 - der mächtige Trauerzug mit den Opfern der Novemberrevolution zog über die Schlossfreiheit- und an den 4. November 1989 - der Hauptstrom der Demonstranten zog über die Schlossfreiheit vor den Palast der Republik ins Machtzentrum der SED und von dort zum Alexanderplatz zur größten Kundgebung, die die DDR je erlebte. Wenige Tage später fiel am 9. November die Mauer.

Der Spitzname "Wippe" klingt volkstümlich - es könnte ein Fest werden!

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Der preisgekrönte Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmal „Bürger in Bewegung“ von Johannes Milla und Sasha Walz ist nach Lösung aller technischen und Sicherheitsfragen durch Milla&Partner bis zur Baureife weiter entwickelt worden, die Baugenehmigung erteilt. Wie die Reichstagskuppel und das Holocaust-Mahnmal ist es begehbar. Es lädt zur Mitwirkung ein, ist allgemeinverständlich und ohne falsches Pathos. Der Schwung der Schale setzt vor die barocke Schlossfront ein zeitgemäßes Zeichen. Der Spitzname „Wippe“ kann volkstümlich werden. Es soll ja ein Volksfest werden. Unsere Demokratie bewegt sich, wie durch Stimmengewichte in einer Waagschale, mal mehr nach links, mal mehr nach rechts. Schulklassen können das ausprobieren. Als bewegtes und bewegendes Denkmal und geschichtsträchtiger Ort erinnert es an den aufrechten Gang der Revolutionäre von 1989 und deren historische Vorkämpfer. Es ermutigt ihnen nachzueifern in der Mitgestaltung und Verteidigung unserer mit so vielen Opfern erkämpften freiheitlichen und sozialen Demokratie.

Christoph Stölzl, ehemaliger Direktor des Deutschen Historischen Museums, fand auf der jüngsten Denkmal-Veranstaltung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters die richtigen Worte:„Manchmal geht es mäandernd um ein paar Ecken, mit Boxenstopp und Durchatmen. Gar nicht schlecht. Macht doch gar nichts. Das Land fällt doch nicht auseinander, wenn`s ein bisschen später gebaut wird. Und dann vielleicht im Konsens. Wenn`s dann mal steht, dann finden es die Leute gut und meistens die Gegner ganz schnell ganz schön.

 

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