Bildungsgerechtigkeit fördern Pauschales Misstrauen gegen Privatschulen ist ungerechtfertigt

Bild von Pater Mertes, Pater Spermann und Pater Zimmermann

Expertise:

Pater Klaus Mertes SJ, Jesuit, Pädagoge, Theologe, Autor zahlreicher Bücher und Kollegsdirektor des Jesuitenkollegs St. Blasien. P. Johann Spermann SJ Jesuit, Psychologe und Theologe. Seit 2010 Direktor des Heinrich-Pesch-Haus und des dort angesiedelten Zentrum für ignatianische Pädagogik in Ludwigshafen (ZIP). Pater Tobias Zimmermann SJ Jesuit, Kunstpädagoge, Philosoph und Theologe. Seit 2011 Rektor des Canisius-Kolleg in Berlin.

Der Staat schafft es nicht, Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit unter seinen Schulen herzustellen. Es braucht mehr Kooperation zwischen Staat und freien Trägern, mehr Vielfalt, um mehr soziale Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem zu schaffen.

Ausgehend von Berlin wird eine Studie des WZB zum Anlass genommen, „Privatschulen“ pauschal die „Förderung der Sonderung von Kindern nach den finanziellen Verhältnissen der Eltern“ zu unterstellen. Die Basis? Eine undurchsichtige Datenlage, ein sperriges Wort und eine Verordnung aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. „Keines der Kinder darf verloren gehen!“ ist ein zentrales Motiv, warum Jesuiten Schule machen. Mit diesem Anliegen fühlen wir uns im Kreis vieler freier Träger in guter Gesellschaft.

Die Datenlage der WZB-Studie ist undurchsichtig.

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In Berlin spart der Staat an allen Schülern bis hin zu Flüchtlingskindern ca. 30 Prozent der Kosten, wenn sie eine Schule in Freier Trägerschaft besuchen. Was der Staat spart, müssen die Träger durch eigenes Engagement, Spenden und Schulgelder aufbringen. Je mehr der Staat an der Grundfinanzierung der Schulen in freier Trägerschaft spart, desto mehr Schulgeld werden diese also nehmen müssen, es sei denn sie gehörten finanzkräftigen Stiftungen oder Konzernen. Am Ende schlägt dann, wie im angelsächsischen Raum, die Stunde der finanzstarken Bildungsunternehmen und jener Eltern, die sich wirklich teure „Eliteeinrichtungen“ leisten. So könnten manche gut gemeinten Ansätze für mehr „Gleichheit“ zum Motor der Spaltung des Bildungssystems werden.

Was der Staat bei Privatschulen spart, müssen die Träger durch eigenes Engagement, Spenden und Schulgelder aufbringen.

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Andere Gerechtigkeitsfragen sind dabei noch gar nicht im Blick: Eltern, die Schulgeld zahlen, finanzieren das Schulsystem ein zweites Mal. Bei den eigenen Kindern ist das bis zu einem gewissen Grad Preis der freien Schulwahl. Enthalten ist in der Regel ein gewisser sozialer Lastenausgleich. Der wird an unseren Schulen mit großer Solidarität mitgetragen.

Eltern, die Schulgeld zahlen, finanzieren das Schulsystem ein zweites Mal.

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Nimmt man aber den Schulen in freier Trägerschaft mehr und mehr die „Unabhängigkeit“ von den jeweils herrschenden, pädagogischen Vorlieben, die sich in der Logik der Finanzierung staatlicher Schulen spiegeln, oder spart der Staat zu viel an der Grundfinanzierung  dieser Schulen, bleibt nur die Tatsache übrig, dass Eltern abkassiert werden. Gar nicht einzusehen ist, dass der Staat an all jenen Kindern spart, die einen besonderen Förderbedarf haben, also z.B. Lernmittelbefreit sind, wenn die Eltern ihr Recht auf freie Schulwahl ausüben. Hier gäbe es eine unbürokratische Abhilfe: Die Schulgeldübernahme des Staates im Sinne einer 100-prozentigen Bezuschussung vergleichbarer Kosten zur staatlichen Beschulung für diese Kinder.

Der Staat sollte das Schulgeld zu hundert Prozent bezuschussen.

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Die Zugänglichkeit ihrer Schulen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern versuchen die freien Träger auf unterschiedliche Art sicher zu stellen. Nun wird Misstrauen geschürt, das sei Fassade. So wird Druck auf die Schulen in freier Trägerschaft ausgeübt, die soziale Struktur der Schülerschaft z.B. im Parlament zu veröffentlichen.

Die Veröffentlichung der Sozialstruktur von Schulen, ob staatlich oder in freier Trägerschaft, unter dem Vorwand staatlicher Lenkungsinteressen leistet aber tatsächlich nur der Stigmatisierung ganzer Schulgemeinschaften Vorschub. Was macht es eigentlich mit jungen Menschen, wenn „ihre“ Schule öffentlich als „Brennpunktschule“ bezeichnet wird? Was macht es umgekehrt mit Schülern unterschiedlichster Herkunft, wenn ihre Schule als „teure Eliteschulen“ abgestempelt wird? Beim Thema „Bildungsgerechtigkeit“ leisten wir uns moralisch aufgeladene Debatten, die ganze Milieus z.B. als „bildungsfern“ stigmatisieren. Es gibt reiche Familien, die ihr dünkelhaftes Statusbewusstsein mit Bildung verwechseln. Und es gibt arme Familien, die ihren Kindern eine sehr gute Bildung ermöglichen, auch an Schulen in freier Trägerschaft.

Wir leisten uns moralisch aufgeladene Debatten, die ganze Milieus als „bildungsfern“ stigmatisieren.

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Es ist erfreulich, dass die Beiträge anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Teils der Studie differenzierter geworden sind. Immer noch aber ist ein pauschales Misstrauen gegen freie Träger spürbar. Manche trauen offenbar nur dem Staat zu, soziale Durchlässigkeit zu schaffen.

Pauschales Misstrauen gegen freie Träger ist ungerechtfertigt.

