Kampf gegen rein männliche Podien Allein unter Männern

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Unternehmensberater

Expertise:

Robert Franken berät Unternehmen zu Digital Transformation, Diversity und organisationalem Wandel. Der Experte für Digital Business und New Work war u.a. Geschäftsführer von urbia.de und Chefkoch.de. Robert Franken publiziert regelmäßig zu Themen wie Digital Leadership, Gender Empathy oder Arbeit 4.0. Sein Blog heißt „Digitale Tanzformation“, sein Twitter-Handle lautet „herrfranken“. Er ist Beirat von PANDA, der Competition für weibliche Führungskräfte, sowie beim Berliner Food-Startup Kitchen Stories.

Allzu oft werden Podiumsdiskussionen nur mit Männern besetzt. Dahinter steckt ein strukturelles Problem, das uns alle etwas angeht. 

Manchmal genügt ein einziger Blick um zu erkennen, dass etwas schief läuft. So auch im Falle von Veranstaltungen, bei denen das Lineup der Vortragenden ausschließlich aus nicht mehr ganz jungen, überwiegend weißen Männern besteht. Die sechste Tagung Cybersecurity des Handelsblatts etwa ist so ein Event. 27 Männer, keine Frau. Auf der Website zur Veranstaltung findet sich Vielfalt also höchstens im Chromosomensatz der Referenten - ansonsten bleibt man(n) unter sich. 

Die Reaktion der meisten Veranstaltenden gleicht sich ebenfalls häufig wie ein Ei dem anderen. Man habe Frauen angefragt, die hätten aber keine Zeit/Lust, zudem sei das eine sehr männlich geprägte Industrie. So weit, so bekannt, so ermüdend. Im Falle der Handelsblatt-Tagung gab es sogar einen offenen Brief mit über 150 Unterzeichnenden sowie zahlreiche Hinweise auf Top-Expertinnen im Bereich Cybersecurity. Doch eine Reaktion blieb aus.

Interessanterweise scheinen die Beteiligten an solch reinen Männerrunden entweder gar nicht wahrzunehmen, dass etwas schiefläuft, oder es scheint sie nicht zu stören. Damit sind sie, so oder so, Teil des Problems. Zur Fehlerbeseitigung ist Erkenntnis qua Reflexion schließlich eine Grundvoraussetzung.

Podien sollen sich mehr an Qualität und weniger an Gender orientieren.

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Das wirft die Frage auf, wo man ansetzen kann um den Status Quo hin zu mehr Vielfalt auf Podien und Veranstaltungen zu verändern. Da gibt es einerseits das so genannte „Shaming“, also die Bloßstellung der Verantwortlichen. In der Regel werden Veranstaltende auf den verschiedenen Kanälen mehr oder weniger hart angegangen für ihre Politik der Einseitigkeit. Gleichzeitig gibt es auch das „Speaker Shaming“, also die Attacke auf die trotz fehlender Vielfalt teilnehmenden Männer. Diese Praxis ist umstritten, da Druck häufig nur Gegendruck provoziert.

Vor kurzem haben wir daher die Initiative #men4equality gestartet, in deren Zuge wir klarstellen, dass wir nicht mehr auf reinen Männerveranstaltungen sprechen wollen. Wir, das sind zunächst 25 Erstunterzeichner; allesamt Männer, die regelmäßig Vorträge halten oder an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Uns geht es um ein Signal an die Veranstaltenden und um eine klar an Qualität, und weniger an Gender orientierte Argumentation.

Wir sagen, dass Diskussionsrunden und Panels, an denen ausschließlich Männer teilnehmen, aus unserer Sicht bereits vom Prinzip her uninteressant sind und deshalb von uns nicht besucht werden. Wir gehen davon aus, dass ein Fehlen von mindestens 50 Prozent des „talent pools“ nicht dazu führen kann, dass eine Veranstaltung für uns spannend ist.

Männliche Experten sind schneller auffindbar und bereiter öffentlich zu reden.

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Natürlich sind reine Männerrunden nicht per se langweilig oder uninteressant. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass bei der Reduzierung der Teilnehmenden auf lediglich etwa die Hälfte der Bevölkerung auch die Qualität leidet, halten wir für relativ hoch. Deshalb die Initiative, und deshalb der Impuls für einen Perspektivenwechsel.

Was Veranstaltende letztendlich dazu bringt auf weibliche (und/oder nicht-binäre) Veranstaltungs-Vortragende weitgehend zu verzichten, darüber kann man größtenteils nur spekulieren. Vermutlich sind es zwei Gründe, die ausschlaggebend für eine noch immer schlechte Gender Balance bzw. Vielfalt sind.

Aus Sicht der Event-Verantwortlichen sind Programme mit männlichen Sprechern zum einen leichter zu besetzen, da Männer häufig schneller auffindbar sind und sich stärker als Sprecher positionieren. Gleichzeitig zögern Männer viel seltener, wenn sie gefragt werden, ob sie auf eine Bühne gehen wollen. Beide Aspekte erleichtern die Arbeit von Veranstaltenden erheblich.

Wer reine Männerveranstaltungen mit seiner Anwesenheit beehrt, ist Teil des Problems.

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Aufgabe der Veranstaltenden ist es also Diversity bei den Programmen und Speaker-Lineups zu berücksichtigen. So könnte man zumindest meinen. Es sind aber auch die Männer in der Pflicht: Wer reine Männerveranstaltungen mit seiner Anwesenheit beehrt, ist Teil des Problems. Wir wollen eine Vielfalt an Talenten sehen und hören, deren Lösungsansätze, best practices und persönlichen Geschichten in Zeiten zunehmender Komplexität inspirieren und motivieren.

Die Wahrnehmung reiner Männer-Podien führt natürlich nicht selten dazu, die Mehrheit für die Diskriminierung einer Minderheit verantwortlich zu machen. Und die Mehrheit besteht hierzulande in der Regel aus weißen, älteren Männern. Der Antwort auf die Frage, ob das Bashing gerade dieser Personengruppe gerechtfertigt ist, kommt man vielleicht näher, wenn man sich überlegt, was man eigentlich erreichen will. 

Das Fehlen der Frauen an der Diskussion verhindert eine Wahrnehmung der Problematik.

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Im Grunde genommen verhält es sich wie mit Trainings-Maßnahmen in Unternehmen. Je vehementer ein bestimmtes Verhalten eingefordert wird, desto höher die Gefahr des Widerstands. Niemand möchte sich Überzeugungen aufzwingen oder antrainieren lassen. Unbewusste Stereotype, die unser Denken und Handeln bestimmen, können nur durch schrittweise Überzeugung überwunden werden. 

Zunächst einmal muss die Gruppe, die einen Großteil des Problems darstellt, in die Lösungsfindung einbezogen werden. Dazu gehört, dass sie mit anderen Konstellationen überhaupt erst in Kontakt kommen. Wer immer nur unter sich ist und bleibt, dem fehlt es an Wahrnehmung der Problematik. Erst dann, wenn ich Vielfalt auch aktiv erlebe, kann ich die Sensibilität entwickeln z.B. reine Männerrunden als etwas Defizitäres zu empfinden. 

Hinzu kommt aber auch eine externe Komponente: die der sozialen Norm. Erst in dem Moment, in dem ein bestimmtes Verhalten gesellschaftlich oder in meiner peer group geächtet ist, empfinde ich eine echte Notwendigkeit zur Anpassung. Helfen wir also alle mit, dass sich gesellschaftliche Normen und die Wahrnehmung der Männer schnellstens ändern.

 

 

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