Die Macht der weißen Männer Der weiße Mann ist eine Fiktion

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Technische Universität Berlin

Expertise:

Grit Petschick ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Exzellenzcluster „UniCat“ an der Technischen Universität Berlin. Sie studierte Physik und Spanisch und promoviert nun in Soziologie mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Gender. Zudem ist sie zur Zeit komm. stellt. ZFA an der TUB.

Wer über Eliten redet, spricht oft vom weißen Mann. Diese Verallgemeinerung ist jedoch faktisch falsch und schädlich. Auch weiße Männer werden diskriminiert - von eben diesen. 

Die Frage nach der Macht der weißen Männer, präziser noch nach deren Positionen in der Welt, verlangt nach einer Differenzierung: Nicht alle Männer sind gleich. Wer also davon redet, dass es weiße Männer sind, die die wichtigsten und mächtigsten Positionen etwa in der Politik, Wirtschaft, Justiz und Wissenschaft besetzen, sollte sich fragen, um welche Männer und welches weiß-Sein es sich handelt. Wie Raewyn Connell in ihrem Beitrag ausführt, handelt es sich hierbei um eine spezifische, weiße Elite, um Männer bestimmter sozialer und nationaler Herkunft: um Männer der Oberschicht aus westlichen Ländern.

Die herrschende Elite ist somit nicht nur weiß, sondern besonders auch einer bestimmten Klasse zuzuordnen. Es ist genau diese weiße, männliche Elite, die die Welt dominiert. Ausnahmen wie Barack Obama und Angela Merkel bestätigen die Regel, lassen jedoch gleichzeitig auf einen langsamen und zähen Wandel hoffen. Dennoch dominieren die westlichen Länder, in Persona meist weiße Männer „aus gutem Hause“, besonders aufgrund ihrer postkolonialen Wirtschaftsmacht heute nach wie vor das Weltgeschehen.

Es gibt nicht den einen weißen Mann, sondern verschiedene weiße Männer. 

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Die allgemein konstatierte männliche Herrschaft ist zudem - entsprechend einer üblichen Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter – eng mit der Benachteiligung von Frauen verbunden. Aber auch bei dieser Aussage, wenngleich  ihr durchaus zugestimmt werden kann, ist eine weitere Differenzierung möglich und nötig: Die Vormachtstellung der westlichen Länder gegenüber dem „Rest“ der Welt impliziert nicht nur eine Besserstellung von bestimmten Männern, sondern auch eine Besserstellung von bestimmten Frauen gegenüben anderen Frauen – und auch gegenüber anderen Personengruppen: etwa die Vormacht von aus westlichen Ländern stammenden, „weißen“ Frauen aus gehobenen und hohen Schichten gegenüber Frauen und anderen Personengruppen. Welche Personengruppe(n) gegenüber anderen privilegiert oder benachteiligt ist, sollte dementsprechend immer kontextspezifisch betrachtet werden. Wie sich verschiedene Merkmale (Kategorien) dabei verstärken oder aufheben, ist eine Frage, der sich die Intersektionalitätsdebatte versucht anzunähern.

Die Grenze zwischen arm und reich hat nicht zwingend etwas mit dem Geschlecht zu tun. 

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Zurück zur Ausgangsfrage: Wie steht es heute um die Macht der alten weißen Männer? Es lohnt eine Betrachtung der Machterhaltung. Der Machterhalt der herrschenden Eliten und anderer privilegierter Personengruppen wird nach wie vor institutionell gestützt. In Deutschland wird dies etwa an den aktuellen Debatten um den Armutsbericht und am Bildungssystem sichtbar, denn stärker als in anderen Ländern (auch im Vergleich zu anderen westlichen) hängt der Erfolg einer Person im deutschen Bildungssystem nach wie vor stark von dem Bildungsabschluss ihrer Eltern ab.

Gleichzeitig wird die Kluft zwischen Elite (reich) und dem „Rest“ (arm) immer größer – und dies ungeachtet von Merkmalen wie sozialer und nationaler Herkunft, religiöser Orientierung, Sexualität oder Geschlecht (d.h. auch allgemein privilegierte Personengruppen wie weiße, heterosexuelle Männer aus westlichen sind hiervon betroffen, wenn auch nicht immer im gleichen Maße wie andere Personengruppen). Während aufgrund von Normalarbeitsverhältnissen und sozialstaatlicher Absicherungen trotz des kapitalistischen Systems viele Personengruppen im letzten Jahrhundert vom Wohlfahrtsstaates profitierten, erobert heute das – ursprünglich weibliche – Prekariat im Zuge der Landnahme des Kapitalismus zunehmend den Weltmarkt. Schon lange sind nicht mehr nur Frauen von diesen einst typisch weiblichen Beschäftigungsformen betroffen: flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, unbefristete Verträge, schlecht Bezahlung betreffen heute – und mit zunehmender Tendenz – einen Großteil der Beschäftigungsverhältnisse und damit weite Bereiche der Bevölkerung.

Diese Entwicklungen, die von vielen als ökonomische Krise wahrgenommen wird, da der Kapitalismus Wenige auf Kosten von Vielen bereichert, hat gravierende Folgen: Die eigene Angst und Unsicherheit führt zu einer Zunahme von rassistischen Ansichten, Meinungen und Handlungen. Die Pegida-Bewegung, der Brexit, sowie der Wahlerfolg von Trump sind Beispiele populärer politischer Ergebnisse dieser Entwicklung, die sich insbesondere gegen Menschen anderer nationaler Herkunft, Religion und Hautfarbe richten. Dabei geht es nicht um rationale Argumente, sondern um das Befeuern populistischer Ressentiments; wir leben, wie es neuerdings heißt, im postfaktische Zeitalter.

Die Macht einer bestimmten Gruppe von weißen Männern beruht auf der Ausbeutung und der Anerkennung der anderen. 

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Die Macht der Elite, einer bestimmten Gruppe von weißen Männern, sowie ihr Machterhalt und der Ausbau ihrer Ressourcen wie bspw. ihres ökonomischen Kapitals beruht somit auf der Ausbeutung diverser, anderer Personengruppen, gleichzeitig jedoch auch auf der Legitimation und Anerkennung durch diese. Die zunehmende Prekarisierung verursacht Ängste, die einen Nährboden für Rassismus und Ausgrenzung darstellen.

Verliererin dieser Entwicklung ist die große Mehrheit der Bevölkerung, darunter -aber eben nur unter anderen - auch weiße Männer, die im Allgemeinen nicht der herrschenden Elite zugehörig sind.

 

 

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