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Der Staat schafft seit Jahrzehnten nicht einmal Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit unter seinen Schulen herzustellen. Dabei braucht es mehr Kooperation zwischen Staat und freien Trägern, braucht es mehr und nicht weniger Vielfalt, um mehr soziale Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem zu schaffen. „Schule für alle“, noch dazu unter dem Vorzeichen wachsender Schülerzahlen, braucht nicht mehr Regulation, sondern mehr Unterstützung zivilen Engagements und mehr Partizipation. 

31 Kommentare - Diskutieren Sie mit!
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  1. von Heinz Müller
    Privatschulen sind eine sinnvolle Ergänzung. Es muß jedoch sichergestellt werden, dass Schulvorstände nicht tun und lassen können was sie wollen, und wie hier von heute auf morgen drei unschuldige,kleine Kinder rauswerfen, siehe http://helft-kindern-grundschule-zwochau.weebly.com . In diesem konkreten Fall sind alle beteiligten Ämtern und Verantwortlichen erschüttert, allen sind jedoch die Hände gebunden. Privatschulen ja, aber kein Staat im Staat.
  2. von Vornamen Namen
    Sehr geehrter Herr Pater Mertes,

    Ihrem Mut ist es zu verdanken, dass die von Frau Oetken geschilderten Zustände an Privatschulen, zumindest für viele Kinder an Ihrer ehemaligen Schule endeten.

    Auszug, aus einem Artikel im SPIEGEL:
    "Elf Jahre lang war er Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, wo er ab 2010 sexuellen Missbrauch publik machte und dadurch eine Welle von Enthüllungen auslöste."

    SPIEGEL v. 26.1.2015 http://www.spiegel.de/panorama/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-was-wurde-aus-klaus-mertes-a-1012776.html

    Damit haben Sie manchen innerhalb der Kirche und unter den Tätern gegen Sie aufgebracht.
    Zum "Dank" für Ihren Mut wurden Sie - lt. Interview* - in den Schwarzwald, an Ihre jetzige Schule "weggelobt".

    *17.11.2012 DIE ZEIT http://www.zeit.de/2012/47/Pater-Klaus-Mertes-Missbrauch-Kirche

    Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass manche Beteuerungen, die angesichts vorgebrachter Behauptungen, (im Fall der Schulgelder sind Sie sogar belegbar) wertlos sind, solange Sie nicht belegt werden können.

    Wegen Ihres früheren Mutes, würde ich Ihnen - ohne Sie zu kennen, - glauben, dass Sie an Ihrer Schule bewusst keinen sexuellen Missbrauch zulassen.

    Aber die fehlende Schulaufsicht ist verlockend. Auch d. Homepage Ihrer Schule fehlen transparente Angaben zum Schulgeld. Daher vermute ich leider, dass auch Sie - zumindest - mehr Geld verlangen, als Sie zur Deckung des geforderten normalen gleichwertigen Pflichtschulbetriebes benötigen, und Ihre Schülerschaft, auch aus finanziellen Gründen, nicht mit der an staatlichen Schulen vergleichbar ist.

    Ihnen und Ihren Kollegen an anderen Privatschulen wird es wie den Waldorfschulen und Genehmigungsbehörden gehen:
    Ohne eine rechtliche Prüfung und gerichtliche Feststellung wird nie klar sein, wie zulässige Schulgelder ermittelt u. erhoben werden. Stimmt's?

    http://www.erziehungskunst.de/nachrichten/wissenschaft/privatschulen-bundeslaender-missachten-grundgesetz/?tx_ttnews%5Bpointer%5D=1
    1. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 20:35:59
      @Vornamen Namen,

      Klaus Mertes hatte Anfang 2010 einen Brief an die Ehemaligen der Jahrgänge geschrieben, die mit zwei identifizierten Missbrauchstätern in Kontakt gekommen waren. Im Sinne eines professionellen Krisenmanagements reagierte Mertes in seiner Funktion des damaligen Leiters der Canisiusschule korrekt auf das, wovon ihm die Missbrauchsopfer berichteten, die sich Ende 2009 an ihn gewandt hatten. Die Opferorganisation „Eckiger Tisch“ veröffentlichte die gesamte Chronik der Aufklärung auf ihrer Homepage http://www.eckiger-tisch.de/wp-content/uploads/2011/06/Dokumentation_ECKIGER-TISCH_September-2010.pdf
      Wer das liest und mit ähnlichen Dokumentationen vergleicht, wird feststellen, dass die Initiative für Aufklärung und Aufarbeitung immer von den Opfern selbst ausgeht. Je nach Fähigkeit und Einstellung gelingt es den institutionell Verantwortlichen mal mehr, mal weniger, das Ganze im Sinne der PR zu akquirieren und im Eigeninteresse umzuwandeln.
      Warum die bislang gültigen straf- und zivilrechtlichen Verjährungsfristen dem Schutz von Kindern entgegen stehen, veranschaulicht dieser Fall
      http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Missbrauchsopfer-des-Aloisiuskollegs-k%C3%A4mpft-gegen-Verj%C3%A4hrung-article3606594.html

      VG
      Angelika Oetken
  3. von Vornamen Namen
    @Angelika Oetken.
    Sehr geehrte Frau Oetken, die zwei Studien des WZB zum 'Umgang mit dem Sonderungsverbot', d.h. zu einem Teil, der lt. GG Art. 7 V zu beachtenden Genehmigungsvoraussetzungen, gelten für ganz Deutschland.
    In allen Bundesländern werden also Privatschulen genehmigt, ggf. als Ersatzschule anerkannt und mit viel (zu viel?!) Steuergeldern gefördert, obwohl die Genehmigungsvoraussetzungen nicht erfüllt werden.

    S.a. Süddeutsche Zeitung http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-bei-der-kontrolle-von-privatschulen-missachten-die-bundeslaender-das-grundgesetz-1.3254758

    Wer meint, in NRW würde faktisch eine Schulgeldfreiheit bestehen, darf nicht vergessen, dass es genauso faktisch auch ein GG und dort verankerte - ebenso missachtete -
    Genehmigungsbedingungen für Privatschulen gibt, die als Ersatzschule staatliche Schulen ersetzen können/wollen/sollen.

    Für NRW gibt es die "Informationen zu Inhalt und Grenzen der staatlichen Schulaufsicht über private Ersatzschulen":

    https://www.brd.nrw.de/schule/privatschulen_sonstiges/pdf/AufsichtErsatzschulen.pdf .

