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Ethik Vom Erbgut zum Phantombild - ein nötiger Tabubruch?

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Moderatorin der Debatte Ronja Ringelstein Volontärin des Tagesspiegels

Expertise:

Ronja Ringelstein ist Volontärin des Tagesspiegels.

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Stand der Debatte

Anfang Juli diskutierten die Justizminister der Länder, ob Ermittler künftig auch solche Teile des Erbguts von Blut, Haaren, Sperma oder Hautresten von Tatorten untersuchen dürfen, die Rückschlüsse auf äußere Merkmale eines Menschen, seine „biogeographische“ Herkunft und womöglich sogar auf Krankheiten zulassen. Bislang ist es der Polizei nur erlaubt, Erbgutspuren zur Identifizierung eines Tatverdächtigen zu nutzen, Hinweise auf sein Aussehen dürfen nicht erhoben werden. Soll sich das ändern? Ist eine solche forensische DNS-Phänotypisierung (fDP) vergleichbar mit der Aussage eines Zeugen, der das Aussehen eines Täters beschreibt? Oder hat ein Hinweis, dass eine DNS-Spur auf einen Täter mit asiatischer, afrikanischer oder amerikanischer Herkunft deutet, diskriminierenden und gesellschaftlichen Frieden störenden Charakter?

  • 6 Autoren
  • 24 Argumente
  • 122 Abstimmungen

Alle Argumente der Debatte im Panorama:

"Racial Profiling" beginnt, wenn Merkmale wie Abstammung die einzigen Auslöser für Ermittlungen bilden.

Mark Zöller, Jurist Universität Trier

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1 von 24
Die Befürworter einer Erweiterung sollten auf die Schwächen der Methode hinweisen.

Veronika Lipphardt, Universität Freiburg

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3 von 24
Es würde der falsche Eindruck entstehen, gewisse Bevölkerungsgruppen seien besonders kriminalitätsgeneigt

Carsten Momsen, Freie Universität Berlin

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5 von 24
Vorurteile werden zur Differenzierungsgrundlage - auch bei der Polizei

Carsten Momsen, Freie Universität Berlin

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7 von 24
Historische Migrationsbewegungen erschweren die eindeutige geografische Zuordnung von DNA-Spuren erheblich.

Veronika Lipphardt, Universität Freiburg

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8 von 24
Anschließende Ermittlungsmaßnahmen müssen verantwortungsvoll reguliert werden, um Generalverdächtigungen zu verhindern.

Anna Lipphardt, Albert Ludwigs-Universität Freiburg

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 Forensische DNS-Phänotypisierung muss auf schwere Straftaten beschränkt bleiben.

Mark Zöller, Jurist Universität Trier

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11 von 24
Ohne jeden konkreten Tatverdacht wird eine Vielzahl von Personen genötigt, ihre DNA auswerten zu lassen

Carsten Momsen, Freie Universität Berlin

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Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass auch die DNA-Analyse kein unantastbares Beweismittel ist.

Mark Zöller, Jurist Universität Trier

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13 von 24
Die Verurteilung Unschuldiger aufgrund von fDP ist mit den heutigen wissenschaftlich-technischen Gegebenheiten unmöglich

Manfred Kayser, Erasmus Universität Rotterdam

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Aufgrund von Migration und Multiethnizität ist der praktische Nutzen erweiterter DNA-Analysen für Ermittlungen begrenzt.

Anna Lipphardt, Albert Ludwigs-Universität Freiburg

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15 von 24
Erweiterte DNA-Analysen sind nur in Bezug auf Minderheiten von praktischem Nutzen. Das widerspricht Art. 3 GG.

Anna Lipphardt, Albert Ludwigs-Universität Freiburg

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17 von 24
Eine Erweiterung der DNA-Analyse wäre vor allem in Fällen von schweren Straftaten sinnvoll.

Peter Schneider, Universität Köln

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Die DNA-Methode erleichtert nicht nur Ermittlungen, sondern schützt auch Unschuldige vor Strafverfolgung.

