Exklusive Bundesliga der Universitäten Nicht nur um Spitze, auch um die Masse geht es

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Grünen-Abgeordneter im Bundestag

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Kai Gehring ist Grünen-Bundestagsabgeordneten und Sprecher für Hochschule, Wissenschaft und Forschung

Der Bund will ausgerechnet die Exzellenzunis auf Dauer finanziell unterstützen. Da läuft vieles auf eine „universitäre Spitzenforschungsvereinbarung“ hinaus. Doch statt solcher Art Erstarrung braucht es gerade in der Exzellenzinitiative einen dynamischen Wettbewerb mit Auf- und Absteigern. Dauerhaft sollte der Bund sich stattdessen um die Grundfinanzierung der unterfinanzierten Hochschulen kümmern.

Seit Anfang 2015 darf der Bund den Ländern für ihre Hochschulen dauerhaft Geld geben. Zuvor war das laut Grundgesetz nur über zeitlich befristete Wissenschaftspakte möglich. Der neue Grundgesetzartikel 91b soll nun erstmals genutzt werden: für die neue Exzellenzinitiative. Diesen Bund-Länder-Pakt zu verstetigen überrascht: Es wäre funktional widersinnig, ausgerechnet die Exzellenzinitiative auf Dauer fortzusetzen. Denn gerade sie setzt auf den dynamischen Wettbewerb um Spitzenforschung. Zugleich ignoriert der Bund das seit Jahren vordringlichste Problem der deutschen Wissenschaftslandschaft: Die Grundfinanzierung der Hochschulen stagniert und erodiert, während die Abhängigkeit von Drittmitteln weiter steigt. Daran will Ministerin Wanka nichts ändern.

Spitzenforschung braucht einen dynamischen Wettbewerb.

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Zwei Halbzeiten Exzellenzinitiative haben die Universitäten gespielt. Es gab viel Wirbel und Dynamik, Gewinner und Verlierer. Mit Macht drängt nun der Bund darauf, der alten Exzellenzinitiative ihre Dynamik zu nehmen. Die vielbeachteten und sinnvollen Empfehlungen der „Imboden-Kommisson“ hat die Bundesforschungsministerin offenbar größtenteils in die Schublade geräumt. Die Exzellenzprämie für die 10 bis 15 forschungsstärksten Universitäten scheint gänzlich vom Tisch. Unverständlich. Mit dem Konzept wären erbrachte Spitzenleistungen honoriert worden. Das hätte vorausgesetzt, dass eine internationale Kommission wissenschaftsgeleitet erarbeitet, was zu Forschungsexzellenz gehört und entsprechende Indikatoren entwickelt. Allein diese Debatte wäre es wert gewesen. Und die Exzellenzprämie hätte Universitäten viele Anträge erspart. Aber die Prämie lag nicht auf Linie der Hausspitze des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Dauerförderung für Eliteunis schließt Aufsteiger aus - das ist ein Fehler!

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Momentan läuft vieles auf eine „universitäre Spitzenforschungsvereinbarung“ hinaus. Damit würde eine exklusive Bundesliga formiert, die womöglich dauerhaft Bundesmittel erhält. Der Aufstieg in diesen erlauchten Kreis wird de facto kaum möglich sein. Besonders schwer dürften es kleine bis mittelgroße Universitäten haben, obwohl Exzellenz eben nicht von der Größe abhängt. Ein Abstieg droht nur, wenn eine Universität bei der Evaluation nach Jahren durchfällt.

Die Finanzierung zu drei Vierteln vom Bund ist ein Schleichpfad zur Bundes-Uni.

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Auch wenn die Finanzierung der Exzellenzuniversitäten zu 25% das jeweilige Sitzland trägt, wird der Bund mit seinem 75%-Löwenanteil an diesen Universitäten ein gewichtiger Akteur. Insofern ließe sich von einem schleichenden Prozess hin zu Bundesuniversitäten sprechen – auch wenn Ministerin Wanka das nicht gerne hört. Vielleicht hat sie aber auch nur vor der Debatte Angst, ob der Bund tatsächlich stärker Verantwortung für einzelne Hochschulen übernehmen sollte – wie beispielsweise für die Fernuniversität Hagen.

Statt eine exklusive Bundesliga für die Ewigkeit einzuführen, wäre es besser, bei der Exzellenzinitiative das System aus Auf- und Abstieg zu erhalten. Die Exzellenzinitiative ist jedenfalls der falsche Pakt für die Dauerförderung nach Artikel 91b. Spitzenforschung gedeiht im Wettbewerb, nicht in der Isolation.

Exzellente kleine und mittelgroße Unis werden fast keine Chance auf dauerhafte Förderung haben.

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Dauerhaft in die Mitfinanzierung der Hochschulen einzusteigen, bietet sich vielmehr beim Hochschulpakt an. Als Instrument zur gemeinschaftlichen Studienplatzförderung kann der Hochschulpakt am ehesten zur Sicherung der Grundfinanzierung beitragen. Er muss zum wesentlichen Baustein für die überfällige neue Architektur der Wissenschaftsfinanzierung werden.

Die Bund-Länder-Vereinbarung zum Hochschulpakt läuft bis 2020. Auch künftig werden viele junge Leute aus dem In- und Ausland in Deutschland studieren. Deswegen muss dieser Pakt verstetigt und die Ausgaben pro Studienplatz auf OECD-Durchschnitt angehoben werden. Das sichert Studienplätze und Stellen an den Hochschulen. Das bringt bessere Lehre und Studienbedingungen. Das bringt eine höhere Finanzierungssicherheit für Universitäten und Fachhochschulen.

Was wirklich drängt, sind Ausbau und Modernisierung vieler Universitätsbauten. Da muss der Bund ran!

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Ein immer drängender werdendes Thema ist der Ausbau und die Modernisierung der Infrastrukturen des Wissens. Bröckelnde Bauten und marode Labore passen nicht zu einer Innovationsnation Deutschland. Bauten und Ausstattung an Universitäten und Fachhochschulen müssen auf die Höhe der Zeit gebracht werden: von den Hörsälen bis zu den Bibliotheken, von den digitalen Infrastrukturen über Forschungsgeräte bis hin zu den Wohnheimplätzen.

Auf diese Hauptprobleme des deutschen Wissenschaftssystems muss sich endlich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung konzentrieren. Bund und Länder müssen einen klugen Rahmen für gute Wissenschaft setzen und eine neue schlüssige Gesamtarchitektur für die Wissenschaftsfinanzierung in Deutschland auf den Weg bringen.

--- Lesen Sie hier alle Debattenbeiträge zur Frage "Brauchen wir Bundesunis?"

--- Hier finden Sie alle Debatten zum Thema Bildung.

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