    Die Schulgeld-Infos d. Homepages der Waldorfschulen NRW zeigen, dass z.B. für sie das Schulgeldverbot offenbar nicht gilt, oder die Behörden auch bei diesen Schulen immer alles "durchwinken", wie sie es bei einer ehemaligen Schulträgerin taten, über deren Betrugsprozess DIE WELT am 15.2.2016 berichtete:

    https://www.welt.de/regionales/nrw/article152258787/Privatschule-kassierte-trotz-Schulgeld-Zuschuesse.html

    Zum Mehrwert:
    An Privatschulen vermute ich, dass die staatlichen Finanzhilfen und Schulgelder, die für den anzubietenden gleichwertigen Pflichtschulbetrieb nicht benötigt werden, der Verwirklichung andere - z.B. eigener - Ziele dienen.

    Ein Staat kann neben den Einsparungen im öffentlichen Schulwesen, daraus einen Nutzen ziehen, dass Bürger, die an Privatschulen schon früh lernten, dass Kritik unerwünscht ist, (siehe Kündigungspraxis an PS lt. BZ 31.8.15) leichter zu regieren sind.
  4. von Angelika Oetken
    Opfer des Aloisiuskollegs Bonn Bad Godesberg kommentieren diesen Artikel auf ihrer Facebookseite wie folgt „Gibt es so eine Studie auch für #NRW ? Wir fragen wir uns: Das Aloisiuskolleg ist eine "Ersatzschule". Ersatz für was genau?“
    Der Verein „Eckiger Tisch Bonn e.V.“ setzt sich seit vielen Jahren für die Aufklärung und Aufarbeitung der über Jahrzehnte buchstäblich vor aller Augen an dieser als „Eliteschule“ betriebenen systematischen Missbrauchskriminalität ein. Wer sich aus einer sachlichen Distanz heraus mit institutionalisiertem sexuellen Missbrauch beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sie, wie in Familien, einen holistischen, aus Sicht der Gruppenanführer heraus nützlichen Zweck erfüllt. Wo über längere Zeiträume hinweg Kinder und Jugendliche sexuell ausgebeutet werden, bezieht sich die Kultur der Übergriffigkeit auch auf andere Personen bzw. soziale Gefüge. Nicht ohne Grund finden wir an den als elitären Kaderschmieden deklarierten Schulen immer auch andere Formen der kollektiven Normverletzung. Besonders gut arbeitet dies der wissenschaftliche Untersuchungsbericht zu Missbrauch und Gewalt am Klosterinternat Ettal heraus. Aber auch wer die jüngsten Geschehnisse am Aloisiuskolleg verfolgt, wird entsprechende Hinweise finden. Der Prozess um zweckentfremdete und damit veruntreute Gelder, die die Stadt Bonn dem Aloisiuskolleg für den Betrieb ihrer Freizeitangebote zur Verfügung gestellt hatte, deutet darauf hin, worum es geht.
    Es stellt sich also aus der Sicht der ganz normalen Bürger, die solche Einrichtungen zum Großteil finanzieren die Frage, welchen Mehrwert eine Schule hat, die solche Einstellungen der dreisten Bereicherung auf Kosten anderer etabliert und kultiviert. Denn was öffentlich gefördert wird, sollte allen zu Gute kommen. Nicht nur einem Klüngel.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen erwachsenen Menschen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden
    1. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 16.07.2017, 12:03:05
      Fortsetzung v. Kommentar 14:54:
      Für Bürger haben auch die Ersatzschulen, die - egal wie - genehmigt wurden, dann einen Mehrwert, wenn die Zustände an den maroden vernachlässigten staatlichen Schulen noch viel schlimmer sind oder erscheinen, als an den staatlich geförderten - aber unkontrollierten -
      Privatschulen, an denen der Staat seine jüngsten Bürger nicht vor sexuellem Missbrauch und anderer Gewalt schütz(te).

      Dass der Staat damit eine Mitverantwortung am sexuellen Missbrauch trägt, oder (mit Blick auf das GG Art. 7 IV 3) an den unzulässigen finanziellen Forderungen, scheint ihn bzw. die große Mehrheit der politischen Volksvertreter wenig zu belasten.
      Er scheint sich darauf zu verlassen, dass die meisten Bürger nichts davon erfahren werden, oder die wenigen anderen, wie er, keinen Bedarf an Informationen und der Einhaltung des Grundgesetzes sehen.

      Für NRW siehe auch WDR-Bericht v. 11.3.2010 "Aufsicht der "Ersatz-Schulen" "Hinter privaten Schultüren Von Nina Magoley":

      http://www1.wdr.de/archiv/missbrauch/privatschulen100.html

      Artikel v. 30.1.2014 zur Urteil des EGMR Straßburg, Auszug zur wahrzunehmenden staatlichen Schulaufsicht: "Davon könne sich der Staat nicht befreien, indem er die Zuständigkeit für Schulen an Privatpersonen oder private Körperschaften delegiert."

      http://www.juraforum.de/recht-gesetz/egmr-staat-muss-auch-privatschulen-bei-sexuellem-missbrauch-wirksam-kontrollieren-467220

      Insofern müssten die in NRW bekannten "Informationen zu Inhalt und Grenzen der staatlichen Schulaufsicht über private Ersatzschulen" (Seite 14 zum Schulgeld und S. 19, "7.6 Verhalten von Lehrkräften") wohl überarbeitet werden.

      https://www.brd.nrw.de/schule/privatschulen_sonstiges/pdf/AufsichtErsatzschulen.pdf


    2. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 15:16:32
      "An Privatschulen vermute ich, dass die staatlichen Finanzhilfen und Schulgelder, die für den anzubietenden gleichwertigen Pflichtschulbetrieb nicht benötigt werden, der Verwirklichung andere - z.B. eigener - Ziele dienen."