Manfred Kayser, Erasmus Universität Rotterdam

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Der Datenschutz wäre auch bei einer Erweiterung der DNA-Analysen gewährleistet.

Manfred Kayser, Erasmus Universität Rotterdam

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Die Zuverlässigkeit von DNA-Vorhersagen wertet sie im Vergleich zu Zeugenaussagen auf.

Peter Schneider, Universität Köln

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Die Ausweitung schützt Minderheiten vor ungerechtfertigten Verdächtigungen.

Peter Schneider, Universität Köln

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6 Beiträge in dieser Debatte
  1. Bild von Veronika Lipphardt}

    Gefahr der Ungenauigkeit Die Bestimmung der „Biogeographischen Herkunft“ – eine voraussetzungsreiche Methode

    von Veronika Lipphardt - Universität Freiburg

    Die „biogeographische Herkunft“, die durch die erweiterte DNA-Analyse in der Forensik bestimmt werden soll, wird als Konzept oft missverstanden. Dass mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Aussagen zur Herkunft eines Menschen gemacht werden können, ist nur in bestimmten Fällen möglich. mehr lesen

  2. Bild von Manfred Kayser}

    Vorteile der DNA-Analyse Für eine Erweiterung der forensischen DNA-Analyse

    von Manfred Kayser - Erasmus Universität Rotterdam

    Die Erweiterung der DNA-Analyse erlaubt eine deutliche Eingrenzung des Personenkreises, der als Täter in Frage kommt - und hält außerdem Unschuldige aus dem Ermittlungsverfahren. mehr lesen

  3. Bild von Anna Lipphardt}

    DNA-Analyse und Diskriminierung Diskriminierungseffekte erweiterter DNA-Analysen im polizeilichen Einsatz

    von Anna Lipphardt - Albert Ludwigs-Universität Freiburg

    Wenn in Ermittlungsverfahren mit den Ergebnissen von DNA-basierten Analysen der sogenannten „biogeographischen Herkunft“ eines mutmaßlichen Täters falsch umgegangen wird, birgt dies die Gefahr verschiedener Diskrimi­nie­rungs­effekte - auch wenn dies von den Ermittlern gar nicht beabsichtigt ist. mehr lesen

  4. Bild von Peter Schneider}
    promo

    Erweiterung der forensischen DNA-Analyse für Strafverfahren Schutz vor unberechtigten Verdächtigungen

    von Peter Schneider - Universität Köln

    Das Vorhaben, in Zukunft auch Teile des Erbguts zu untersuchen, die Rückschlüsse auf das Aussehen des Täters zulassen, birgt viele Vorteile. Dabei trägt die forensische DNS-Phänotypisierung nicht zur Diskriminierung bei, sondern schützt Minderheiten vor unberechtigten Verdächtigungen. mehr lesen

  5. Bild von Mark Zöller}
    promo

    DNS-Phänotypisierung in Strafverfahren Die Ausweitung ist ein begrenzter Erfolg 

    von Mark Zöller - Jurist Universität Trier

    Seit der ersten gesetzlichen Regelung vom Einsatz der DNA-Analyse zum Zweck der Strafverfolgung hat die genetische Forensik erhebliche Fortschritte gemacht. Das sollte im Auge behalten werden, doch man muss sich im Einzelfall der teilweise begrenzten Aussagekraft der Informationen bewusst sein. mehr lesen

  6. Bild von Carsten Momsen}
    Promo

    Erweiterte DNA-Analyse zur Fahndung nach Tätern Vorurteile werden zur Ermittlungsgrundlage 

    von Carsten Momsen - Freie Universität Berlin

    Ob Hautfarbe oder Herkunftsregion – in der menschlichen DNA stecken eine Menge Informationen, die mancher Fahnder gerne hätte. Doch die Fehlerquote ist hoch und die Diskriminierung von Minderheiten könnte befördert werden mehr lesen