      @Vornamen Namen,

      das liegt sehr nahe. Einige Betreiber waren in der Hinsicht sehr kreativ. Wo es an Kontrolle mangelt und Betrug zu einfach gemacht wird, geschieht er auch. Besonders da, wo deren InitiatorInnen sich als „besonders“ erachten und einen exklusiven Zirkel bilden. Sie laufen dann leicht Gefahr, in eine Art kollektiver narzisstischer Bespiegelung zu geraten und merken gar nicht mehr, wie dreist und kriminell das ist, was in ihrer Gruppierung geschieht. Es kann auch leicht passieren, dass das gesamte Gefüge verroht, weil ein gesundes Regulativ von außen fehlt. Ein Beispiel: das Aloisiuskolleg ließ einen Angestellten, Herrn Jürgen K. das "Ako pro" aufbauen. Einen paramilitärisch organisierten Freizeitbereich, der mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde. K. hatte in der Elternschaft treue Anhänger. Eine an der Schule damals wichtige Person schrieb an dem damaligen Schulleiter 2010 einen Brief, in dem sie K. mit dem Argument verteidigte, sie habe diesem Mann „das Leben ihrer Kinder anvertraut“. Dieser Mitarbeiter, im Zinsmeister-Untersuchungsbericht „Harald“ genannt, verhielt sich nicht nur gegenüber SchülerInnen sexuell übergriffig, sondern organisierte auch die Veruntreuung eines Teils der von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelder. Die Stadt Bonn verklagte den Förderverein, der wiederum Klage gegen dessen ehemaligen Vorsitzenden, eben Herrn K. erhob. K. floh nach Ägypten, wo er via einer deutschen Schule Ähnliches aufbaute wie am Aloisiuskolleg, inklusive des erneuten Missbrauchs von Kindern. Mittlerweile soll Herr K., ein, folgt man dem wissenschaftlichen Untersuchungsbericht in seiner Persönlichkeit und sexuellen Identität schwer gestörter Mann, sich wieder in seiner alten Heimat aufhalten.

      VG
      Angelika Oetken
    3. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 16.07.2017, 16:14:02
      Wofür die abgezweigten Mittel genau verwendet wurden, lässt sich nicht nachvollziehen. Auf jeden Fall aber nicht für gemeinnützige Jugendarbeit. Bei dem, was das AKO-Pro als solche deklarierte, handelte es sich um Fakes.
      Das AKO-pro gibt es offiziell nicht mehr. Das Aloisiuskolleg unterhält jetzt ein "ProCura", das "außerschulische Jugendarbeit" anbieten. Inwieweit ProCura von der Stadt Bonn gefördert wird, weiß ich nicht.
    4. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 15:16:32
      Nur um zu demonstrieren, dass die eigennutzorientierte Verwendung öffentlicher oder steuerbegünstigter Mittel nicht auf Gruppierungen, die einer bestimmten Gesinnung und Weltanschauung angehören beschränkt ist: das Modell, nachdem der Verein, der die inzwischen geschlossene, reformpädagogische Odenwaldschule trug, Geld akquirierte, um sie in Projekte zu stecken, von denen wiederum Vereinsmitglieder profitierten, nennen meine MitstreiterInnen und ich "St. Stiftung". Im Gegensatz zum eher dummdreist wirkenden Vorgehen am Aloisiuskolleg, handelte es sich bei der Methode, die an der Odenwaldschule genutzt wurde, um eine, die von einer ausgesprochenen Perfidie und Heimtücke zeugt. Sie funktionierte folgendermaßen: die Schule verschaffte Menschen einen Arbeitsplatz, die woanders keinen fanden. Wegen des damals wirkenden Radikalenerlasses oder deren pädokrimineller Umtriebe. Letztere fanden in Oberhambach geradezu paradiesische Bedingungen vor. Die SchülerInnen lebten mit den Lehrkräften in so genannten „Familien“ zusammen. Viele hatten zuhause keine Geborgenheit gefunden und waren von ihren Eltern in dieses Internat gegeben worden oder kamen auf Betreiben von Jugendämtern, die mit der Schulleitung kooperierten an die Odenwaldschule. Von Berlin, wo Martin Bonhoeffer zu der Zeit beim Senat für diesen Bereich zuständig war, gab es regelrecht Jungen auf Bestellung, die in das Beuteschema der Haupttäter und ihrer Kooperationspartner passten und die deren offensichtlich psychisch gestörten Müttern regelrecht abgeschwatzt worden waren. Die Kinder wurden für verhaltensauffällig erklärt, es floss dann 1000 DM mehr Platzgeld durch die Stadt Berlin. Mittel, für die es keine entsprechende Gegenleistung gab, denn die Schule wurde von Gerold Becker schlecht geführt, am Personal wurde gespart. Ähnlich wie an der Domspatzenvorschule Etterzhausen, auch das ein „Pädoparadies“ muss es einen satten Gewinn gegeben haben. Den der Trägerverein über Stiftungen umwandelte und abführte.
    5. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 16.07.2017, 16:51:35
      Möglicherweise hat die Studie des WZB nur die Spitze eines Eisberges angekratzt, und hinter den Gründen, die bei den Tätern für eine Missachtung des Grundgesetzes sprachen, dienten nicht nur finanziellen Begierden.

      ... siehe auch Kommentar zur Stellungnahme der WZB-Wissenschaftler Prof. Wrase und Prof. Helbig "SCHULEN FREIER TRÄGER
      Privatschulen müssen sich alle leisten können".

      Ob man sich angesichts ihrer schockierenden geschilderten Zustände allerdings wünschen soll, dass sich alle Bürger Privatschulen leisten können sollen, kann/muss man nun sicher anzweifeln.

      Viel besser fände ich, wenn sich der Staat seiner "verdammten Pflicht" besinnt, und realisiert, dass die Einsparungen im öffentlichen Bildungswesen, zu Lasten einer Schülermehrheit erfolgen. (Noch besuchen 90 % der Schüler staatliche Schulen.)

      Wenn staatlichen Schulen ein wettbewerbsfähiges Angebot möglich sein soll, dass mit dem der "guten" Privatschulen vergleichbar ist, dann dürften die staatlichen Schulen mehr als nur einen leichten Geldregen und zaghafte Förderung erwarten.

      Wer dann doch noch auf Privatschulen gehen möchte, weil er sich die nur dort vermittelte Religion, Weltanschauung oder pädagogische Ausrichtung wünscht, der darf das gerne tun.
      Und ich bin dafür, dass ihm, sofern seine finanziellen Mittel für das NOTWENDIGE Schulgeld nicht reichen, staatliche Unterstützung gewährt wird, auch wenn es sich eigentlich ja um sein Privatvergnügen handelt.

      Ich bin aber dagegen, dass Privatschulträger weiterhin so viel Geld erhalten, und damit 'wer weiß was' und noch Schlimmeres finanzieren könn(t)en, weil die Bundesländer u.a. das Sonderungsverbot missachten bzw. nicht ernst nehmen.
    6. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 20:01:07
      Es gibt ja ganz verschiedene Arten von Schulen, die unter privater Trägerschaft stehen. Angefangen von solchen, die fast jedem offen stehen, bis hin zu welchen, die nur für eine ganz kleine exklusive Gruppe gedacht sind. Die grundlegende Forderung haben Sie oben formuliert: der Staat als die politische Institution, die die Angelegenheiten aller regelt, die ihm angehören bzw. anvertraut sind, muss dafür sorgen, dass die öffentlichen Schulen gut genug ausgestattet werden. Und da beißt sich die Katze wohl in den Schwanz. Wenn nämlich der Einfluss der Alumni von privaten, exklusiven, holistisch eingestellten Bildungseinrichtungen auf den Staat zu groß ist, geschieht das, was seit dem Mauerfall vor sich geht: der öffentliche Sektor wird Stück für Stück zurückgefahren. Die Errungenschaften der Bildungsoffensive der 60er Jahre, die unser Land stark gemacht haben, sind bedroht. Wir laufen Gefahr, einen Teil der Gesellschaft abzukoppeln und zu verlieren. So etwas birgt für jedes größere soziale Gefüge ein erhebliches Risiko. Nicht nur was die so genannte "Ressource Mensch" angeht, sondern auch im Hinblick auf sozialen Frieden. AbsolventInnen von so genannten "Eliteeinrichtungen" werden selbst dann Dünkel eingepflanzt, wenn sie gar nicht dünkelhaft eingestellt sind und auch nicht den entsprechenden Milieus entstammen. Schule prägt, weil wir sie in einer Phase besuchen, wenn wir sehr aufnahmebereit und formbar sind. Nach der Schule geht es weiter. Eine Empfehlung führt auf die passende Universität, ermöglicht Stipendien, schafft Kontakte. In bestimmten Kreisen ist es der Stallgeruch, der wichtig ist. Nicht das Können oder die Kompetenzen. Die Mitglieder des Klüngels sollen die informellen Regeln beherrschen. Die vom Geben, Nehmen und Bekommen. Sie werden je nach Milieu und Gesinnung als "Werte" oder "Haltungen" bezeichnet. Gemeint ist, dass man weiß, wem man etwas abnimmt und an wen man es verteilt. Deshalb besitzen einige Wenige fast alles und geben nichts ab.
    7. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 16.07.2017, 20:37:00
      Das bestätigt auch ein anderer Bericht des 3-Sat-Kulturzeit v. 3.5.2017,
      "Gespräch mit Michael Hartmann
      zum Kampfbegriff Elite: Der Soziologe Michael Hartmann hat sich mit dem Thema Elite intensiv auseinandergesetzt. Er kritisiert die Kluft zwischen Arm und Reich und erforscht die internationalen Eliten wissenschaftlich."

      https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=66369

      Für deutsche Eliteschulen siehe:
      https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=66367

      Aber was bringt es, wenn Sie und ich und einige andere das wissen oder ahnen und Wissenschaftler das mit Studien belegen.

      Solange es nicht der letzte BILD-Leser zur Kenntnis genommen hat, und sich traut, seine Meinung dazu zu äußern, werden die gewählten Volksvertreter die Fakten nicht ernst nehmen oder durch alternative Fakten ersetzen.
    8. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 20:56:52
      Ich glaube, dass die mutigen Opfer von Bildungseinrichtungen, die bis dato als "vorzüglich" galten, welche anschoben, was 2010 im Missbrauchstsunami mündete, viel dazu beigetragen haben, dass der Elitebegriff mittlerweile aus einer kritischen Distanz heraus betrachtet wird, die ich für gesund halte. Meiner Erfahrung nach, melden sich nur wenige zum Thema, es lesen aber sehr viele Menschen mit.
    9. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 17.07.2017, 14:29:26
      Das glaube ich. Das Problem ist aber, dass die Politik nur zu reagieren scheint, wenn sich mehr als wenige Bürger äußern.
      Bis dahin werden jedoch viele weitere staatliche Schulen geschlossen und durch Privatschulen ersetzt werden.

      Oftmals ist das für die Kommunen einfach günstiger, weil kirchliche Träger von privaten Gymnasien und Realschulen doppelte (!!) Zuschüsse erhält.

      Siehe hdp-Artikel v. 12.3.2015 "Bildung in Bayern
      Unterschiedliche Staatszuschüsse für Schulen" https://hpd.de/artikel/11399

      Irgendwann wird man dann gar nicht mehr entscheiden können, ob man ("Pest oder Cholera") lieber eine marode staatliche oder gut finanzierte private Schule für sein Kind wählt; an der das Kind durch das Fehlen einer staatlichen Schulaufsicht dann aber weniger vor Gewalt, Lehrmethoden oder Lerninhalten geschützt ist, welche man ablehnt.
      Sollen die Eltern dann einfach beten, dass es nicht das eigene Kind trifft, oder ihres gut darüber hinweg kommt, wenn es stattdessen mit dem/der besten Freund/in mitleidet.

      Aktuell wird gerade in Rheinland-Pfalz gerade die Schließung von 39 Dorfschulen überlegt.

      13.7.2017 http://www.news4teachers.de/2017/07/erste-schliessung-beschlossen-noch-39-dorfschulen-in-rheinland-pfalz-stehen-auf-der-kippe/

      Mal sehen, wer sich dann künftig der Schüler dieser ehemals 41 Dorfschulen annimmt. Hoffen wir das beste.
    10. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 17.07.2017, 15:46:23
      Zu Rheinland-Pfalz noch der Hinweis, dass für Waldorfschulen das dort für andere Ersatzschulen geltende Schulgeldverbot nicht gilt.

      Siehe Drs. 15/2917

      Auszug:
      "Gemäß § 28 Absatz 2 Privatschulgesetz setzt die Gewährung öffentlicher Finanzhilfe an staatlich anerkannte Ersatzschulen in
      privater Trägerschaft voraus, dass kein Schulgeld erhoben wird. Die Ersatzschulen in privater Trägerschaft erheben deshalb
      spätestens ab dem Zeitpunkt der staatlichen Anerkennung kein Schulgeld mehr. ....[...] ...
      Anders verhält es sich bei den in Rheinland-Pfalz bestehenden Ergänzungsschulen und Freien Waldorfschulen (genehmigte Ersatzschulen).
      Diese dürfen ein Schulgeld erheben."

      http://www.landtag.rlp.de/landtag/drucksachen/2971-15.pdf
    11. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 17.07.2017, 14:29:26
      Hier ein Beispiel, wo es sicher förderlich gewesen wäre, wenn die betroffenen und vertretenen Eltern ihre Zustimmung geäußert hätten:
      (Allerdings wäre es auch hilfreich gewesen, wenn der Landeselternbeirat Baden-Württemberg, die von ihm vertretenen Eltern und Schüler transparent informiert hätte.
      Bisher wird über diese Stellungnahme des Elternbeirates nur im Urteil des StGH v. 6.7.2015, 1 VB 130/13 Randnr. 95 informiert:
      "3. Der Landeselternbeirat hat mit Schreiben vom 2. April 2015 Stellung genommen. Darin würdigt er die in Art. 14 Abs. 2 LV gegebene Wahlmöglichkeit der Eltern und begrüßt die Vielfalt im Schulwesen, einschließlich der Privatschulen. Gleichwohl ist er der Auffassung, dass die Privatschulförderung des Landes Art. 14 Abs. 2 Satz 3 LV genügt. Die komplette Übernahme eines bisher an Privatschulen zu zahlenden Schulgeldes durch den Staat würde die Elternrechte bei der Schulwahl nicht verbessern. Denn diese finanzielle Leistung würde nur die unternehmerische Sicherheit der Privatschulen erhöhen. Die Entscheidung über die Auswahl der Schüler bliebe jedoch den Privatschulen vorbehalten und wäre kaum überprüfbar. Zudem hätte der Wegfall von Schulgeld an Privatschulen Auswirkungen auf die staatlichen Schulen. Es würden mehr Schüler auf Privatschulen gehen. In Zeiten allgemein zurückgehender Schülerzahlen hätte dies zur Folge, dass in vermehrtem Umfang staatliche Schulen geschlossen werden müssten. Die Elternrechte an privaten Schulen seien rechtlich nicht abgesichert. Auch hätte der Staat weniger Möglichkeiten, seine pädagogischen Konzepte durchzusetzen. Die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Beratungsgremien, wie des Landeselternbeirates, gingen zurück."
      Auszug aus Urteil, https://openjur.de/u/857446.html

      siehe Fortsetzung:
    12. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 17.07.2017, 16:06:43
      Zu Baden-Württemberg und dem Urteil StGH 1 VB 130/13 und der Stellungnahme des Landeselternrates.

      Wenn sich nur der Landeselternrat äußert, um die nichtsahnenden Eltern der ca. 900.000 Schüler zu vertreten, dann ist es traurig, aber kein Wunder, dass der Gesetzgeber deren Interessen "übersieht".

      Schließlich hat er - nicht nur - den Ausgleichsanspruch für nicht erhobenes Schulgeld, sondern auch die Erhöhung der Finanzhilfen, die weit mehr als das "verfassungsrechtliche Existenzminimum" absichern quasi schon versprochen.

      (siehe Vorblatt zum Gesetzentwurf D:
      https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/beteiligungsportal/KM/Dokumente/170523_Gesetzentwurf-zur-Aenderung-des-Privatschulgesetzes.pdf )

      Da Bürger, die sich im Bürger-Portal informieren möchten, über den Suchbegriff "Gesetzentwurf zur Änderung des Privatschulgesetzes" kein (!) Ergebnis erhalten, hier der Link, unter dem auch die Antworten des Ministeriums zu den Kommentaren zum Gesetz-ENTWURF erwartet werden.

      https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/de/mitmachen/lp-16/aenderung-des-privatschulgesetzes/kommentar/1/?showComments=0


    13. von Angelika Oetken
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 16.07.2017, 20:01:07
      Was "Elite" in Wirklichkeit ausmacht, hat ein Absolvent einer solchen Einrichtung in einem Buch beschrieben. Es erschien 2004 und heißt "Sacro Pop".
    14. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Angelika Oetken 16.07.2017, 16:51:35
      Einfach nur widerlich.
      Ob sogar noch versucht wurde, die bei den Exzessen entstandenen Kosten steuerlich abzusetzen?

      Siehe § 40 Abgabenordnung:
      "Gesetz- oder sittenwidriges Handeln
      Für die Besteuerung ist es unerheblich, ob ein Verhalten, das den Tatbestand eines Steuergesetzes ganz oder zum Teil erfüllt, gegen ein gesetzliches Gebot oder Verbot oder gegen die guten Sitten verstößt." https://dejure.org/gesetze/AO/40.html
  5. von Dieter Zahn
    Die Berliner Polititk sollte sich über alle und alles freuen, das "es" hinkriegt und nicht permanent versagt.

    Warum gerade auch konfessionelle Schulen von links derart attackiert werden, versteht sich einerseits von selbst, andererseits ist das aber angesichts der Grundrechte nicht nachvollziehbar.

    Ein Glück, dass es diese qualifzierten, gute organisierten Schulen gibt, die auch noch Grundwerte vermittelen, die in den öffentlichen schon längst verloren weil aufgegeben wurden.

    Die Mehrheit der Bevölkerung will keine 24h Betreuung durch den Staat, der sich in Berlin als dauerhaft - also nachhaltig - unfähig erweist.

    Und die wollen das entscheiden?

    1. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Dieter Zahn 15.07.2017, 20:56:20
      Sie meinen hoffentlich nicht so "gute organisierten Schulen" in kirchlicher Trägerschaft, wie sie im Kommentar von Angelika Oetken genannt werden, oder?
  6. von Barbara Kruggel
    Das Bashing der freien Schulen ist ideologisch motiviert und sehr undifferenziert. Wer sich die Mühe macht, die Internetauftritte der betreffenden Schulen zu studieren, wird merken, dass der Begriff "Freie Schulen" eine große Vielfalt an Einrichtungen umfasst. Aber im Namen der Ideologie wird mehr mit Emotionen als mit Fakten gearbeitet. Besonders verlogen wird die Debatte jedoch, wenn man bedenkt, dass viele Verfechter von rein staatlichen Schulen ihren Nachwuchs dann doch lieber an einer Privatschule anmelden. Sie predigen Wasser und trinken Wein. Schlimmer geht's nimmer!
    1. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Kruggel 15.07.2017, 18:16:36
      Nun, einige Fakten gibt es schon. Z.B. das Grundgesetz, die Feststellung der Kölner Richter (FG Köln, 14.2.2008, 10 K 7404/01 Rn. 47 Zitat: "... Privatschulen zeigen, dass die Bundesländer das Verbot ... nicht ernst nehmen.), die aktuelle WZB-Studie ( https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2017/p17-003.pdf ), und die Übersicht zum Sonderungsverbot (Stand 6/2016) ( https://www.wzb.eu/sites/default/files/u6/uebersicht_sonderungsverbot_0.pdf ).
      Es fehlen allerdings die Angaben der Privatschulträger, da diese von den Bundesländer (siehe Ergebnis WZB-Studie) gar nicht abgefragt werden, oder verweigert werden. (siehe Anfrage Berlin Drs. 18-11128 aus Mai 2017.)

      s.a. http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-privatschulstudie-freie-schulen-sind-zu-teuer-und-zu-elitaer/20055828.html#kommentare

      Ansonsten haben Sie sicher recht.
      Viele Politiker und Entscheidungsträger nutzten Privatschulen.
      Darunter auch ehemalige Kultusminister, wie z.B. Andreas Stoch (SPD u. 4 facher Waldorfvater,) Monika Hohlmeier (CSU, Waldorfschule). (s.a. http://thewaldorfs.waldorf.net ).

      Andere zahlen an elitäreren staatlich geförderten Privatschulen noch höhere Schulgelder, siehe 3-SAT-Bericht v. 3.5.2017 "Eliteschulen" https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=66367

    2. von Barbara Kruggel
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 15.07.2017, 19:23:26
      ach, @galbo, Sie sind es! Ihre Ausführungen haben sie bereits unter Ihrem nickname im Tagesspiegel verbreitet, mein Bedarf ist gedeckt!
    3. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Barbara Kruggel 15.07.2017, 19:30:08
      Aha,
      Ihr Bedarf an Hinweisen auf solche Fakten (GG, WZB-Studien, Rechtsprechungen,...) ist gedeckt;
      Weil ... es Sie nicht interessiert / Sie verärgert und finanziell belasten würde, oder ...?

      Haben Sie stattdessen noch Bedarf an "alternativen Fakten"?

      Bis April 2017 wurde im Wikipedia-Artikel 'Waldorfschule', zum Schulgeld behauptet:
      "Dieses wird einkommensabhängig von den jeweiligen Schulen festgelegt, um zu verhindern, dass, in Widerspruch zu dem aus dem Grundgesetz abgeleiteten Sonderungsverbot, ein Kind, bzw. ein Geschwisterkind, eine Schule aus finanziellen Gründen nicht besuchen kann."

      Diese Behauptung ist zwar schön, und - da es sich um eine Genehmigungsvoraussetzung handelt, - auch wichtig, kann aber leider nicht belegt, sondern widerlegt werden!

      (Wer das nicht wissen will, sollte die ggf. vorhandenen Informationen zum Schulgeld und den Ermäßigungsregelungen auf den Web-Seiten der ca. 230 Waldorfschulen NICHT mit der Studie vom "Steinbeis-Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement, Heidenheim Grenzen der Belastbarkeit privater Haushalte mit Schulgeld Prof. Dr. Bernd Eisinger Prof. Dr. Peter K. Warndorf" vergleichen.

      (Studie: http://www.slideserve.com/jackson-lambert/prof-dr-bernd-eisinger-prof-dr-peter-k-warndorf )

      (Diese Studie wurde von der LAG der freien Waldorfschulen BW für den "Musterprozess" in Auftrag gegeben!
      (... BVerwG 6 C 18/10, VGH 9 S 233/12, StGH 1 VB 130/13 v. 6.7.2015)

      In der Wikipedia wurde die o.g. Behauptung in 6/2017 aus dem Artikel 'Waldorfschule' entfernt.
      (Die Hüter des Artikels sahen an Hinweisen auf die belegbaren Fakten (WZB-Studie, GG , Rechtsprechungen, ...) ebenfalls keinen Bedarf.)

      Waldorfschulen u.a. Privatschulen halten an ähnlichen Behauptungen - ohne Belege - fest.
      Scheinbar fehlen die B., um sich von den Privatschulen abzugrenzen, deren Schulgeldforderungen gegen GG Art. 7 IV 3 verstoßen.

      Zeigt das nicht, wie berechtigt ein "pauschales Misstrauen gegen Privatschulen" ist/wäre?
  7. von Tobias Zimmermann
    Unsere Schulgeldregelung ist öffentlich. Und unser Jahresabschluss wird, da wir eine gemeinnützige GmbH sind, jedes Jahr veröffentlicht.
    1. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Tobias Zimmermann 15.07.2017, 15:37:25
      Dann sind Sie ein Beispiel für eine Schule, die transparent über ihre Schulgeld informiert. Es gibt aber auch viele andere Schulen und die informieren zwar manchmal auch über ihren Regelbeitrag, aber geben weitere Auskünfte, z.B. über die Ermäßigungsregelungen nur in internen Gesprächen. Das ist dann natürlich wenig transparent, nachvollziehbar, vergleichbar.
      Mögen Sie noch den Link zu den Schulgeld-Infos Ihrer Schule mitteilen, und angeben, wie hoch der durchschnittliche Elternbeitrag ist, mit dem ein Zugang zur Schule erfolgt, d.h. der durchschnittlich gezahlte Beitrag für das erste Kind?
      Sobald Eltern mit Zahlung dieses Beitrages ein Zugang zur Schule "gelungen ist", gewähren viele Privatschulen für Geschwister großzügige Rabatte, und zwar unabhängig vom Einkommen, so dass auch Sehr-Gut-Verdiener davon profitieren. Für solche - unnötigen - Rabatte sind die staatlichen Finanzhilfen aber eigentlich nicht vorgesehen, oder? Wie wird das an Ihrer Schule gehandhabt?
      Lt. BVerfGE steht die Förderpflicht ja unter dem Vorbehalt dessen, was die Gesellschaft von ihrem Staat vernünftigerweise erwarten darf.
      Vielen Privatschulen können günstiger wirtschaften, als staatliche Schulen, und haben somit geringere Kosten. (z.B. keine Beamtengehälter, ...).
      Trotzdem haben viele Privatschulen durch ihre Einnahmen aus staatlichen Finanzhilfen und den Elternbeiträgen, die verpflichtend gezahlt werden, und damit dem Sonderungsverbot unterliegen, mehr Geld für das gleiche Bildungsziel (ESA, MSA, Abitur) zur Verfügung, als staatliche Schulen. Wie ist das an Ihrer Schule?
    2. von Tobias Zimmermann
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 15.07.2017, 19:07:49
      Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
      eigentlich haben die Schulen ja höhere Kosten. Denn auch jede Schule in Freier Trägerschaft braucht Verwaltung ... Gerade für die kleinen Träger mit einer oder zwei Schulen ist das erst einmal eine größere Last. Denn bei uns verteilen sich die Leitungs- und Verwaltungskosten nicht auf viele Schulstandorte. Dass wir dann oft lernen, schlanker zu wirtschaften, weil wir müssen, steht auf einem anderen Blatt. Beamtengehälter sind ein gutes Beispiel. Im aktiven Dienst, sind sie oft billiger. Die Ruhekosten tauchen aber in keiner Berechnung der Kosten staatlicher Schulen auf. Hier sind die Faktoren, die am Ende selbst bei einer fiktiven Vollkostenrechnung das Bild verzerren. Denn die Freien Träger müssen die Sozialabgaben natürlich voll bezahlen. Was die Geschwisterregelung betrifft gebe ich Ihnen völlig recht. Hier wird ja ins Feld geführt, es brauche bei Geschwistern deutliche Reduktionen. Ich sehe das wie Sie:Geschwisterrabatt ja. Bei substantiellen Nachlässen ist das aber sinnvollerweise auch Einkommensabhängig.
    3. von Vornamen Namen
      Antwort auf den Beitrag von Tobias Zimmermann 15.07.2017, 15:37:25
      Sehr geehrter Herr Zimmermann,

      die Schulgeldordnung März 2017 des Canisius-Kolleg, Berlin ist tatsächlich veröffentlicht, ...

      allerdings fehlen Daten, z.B. zur Schulgeldstaffelung https://web.archive.org/web/20170715210002/https://canisius.de/wp-content/uploads/170509_informationen_zum_schulgeld_am_ck.pdf

      Dazu sei angemerkt, dass der VDP lt. Tagesspiegel-Artikel* sich beschwert, dass die Wissenschaftler nicht nachgefragt, sondern nur die vorhandenen Daten verwendet hätten, was zu "realitätsfernen Ergebnissen" geführt hätte.

      * http://www.tagesspiegel.de/berlin/schulpolitik-in-berlin-studie-privatschulen-sind-zu-teuer/20059616.html

      Es ist doch recht mühsam transparente Daten zu erhalten, wenn die vorhandenen D. zu falschen Schlussfolgerungen führen und die notwendigen verweigert werden. (siehe Drs. 18-11128 Berlin).

      Auch zum Schulgeld an St. Blasien, Direktor Pater Mertes, findet man nicht viele Informationen: 
      "06.06.2013 Stipendienausschuss
      Am vergangenen Mittwoch (5. Juni) traten die Mitglieder des Stipendienausschusses am Kolleg zusammen, um über die neuen Stipendienanträge für das kommende Schuljahr 2013/14 ausführlich zu beraten. Der Auswahlausschuss, in dem die Kollegsleitung maßgeblich vertreten ist, ist bestrebt, dass die Aufnahme ins Kolleg nicht am Geld scheitert. Der Solidarfonds ermöglicht es, Stipendien und Ermäßigungen für interne und externe Schülerinnen und Schüler zu gewähren. Für externe Schüler und Schülerinnen gilt: Der Schulbesuch scheitert nicht am Schulgeld. Für interne Schülerinnen und Schüler gilt: Über das Stipendium wird auf Grund von zwei Kriterien entschieden. Die finanzielle Situation des Elternhauses und die familiäre, schulische Ausgangssituation, die durch den Besuch des Internates pädagogisch besonders aufgefangen und begleitet werden kann. So können für das neue Schuljahr 2013/14 insgesamt 450.000 € Voll- und Teilstipendien für Kollegianer gewährt werden."
       https://www.kolleg-st-blasien.de/start/meldung/1103 
    4. von Tobias Zimmermann
      Antwort auf den Beitrag von Vornamen Namen 17.07.2017, 17:13:31
      Sehr geehrter Leser, sehr geehrte Leserin,

      auf unserer Homepage finden Sie auch die Angaben zur Schulgeldstaffelung, die allerdings auf Selbsteinschätzung der Eltern beruht, und zur Geschwisterregelung (Wenn Sie auf der Schulgeldseite sind, einfach die entsprechende Zeile "rot" anklicken.). Wir wollen das Vertrauen der Eltern, die uns die Kinder anvertrauen, durch unser Vertrauen beantworten. Deshalb wollen wir grundsätzlich keine Steuerunterlagen sehen.

      Ja, auf diesem Felde solide, vergleichbare Daten zu bekommen, ist nicht leicht. Die Träger der Freien Schulen, die in der AGFS organisiert sind, haben der Schulverwaltung zugesagt, hier gerne zuzuarbeiten, wenn es um die Schaffung von Transparenz geht. Die Studie der WZB vermittelt aber den Eindruck, als sei die Datenlage schon klar. Das ist sie nicht.
  8. von Vornamen Namen
    Veröffentlichen Sie doch einfach Ihre Schulgeldregelungen, belegen Sie Ihre Deckungslücken zur Finanzierung des anzubietenden gleichwertigen Pflichtschulbetriebes, die mit Schulgeld zu finanzieren sind, usw. usw.
    Um so die Feststellung der Kölner Richter und der WZB-Wissenschaftler zu widerlegen.